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Skandal beim Badminton: Mit Absicht verlieren

Foto: Andres Leighton/ AP

Manipulationsverdacht bei Olympia Acht Badminton-Spielerinnen disqualifiziert

Sie sollen versucht haben, absichtlich zu verlieren: Acht Badminton-Spielerinnen sind wegen Manipulationverdachts von ihren Verbänden disqualifiziert worden. Noch ist jedoch fraglich, ob die Entscheidung sportrechtlich Bestand haben wird.

London - Sie schlugen Bälle offensichtlich mit Absicht ins Aus oder ins Netz: Acht Badminton-Spielerinnen sind wegen unsportlichen Verhaltens vom Badminton-Weltverband BWF disqualifiziert worden. Das berichtet der britische Nachrichtensender BBC. Auch ein indonesischer Offizieller hatte zuvor von der Entscheidung berichtet.

"Wir unterstützen und begrüßen die Entscheidung des internationalen Verbands. Für solch ein Verhalten ist bei Olympischen Spielen kein Platz", sagte ein Funktionär des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Die Spielerinnen seien aber noch nicht vom IOC von den Sommerspielen ausgeschlossen worden.

Es handelt sich dabei um Spielerinnen aus China, Südkorea und Indonesien. Sie sollen Vorrundenspiele in der Doppel-Konkurrenz manipuliert haben, um in der K.-o.-Runde auf leichtere Kontrahentinnen zu treffen. Der Badminton-Weltverband hat für den Nachmittag eine Pressekonferenz angekündigt.

"Vergleichbar mit Wettbetrug im Fußball"

Der Weltverband hatte zum ersten Mal in der olympischen Badmintongeschichte Gruppenspiele eingeführt und damit diese Form der Manipulation überhaupt erst ermöglicht. Dabei hätte die BWF gewarnt sein müssen: Bereits 2008 war es bei der Mannschafts-WM zu Manipulationen gekommen, daraufhin war der Modus geändert worden. In London standen alle vier betroffenen Teams bereits vor dem letzten Gruppenspiel sicher im Viertelfinale.

Eine Reaktion der betroffenen Sportlerinnen steht noch aus. Auch die Frage, inwieweit die Entscheidung sportrechtlich Bestand haben wird, ist derzeit noch offen. Südkorea und Indonesien haben gegen das Urteil Protest eingelegt.

"Das Urteil ist nachvollziehbar und richtig", sagt der Sportrechtler Michael Lehner SPIEGEL ONLINE. Allerdings müsse die absichtliche Manipulation eindeutig nachgewiesen werden. Es handle sich dann nach gültigem Sportrecht um eine Regelverletzung, die eine Disqualifikation rechtfertige. "Das ist vergleichbar mit Wettbetrug im Fußball", sagt Lehner.

"Wir wollten Kraft für die K.-o.-Runden sparen"

Die Badminton-Doppelteams Wang Xiaoli/Yu Yang aus China, Greysia Polii und Meiliana Jauhari aus Indonesien sowie die südkoreanischen Doppel Jung Kyung Eun/Kim Ha Na und Ha Jung Eun/Kim Min Jung hatten offenbar versucht, Spiele in der Vorrunde absichtlich zu verlieren. Die Spielerinnen waren am Dienstag deshalb von Zuschauern ausgebuht und beschimpft worden.

Der südkoreanische Cheftrainer Sung Han Kuk hatte zugegeben, seine beiden Doppel hätten versucht, ihre Spiele gegen die Chinesinnen und Indonesierinnen herzuschenken - aber das sei eine Reaktion auf das Verhalten des chinesischen Doppels gewesen, das die Situation herbeigeführt habe.

Die Chinesinnen Yu und Wang verloren schließlich 14:21, 11:21 gegen Jung und Kim aus Südkorea. Zuvor hatte ein Schiedsrichter beiden Teams mit Disqualifikation gedroht. Chinas Cheftrainer Li Yongbo verneinte jedes unsportliche Verhalten. "Da war nichts. Es war nur ein Spiel", sagte er. "Wir waren schon qualifiziert, wir wollten Kraft sparen für die K.-o.-Runden", verteidigte Yu Yang ihr Verhalten.

Später am Abend wiederholte sich die Farce beim Spiel der Indonesierinnen gegen das südkoreanische Paar. Während Zuschauer die Spielerinnen aufforderten, die Halle zu verlassen, zeigte ein Schiedsrichter beiden Doppeln die schwarze Karte - sie bedeutet Disqualifikation. Sie wurde nach Protesten beider Seiten zurückgenommen. Das Spiel endete schließlich mit einem Dreisatzsieg der Südkoreanerinnen.

bka/psk/ulz/Reuters/sid/dpa
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