Sechs Goldmedaillen an einem Tag Großbritannien feiert den Super Saturday

Sechs Goldmedaillen an einem Tag: Gastgeber Großbritannien hat am Super Saturday auf ganzer Linie triumphiert. Der emotionale Höhepunkt fand im Olympiastadion statt, als Siebenkämpferin Jessica Ennis siegte - und 80.000 Fans in Ekstase versetzte.

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Aus London berichtet


Super Saturday hat das olympische Organisationskomitee LOCOG diesen Samstag genannt. Und die Offiziellen sollten recht behalten: Gleich 25 Medaillensätze wurden an diesem Tag vergeben, ganze sechs Goldmedaillen gingen an den Gastgeber. Der Slogan dieser dritten Sommerspiele in London lautet: Inspire a generation. Eines ist sicher: Wer beim Super Saturday dabei gewesen ist, wird diesen Tag nicht vergessen.

In Sitzsportarten sind die Briten unübertroffen, hat Londons Bürgermeister Boris Johnson Anfang der Woche in seiner Kolumne im "Telegraph" gelästert. Aber es wäre ganz schön und hoffentlich nicht auszuschließen, wenn Großbritanniens Athleten auch in anderen Disziplinen Medaillen gewännen. Nun: An diesem Super Saturday gelang dies: im Sitzen und Springen, Laufen und Werfen.

Keine Zeitung von London bis Inverness hatte am Sonntag nicht Fotos der neuen Helden auf der Titelseite. Großbritannien berauscht sich an seinen nun vierzehn Olympiasiegen und an Rekorden - die Medien und die vielen Menschen, die an der Ruderstrecke in Eton, im Velodrom und im Olympiastadion ekstatisch gefeiert haben.

Ruderer eröffnen den Gold-Reigen

Der Reihe nach: Die goldene Hatz begann am Morgen beim Rudern, wo zunächst der Frauen-Doppelzweier mit Kat Copeland und Sophie Hosking und dann der Vierer ohne der Männer gewannen, besetzt mit Andrew Triggs Hodge, Pete Reed, Tom James und Alex Gregory. Am Nachmittag stürmten Joanna Rowsell, Dani King und Laura Trott im Velodrom zu Weltrekord und zur Goldmedaille in der Mannschaftsverfolgung. Allesamt im Sitzen.

Am späten Abend kam dann der Höhepunkt. Was sich im prall gefüllten Olympiastadion zwischen 21.01 Uhr und 21.46 Uhr Ortszeit ereignete, war historisch: Die größte Dreiviertelstunde in der Geschichte des britischen Sports.

Um 21.01 Uhr beendete Jessica Ennis, 26, aus Sheffield, die große Favoritin, auf die sich alles konzentrierte hatte, ihren 800-Meter-Lauf und damit einen grandiosen Siebenkampf, den besten ihres Lebens. Um 22.02 Uhr schnappte sich der Weitspringer Greg Rutherford, 25, aus Milton Keynes, Urenkel eines Fußball-Nationalspielers, den Union Jack, die Nationalflagge, und feierte seinen Sieg im Weitsprung. Um 22.46 Uhr brach Mo Farah, 29, geboren in Mogadischu (Somalia), aufgewachsen in London, hinter der Ziellinie zusammen - als Olympiasieger über 10.000 Meter. Gewonnen hatte er vor dem US-Amerikaner Galen Rupp, seinem besten Freund und Trainingspartner.

"Was für eine Nacht für die britische Leichtathletik"

"Das waren die schönsten Momente meines Lebens", sagte Farah, der noch auf der Bahn seine schwangere Frau Tania und seine Tochter Rhianna umarmte. "Ich habe dem Druck standgehalten und bin einfach nur glücklich", sagte Ennis. Und Rutherford wunderte sich: "Was für eine Nacht für die britische Leichtathletik. Drei Goldmedaillen hat niemand für möglich gehalten."

Drei Goldmedaillen ausgerechnet in der olympischen Kernsportart Leichtathletik: In jener Sportart, die in Großbritannien im 19. Jahrhundert quasi wiederbelebt wurde. In jener Sportart, die in den vergangenen Jahrzehnten mitunter schon totgesagt wurde. In jener Sportart, in der Sebastian Coe, Boss des olympischen Organisationskomitees, 1980 und 1984 (jeweils über 1.500 Meter) seine Olympiasiege holte und sich nun anschickt, die Präsidentschaft im Weltverband zu übernehmen.

