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Kugelstoßen: Drei Zentimeter zu kurz

Foto: David J. Phillip/ AP

Silber-Gewinner Storl "In vier Jahren gewinnst du!"

Guter Auftakt für die deutschen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen: David Storl holte Silber im Kugelstoßen. Der Weltmeister galt sogar als Favorit auf Gold, er und sein Trainer freuten sich dennoch riesig über die Medaille. Zur Belohnung darf Storl jetzt eine Woche hart trainieren.

Tomasz Majewski musste laut lachen. Ein Journalist wollte vom alten und neuen Kugelstoß-Olympiasieger wissen, ob er sich als stiller Riese bezeichnen würde. Majewski prustete uns sagte: "Gott, oh Gott. Sie kennen mich nicht. Was sind denn das für Fragen?" Neben ihm saßen David Storl, Gewinner der Silbermedaille, und Reese Hoffa aus den USA, geschmückt mit Bronze, und grinsten. Gut gelaunte acht Zentner Lebendgewicht saßen da auf dem Podium.

Als dann noch ein Reporter von Storl wissen wollte, ob er mit seiner Freundin Carolin Leonhardt, einer Kanutin, gewettet habe, wer in London besser abschneide, beendete Majewski die Unterredung. Er schlug sich die mächtige rechte Pranke an die Stirn und sagte: "Woher nehmt ihr Jungs immer nur diese Fragen? Hey, wir sind müde!" Der Pole stand auf und verschwand in den Katakomben des Londoner Olympiastadions, Storl und Hoffa folgten.

Es schien, als hätte es an diesem Freitagabend nur Sieger im Kugelstoßen gegeben. Majewski war glücklich, er hatte als zweiter Athlet in dieser Disziplin nach dem US-Amerikaner Parry O'Brien (1952 und 1956) zweimal Olympia-Gold in Folge gewonnen. Hoffa war zufrieden, weil er die amerikanische Medaillenserie verteidigte, wie er sagte. Und Storl, der Weltmeister, den viele als Favoriten gesehen hatten, wollte sich nicht einreden lassen, dass dieser Abend kein Erfolg für ihn gewesen sein sollte.

Leichter Wadenkrampf behinderte Storl nach dem dritten Versuch

Im größten Wettkampf seines Lebens hatte der 22-jährige Deutsche zwei persönliche Freiluft-Bestleistungen aufgestellt: erst 21,84 Meter, dann 21,86 Meter im zweiten Versuch. Es war der perfekte Start. Beim dritten Stoß spürte Storl dann ein Zwicken in der Wade, ein leichter Krampf, der ihn fortan behinderte.

Majewski konterte mit 21,87 Meter, später, als er schon als Sieger feststand, verbesserte er sich auf 21,89 Meter. Zentimeterchen um Zentimeterchen ging es zwischen den beiden voran. Storl konnte aber im Laufe des Wettkampfs nicht mehr kontern. "Ich hatte ein paar Probleme. Aber ich bin nicht traurig. Ich freue mich riesig über Silber", sagte Storl anschließend.

Planung von Storl war immer auf Olympia 2016 ausgerichtet

Auch sein Trainer Sven Lang nahm es sportlich: "Wir trauern nicht über Silber." Weil Storl von seiner Schnelligkeit lebe, könnten Verletzungen schnell passieren. Der Sachse hat in seiner jungen Karriere stets alle Planziele seines Trainers Lang gesprengt. Er wurde Junioren-Weltmeister in beiden Altersklassen (U18, U20), wurde im vergangenen Jahr dann Weltmeister bei den Erwachsenen. Hallenweltmeister war Storl noch nicht, zählt Lang auf. "Und unsere Planung war ohnehin immer auf Olympia 2016 in Rio ausgerichtet."

Majewski feiert Ende des Monats seinen 31. Geburtstag, Hoffa wird im September 35, Storl ist gerade 22 geworden. Seine sportliche Zukunft, die er eigentlich noch vor sich hat, hat längst begonnen. "Kugelstoßen geht ja eigentlich erst mit Mitte zwanzig los", sagt Lang: "Wenn dann bei David zur Schnelligkeit noch mehr Kraft kommt, ist viel möglich." Majewski sagte nach dem Wettkampf zu Storl: "In vier Jahren gewinnst du."

Es mag komisch klingen, wenn jemand unmittelbar nach so einem Wettkampf schon von den nächsten Olympischen Spielen redet. Aber Lang erzählt das entspannt in einer Seelenruhe, die einiges verrät über ihn, seinen Athleten und deren Arbeit in Chemnitz. Hier werkelt ein Duo professionell gelassen. Die beiden sind ein Paradebeispiel für jene neue Generation von Athleten und Trainern, die den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) prägt.

Für den DLV war es, auch wenn viele mit einem Sieg Storls gerechnet hatten, ein glänzender Auftakt. Damit steht der Verband schon jetzt besser da als vor vier Jahren in Peking, als es nur eine Bronzemedaille durch Speerwerferin Christina Obergföll gab.

Zur Belohnung für die Silbermedaille gewährt Lang seinem Schützling eine Woche hartes Training. Unterbrochen nur vom Ausflug an die Kanustrecke. Denn natürlich wird Storl dabei sein, wenn seine Freundin Leonhardt im Vierer versucht, ihren Olympiasieg von Athen 2004 zu wiederholen. Ansonsten wird hart gearbeitet. Eine Woche Urlaub in einem Wellnesshotel ist erst nach den Spielen vorgesehen. Deshalb wird in London noch ein bisschen geschuftet. "Zwei Wochen Urlaub am Stück", sagt Lang, "wären doch ein bisschen viel."

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