Betrugsvorwurf Boxverband hebt skandalöses Olympia-Urteil auf

Nächster Skandal bei den Olympischen Spielen: Sechsmal schickte der japanische Boxer Satoshi Shimizu seinen Gegner Magomed Abdulhamidov zu Boden - trotzdem wurde der Aserbaidschaner zum Sieger erklärt. Jetzt hat der Weltverband das Urteil korrigiert und den Ringrichter suspendiert.

Boxer Abdulhamidov (links) und Shimizu (rechts): Umstrittenes Urteil
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Boxer Abdulhamidov (links) und Shimizu (rechts): Umstrittenes Urteil


Hamburg - Nach dem Skandal um asiatische Badmintonspielerinnen gibt es einen weiteren Bertrugsvorwurf bei den Olympischen Spielen: Der Aserbaidschaner Magomed Abdulhamidov wurde im Box-Bantamgewichtsduell am Mittwochabend gegen den Japaner Satoshi Shimizu mit 22:17 Punkten zum Sieger durch Überlegenheit bestimmt - obwohl der Japaner seinen Rivalen Abdulhamidov in der dritten Runde sechsmal zu Boden geschickt hatte. Gleich dreimal hatte es der Ringrichter unterlassen, ihn anzuzählen.

Nun hat der Boxweltverband der Amateurboxer (Aiba) das Urteil beim olympischen Turnier in London nach Protest der Japaner korrigiert und Shimizu zum Sieger durch Überlegenheit bestimmt. Zudem wurde Ischanguly Meretnyjasow, der Ringrichter aus Turkmenistan, nach Hause geschickt. Auch der Technische Offizielle Aghajan Abijew (Aserbaidschan) muss abreisen.

"Ich bedaure sehr, dass wir diese Entscheidungen treffen mussten. Aber unser größtes Anliegen wird immer der Schutz des Fairplay in den Wettbewerben sein", sagte Aiba-Präsident Wu Ching-Kuo aus Taiwan. Ob auch gegen die Punktrichter wegen des umstrittenen Urteils vorgegangen wird, wurde nicht bekannt.

Abdulhamidow musste beim Verlassen des Ringes von seinen Betreuern gestützt werden. "Ich war schockiert. Er ist so oft zu Boden gegangen, warum habe ich nicht gewonnen? Ich verstehe es nicht", hatte Shimizu gesagt.

"Das war ein abgekartetes Spiel"

Im vergangenen Jahr waren Vorwürfe laut geworden, dass Aserbaidschan dem Weltverband zehn Millionen US-Dollar (rund acht Millionen Euro) für zwei Medaillen in London gezahlt hätte. Nach einer internen Untersuchung wies die von der Aiba für die Untersuchung einberufene Sonderkommission SIC diese als "grundlos und jeder Grundlage entbehrend" zurück.

Die Ringrichter des Boxturniers sind nach umstrittenen Entscheidungen bereits zuvor scharf kritisiert worden. Der iranische Schwergewichtler Ali Mazaheri warf den Offiziellen nach seiner Achtelfinalniederlage gegen den Kubaner José Larduet Gomez gar Betrug vor. "Das war ein abgekartetes Spiel. Ich hätte problemlos um Bronze kämpfen können, wenn das nicht gewesen wäre. Es war alles arrangiert", sagte Mazaheri, der nach drei Verwarnungen disqualifiziert worden war.

Noch vor der offiziellen Bekanntgabe des Siegers verließ Mazaheri wütend den Ring. Der Weltverband verwies in einer Stellungnahme auf eine entsprechende Regel in den Wettkampfbestimmungen. Dennoch wurde als Konsequenz der deutsche Ringrichter Frank Scharmach für fünf Tage suspendiert. Erst am 7. August darf Scharmach in den Ring zurückkehren.

Kritik an den Leistungen der Ringrichter kam derweil auch vom früheren britischen Schwergewichtsweltmeister Lennox Lewis: "Das macht mir Sorgen. Man weiß bis zum Schluss nicht, wie der Kampf ausgehen wird."

jar/sid/dpa



insgesamt 56 Beiträge
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vander1 02.08.2012
1. Sport,
ich dachte da geht es um Geld. Prestige, Betrug usw. sind eine zwangsläufige Folge des sogenannten "Spitzensports". Ich frage mich nur wie lange sich für diese Massenverarschung noch genügend Zuschauer finden um das ganze Spektakel gewinnbringend zu finanzieren.
fxe1200 02.08.2012
2. Nur die Kohle zaehlt...
...so ist das mal nun in der Diktatur des Kapitals, in der wir nun endlich (oder schon lange, wie man es nimmt) angekommen sind. Und bei Olympia wird da auch kein Halt eingelegt.
sabaro4711 02.08.2012
3.
Zitat von fxe1200...so ist das mal nun in der Diktatur des Kapitals, in der wir nun endlich (oder schon lange, wie man es nimmt) angekommen sind. Und bei Olympia wird da auch kein Halt eingelegt.
Mich wundert vielmehr, wie bei einem Kampf eines Aserbaidschaners gegen einen Japaner der technische Offizielle ebennfalls Aserbaidschaner und der Ringrichter aus dem Nachbarland Turkmenistan (wenn man sich das Kaspische Meer mal wegdenkt) kommen kann. Seeeehr ominös
dr.schitzophren 02.08.2012
4.
Dieses ganze Mist...wer will das eigentlich noch sehen? Doping, Schiebung, Absprachen....Olympia ist pervertiert.
u.loose 02.08.2012
5. Kein Hundehaufen ist klein genug
Zitat von fxe1200...so ist das mal nun in der Diktatur des Kapitals, in der wir nun endlich (oder schon lange, wie man es nimmt) angekommen sind. Und bei Olympia wird da auch kein Halt eingelegt.
das man ihn nicht für sozialistische Kapitalimuskritik benutzen könnte?
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