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Hockey-Olympiasieg: Finalsieg gegen die Niederlande

Foto: LEON NEAL/ AFP

Triumph der Hockey-Männer Gemeinsam sind wir Gold

Sie heulten, sie brüllten, sie tanzten. Die deutschen Hockey-Männer konnten ihr Glück nach dem Finalsieg gegen die Niederlande kaum fassen. Die Goldmedaille ist das Ergebnis einer sportliche Glanzleistung - aber vor allem dem überragenden Teamgeist geschuldet.

Was dem Jubelsturm in der Hockey-Arena im Olympic Park folgte, erinnerte an einen zünftigen Vatertagsausflug. Mit Bierflaschen und Zigaretten in den Händen zogen die deutschen Hockey-Olympiasieger nach ihrem 2:1-Triumph im Finale über die Niederlande grölend aus der Arena. Am nächsten Checkpoint zeigten sie statt ihrer Akkreditierungen ihre Goldmedaille vor. "Das muss reichen", rief Torwart Max Weinhold. Es reichte. Wer oder was hätte sie aufhalten sollen in dieser Nacht? Nicht einmal die bei diesem olympischen Hockey-Turnier so dominierenden Niederländer hatten das im Finale geschafft.

Der Überraschungseffekt kann es kaum gewesen sein, mit dem die Deutschen ihre Nachbarn so aus der Bahn werfen konnten. Dafür kennen sich die beiden Teams zu gut. "Die Niederlande sind so sorglos durch das Turnier spaziert, da haben wir nachgedacht. Im Finale waren wir es, die ihnen etwas zum Nachdenken gegeben haben", sagte Bundestrainer Markus Weise. In der Vorrunde hatten die Deutschen dem "total hockey", der erdrückenden Dominanz der Niederländer auf dem Spielfeld, nichts entgegenzusetzen gehabt. Sie wurden durch die Überfallangriffe überrannt und verloren 1:3. Nun die Revanche.

"Es ist überwältigend", jubelte Philipp Zeller. "Wir haben so wahnsinnig als Team funktioniert, das ist nicht alltäglich. Ich bin total fertig mit den Nerven." Nach der Siegerehrung warf Torwart Weinhold seinen Blumenstrauß auf die Haupttribüne, wo ein Haufen deutscher Athleten saß. Einige Spieler weinten, andere holten sich Deutschland-Fahnen und brüllten ihre Freude hemmungslos heraus. Sie hüpften und tanzten wild durcheinander. Es wurde eine lange goldene Nacht, zuerst im "Deutschen Haus", dann auf dem Kreuzfahrtschiff "MS Deutschland".

"Ich kann es gar nicht glauben. Es ist so verrückt, dass ich meine Goldmedaille ganz fest halte, damit sie nicht plötzlich wieder verschwunden ist", sagte Jan Philipp Rabente, ein Defensivmann, der in 77 Länderspielen sechs Tore schoss, und nun in seinem 78. gleich zwei. "Du denkst, du träumst was ganz Verwegenes. Zwei Tore im Endspiel bei Olympia. Das kommt dir selbst im Traum völlig bekloppt vor", sagte Rabente. Dass der zweite Treffer irregulär war, weil Rabente zuvor regelwidrig hinter dem Tor der Niederländer entlanggelaufen war, minderte die Freude nicht. Auch der unterlegene Gegner beschwerte sich nicht über den Regelverstoß.

Bundestrainer Weise erfindet "kippenden Fünfer"

Wo die Niederländer im Vorrunden-Match noch Lücken gefunden hatten, war ihnen im Finale meist ein deutscher Schläger im Wege. Genau dafür hatte Trainer Weise den "kippenden Fünfer" erfunden, einen Mittelfeldspieler, der sich in die Abwehr zurückfallen lässt und so als weitere Anspielstation den Druck des attackierenden Gegners mindert.

"Wir standen etwas tiefer, sonst nichts", sagte Bundestrainer Weise. Doch das reichte, die Niederländer konnten sich nur selten gefährlich in Szene setzen. "Die haben super verteidigt. Wir haben auch gut gespielt. Ihre Verteidigung aber war zu viel für uns", sagte "Oranje"-Coach Paul van Ass zu der taktischen Umstellung seines Gegenübers.

In London gewann Weise sein drittes Olympia-Gold. 2004 gewann er mit den deutschen Frauen und 2008 ebenfalls mit den Männern. Weise ist der Mann der ungewöhnlichen Trainingsmethoden. Beim Torschusstraining werden Rechenaufgaben gestellt, um besser unter Druck in Höchstgeschwindigkeit Hockey spielen zu können. Er ist Anhänger einer "flachen Hierarchie im Team und hegt den Traum einer "mündigen Mannschaft". In London "hat er uns an der langen Leine gelassen. Wir Spieler haben uns in der Vorrunde schon Sorgen gemacht", sagte Kapitän Max Müller. "Dann hat er genau im richtigen Zeitpunkt wieder angezogen."

Markus Weise drückt das so aus: "Gerade, weil das alles clevere Jungs sind, kannst du ihnen keinen Mist erzählen. Du musst was bringen, was sie überzeugt." Das ist ihm gelungen.