Olympia 2008 Frodeno holt Triathlon-Gold für Deutschland

Endspurt zum Olympiasieg: Jan Frodeno hat sich die Goldmedaille im Triathlon gesichert. In einem knappen Rennen konnte er sich auf den letzten Metern gegen Simon Withfield aus Kanada und Bevan Docherty aus Neuseeland durchsetzen.


Hamburg - Triathlet Jan Frodeno hat die zehnte deutsche Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen. Der Saarbrücker verwies im Schlussspurt nach 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen Sydney-Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada und Vize-Weltmeister Bevan Docherty aus Neuseeland auf die Plätze zwei und drei. Ex-Weltmeister Daniel Unger wurde Sechster, Christian Prochnow belegte Platz 15.

Triathlet Frodeno: Endspurt zum Olympia-Gold
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Triathlet Frodeno: Endspurt zum Olympia-Gold

"Ich konnte nicht glauben, was passiert ist. Das ist ein Moment, von dem man immer träumt", sagte Frodeno nach dem Rennen seines Lebens. Er war zusammen mit den zwei anderen deutschen Startern sowie 53 Athleten aus anderen Ländern über die olympische Triathlon-Distanz gestartet. Bei Temperaturen von knapp 30 Grad und 82 Prozent Luftfeuchtigkeit bereits um 10 Uhr Ortszeit gingen Frodeno, Christian Prochnow und Unger, der Weltmeister von 2007, auf die Schwimmstrecke im Ming-Tomb-Reservoir. Nach den 1,5 Kilometern Schwimmen lag der Neuseeländer Shane Reed in Front und wechselte als Erster aufs Rennrad, um die 40 Kilometer der zweiten Teildisziplin anzugehen.

Frodeno kam einen Tag nach seinem 27. Geburtstag als Zwölfter aus dem Wasser, Prochnow verließ die Wechselzone auf Platz 27, Unger ging als 36. auf die Radstrecke. Der 30-jährige Medaillenanwärter hatte zu diesem Zeitpunkt rund 25 Sekunden Rückstand auf den Führenden, konnte jedoch bereits in den ersten Minuten auf dem Rad zehn Plätze gut machen und war wie Frodeno und Prochnow in der führenden Radgruppe dabei.

Der 20-jährige Brite Alistair Brownlee setzte sich nach gut einer halben Stunde Rennzeit kurzzeitig an der Spitze ab, musste die Führung jedoch bald an den Kanadier Collien Jenkins abgeben. Nach der Hälfte der Renndistanz lag der Belgier Peter Croes vorne, mit sieben Sekunden Rückstand konnte Unger auf Rang neun jedoch einen Platz in den Top Ten behaupten. Auch Prochnow und Frodeno hatten als 24. und 25. zu diesem Zeitpunkt lediglich acht Sekunden Rückstand.

Bis zur vorletzten Runde der Radstrecke schaffte es keiner der Fahrer, sich nachhaltig vom Feld abzusetzen, erst auf den Schlusskilometern konnte ein Trio einen kleinen Vorsprung herausfahren. Als erster ging der Luxemburger Dirk Bockel nach knapp 1:17 Stunden in die Wechselzone, dicht gefolgt vom Belgier Axel Zeebroek. Frodeno erreichte als Vierter die Laufstrecke, auf der die Athleten noch vier Runden von je 2,5 Kilometer Länge zu absolvieren hatten. Daniel Unger lag zu diesem Zeitpunkt auf Position sechs und war damit ebenfalls Teil einer neunköpfigen Spitzengruppe, die sich vom Feld absetzen konnte.

Gegen Ende der zweiten Laufrunde konnte Unger bei einer Tempoverschärfung des Spaniers Ivan Rana jedoch nicht mitgehen und fiel auf den neunten Platz zurück. Jan Frodeno hingegen konnte das Tempo halten und behauptete sich in der führenden Sechsergruppe.

Zu Beginn der letzten Runde betrug Ungers Rückstand auf Rang sechs bereits 20 Sekunden. "Das war eine Chance, die erstmal weg ist", sagte der als einer der Favoriten ins Rennen gestartete Unger, der sich aber angesichts der hochklassigen Konkurrenz als Sechster achtbar schlug. "Ein vierter Platz wäre noch schlimmer gewesen. Ich habe ein gutes, aber kein sehr gutes Rennen gemacht."

An der Spitze hatten sich der Neuseeländer Bevan Docherty, Javier Gomez aus Spanien und Frodeno vom restlichen Feld abgesetzt und machten scheinbar den Sieg unter sich aus. Doch der Kanadier Simon Whitfield, der vorrübergehend geschlagen schien, kämpfte sich noch einmal an die Führenden heran und wagte eine Attacke auf der Zielgerade. Doherty und Gomez waren geschlagen, den Sieg machten Whitfield und Frodeno unter sich aus. Der Deutsche hatte am Ende die besseren Reserven und lief mit einem fulminanten Endspurt nach 1:48:53 Stunden zu olympischem Gold. "Er war spektakulär", sagte der geschlagene Whitfield über Frodeno, der die Siegerehrung sichtlich genoss: "Das kommt alles in einem Moment zusammen - innerhalb von diesen 90 Sekunden bei der Nationalhymne lässt du das ganze Leben an dir vorbeilaufen" sagte der Sieger.

luk/sid/dpa

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