Rutherford und Farah bekommen ihre Medaillen erst am Sonntag überreicht. Siebenkämpferin Ennis hingegen durfte diesen Moment schon genießen, am Samstag um 22.24 Uhr. Und wer nahm die Siegerehrung im Siebenkampf vor? Natürlich Lord Sebastian Coe, der die Olympischen Spiele nach London geholt hatte. Und Sir Craig Reedie, ehemaliger Präsident des britischen Nationalen Olympischen Komitee und seit einer Woche Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Es war ein Abend voller Symbolik.

Und es hat, natürlich, auch geregnet. Britischer hätte dieser Abend nicht sein können. 80.000 Menschen schrien und tobten und lachten und weinten und feierten und sangen: Erst Davis Bowies "Heroes", dann lauter "All You Need Is Love" von den Beatles - und schließlich, alle gemeinsam: "God Save the Queen", die Nationalhymne.

Dass kurz darauf, weit weg im Millenium Stadium zu Cardiff, die Fußballmannschaft der Gastgeber um Altstar Ryan Giggs im Viertelfinale gegen Südkorea scheiterte, hat dem Glanz dieses historischen Tages nichts genommen. Fußball schaffte es ausnahmsweise nicht auf die Titelseiten der Zeitungen. Es ist Olympia. Es war Super Saturday.



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
TheBlind 05.08.2012
1.
Jahrelang dümpelte GB im Medaillenspiegel auf den hinteren Plätzen, jetzt die Explosion... jaja... es macht den Sport nicht glaubwürdiger... Cu.
WOLF in USA 05.08.2012
2. smile ...
Es sei ihnen gegoennt! :)
Ostwestfale 05.08.2012
3. Mittelfeld?
Zitat von TheBlindJahrelang dümpelte GB im Medaillenspiegel auf den hinteren Plätzen, jetzt die Explosion... jaja... es macht den Sport nicht glaubwürdiger... Cu.
In Peking war GB auf Platz vier. Mittelfeld ist für mich was anderes... Die Briten haben in den letzten jahren einen extremen finanziellen Aufwand in der Sportförderung betrieben. Dieser scheint sich jetzt auszuzahlen.Die britischen Goldmedaillen waren fast alles Favoritensiege: Ennis, Farrah, die Ruder-Goldmedaillen, Wiggins, die Bahnradfahrer, davon kam nichts überraschend.Und gerade Jessica Ennis hab`ich es gegönnt. Sie ist eine überragende Siebenkämpferin, die in Peking leider wegen einer Verletzung nicht antreten konnte.
Ostwestfale 05.08.2012
4. hintere Plätze???
Zitat von TheBlindJahrelang dümpelte GB im Medaillenspiegel auf den hinteren Plätzen, jetzt die Explosion... jaja... es macht den Sport nicht glaubwürdiger... Cu.
In Peking war GB auf Platz vier. Hintere Plätze sind für mich was anderes... Die Briten haben in den letzten jahren einen extremen finanziellen Aufwand in der Sportförderung betrieben. Dieser scheint sich jetzt auszuzahlen.Die britischen Goldmedaillen waren fast alles Favoritensiege: Ennis, Farrah, die Ruder-Goldmedaillen, Wiggins, die Bahnradfahrer, davon kam nichts überraschend.Und gerade Jessica Ennis hab`ich es gegönnt. Sie ist eine überragende Siebenkämpferin, die in Peking leider wegen einer Verletzung nicht antreten konnte.
kimba2010 05.08.2012
5.
Zitat von sysopGetty ImagesSechs Goldmedaillen an einem Tag: Gastgeber Großbritannien hat am "Super Saturday" auf ganzer Linie triumphiert. Der emotionale Höhepunkt fand im Olympiastadion statt, als Siebenkämpferin Jessica Ennis siegte - und 80.000 Fans in Ekstase versetzte. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,848259,00.html
Glückwunsch an GB, besser könnte es für die Gastgebernation sicher nicht laufen. Peinlich wird es aber langsam für das deutsche Team. Man muss sich fragen, was 2012 schief gelaufen ist, dass man so unter die Räder kommt. Ok, noch sind viele Entscheidungen nicht gefallen, aber der Trend ist unwiderlegbar. Seit 1992 sammeln wir immer weniger Goldmedaillen ein, während andere Nationen vorbeiziehen. Anstatt die Gründe für den Verfall zu analysieren und zu erklären, warum Nationen wie GB an uns vorbeiziehen, wird seitenlang über Possen wie beim Fall Drygalla berichtet. Als hätte der deutsche Sport keine anderen Sorgen, regt die die Presselandschaft darüber auf, ob der Freund (!) einer deutschen Athletin nun "rechts" ist oder nicht. Langsam kann man da nur von Realitätsverlust sprechen.
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