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Olympia 2012: Schluss in der Qualifikation

Foto: Alexander Hassenstein/ Getty Images

Friedrichs Olympia-Aus Das ist die Härte

Sie wollte ins Finale - und scheiterte in der Qualifikation. Für Ariane Friedrich sind die Olympischen Spiele bereits beendet. Das Aus von Deutschlands Top-Hochspringerin kommt nicht überraschend. Und der DLV muss sich für seine Härtefallregelung rechtfertigen.

Hamburg - Sie lächelte, aber es war ein gequältes Lächeln. Kurz nachdem Ariane Friedrich zum dritten Mal an der Höhe von 1,96 Metern gescheitert war, versuchte Deutschlands beste Hochspringerin zu erklären, warum die Olympischen Spielen für sie bereits nach der Qualifikation beendet waren. "Knapp" und "schade" sei es gewesen, und man fragte sich, ob Friedrich gleich weinen würde.

In London hatte sie ihre Saisonbestleistung erzielt, 1,93 Meter übersprungen, und dennoch reichte diese Höhe nicht für das Finale. Dafür wären 1,96 Meter nötig gewesen. So gesehen war das sportliche Abschneiden der 28-Jährigen keine Überraschung, überzogene Kritik an ihrer Leistung wäre somit kaum angebracht. Wohl aber, und das wird Friedrich geahnt haben, wird ihre Olympia-Nominierung nun wieder grundsätzlich in Frage gestellt.

Sportlich hatte sich Friedrich nicht für London qualifiziert. Die dafür vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) geforderten 1,95 Meter (A-Norm) hatte sie in dieser Saison kein einziges Mal übersprungen. Und diese Höhe ist für eine fitte Friedrich fast ein Klacks, schließlich ist sie mit 2,06 Metern deutsche Rekordhalterin.

"Ich habe mir die Sonderregelung nicht durch die letzten Jahre verdient, sondern weil ich zweimal die B-Norm (1,92 Meter, Anm. d. Red.) gesprungen bin", versuchte Friedrich unmittelbar nach dem Wettkampf ihre Nominierung zu rechtfertigen. Diese hatte vor den Spielen für heftige Diskussionen gesorgt. Ehemalige deutsche Spitzensportler hatten kritisiert, Friedrich dürfe nur wegen ihrer Leistungen aus der Vergangenheit und ihres schrillen Äußeren nach London reisen. Allerdings: Ohne Friedrich wäre gar keine deutsche Hochspringerin in London am Start gewesen. Die DLV-Verantwortlichen hingegen argumentierten immer, Friedrich habe die Form, das Finale zu erreichen, deshalb sei sie nominiert worden.

Auch de Zordo und Bartels scheitern in der Qualifikation

"Ich hätte das Vertrauen gerne zurückgezahlt", sagte Friedrich. Ähnlich klang das bei Speerwerfer Matthias de Zordo, Weltmeister 2011, und Kugelstoßer Ralf Bartels, Hallen-Europameister 2011, die ebenfalls nur aufgrund einer Ausnahmegenehmigung an den Spielen teilnehmen konnten, und die die Norm ebenfalls nicht erfüllt hatten. Und wie Friedrich waren beide in London bereits in der Qualifikation gescheitert.

Das Positive an den Personalien Friedrich, de Zordo und Bartels: Sie haben mit ihrer Olympia-Nominierung keinem anderen deutschen Athleten den Startplatz weggenommen. Das Negative: Ihr Abschneiden wirft ein schlechtes Licht auf die Nominierungspraxis und lässt die ansonsten positive Leichtathletikbilanz mit Gold für Robert Harting sowie Silber für David Storl und Lilli Schwarzkopf nicht mehr ganz so strahlend erscheinen.

DLV-Sportdirektor Thomas Kurschilgen, der Friedrichs Nominierung immer verteidigt hatte, sagte, ihm sei das Risiko bei den mit Ausnahmeregelungen nominierten Athleten immer bewusst gewesen. Bei den genannten Fällen habe der Verband jedoch "keine Einflussmöglichkeit, über einen Leistungsnachweis einzugreifen", da der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) für die Olympia-Nominierung zuständig sei. Deshalb liege es laut Kurschilgen "in hohem Maße in der Eigenverantwortung des Athleten", einzuschätzen, ob ein Start Sinn ergebe. Gleichwohl war es der DLV, der für alle drei Athleten eine Härtefallregelung beim DOSB beantragt hatte.

De Zordo hatte vor dem Abflug nach London noch einen sportlichen Härtetest absolviert und sich optimistisch geäußert: "Es hält alles, ich bin schmerzfrei." Nach dem Debakel in der Qualifikation hörte sich das etwas anders an. Er habe den Arm wohl "ein bisschen früh komplett belastet", sagte de Zordo: "Am liebsten würde ich jetzt abhauen und heimfliegen."

Friedrich hingegen konnte ihrem frühzeitigen Scheitern sogar etwas Positives abgewinnen: "Es war für meine Karriere unheimlich wichtig, hier zu sein", sagte sie: "Ich brauchte diesen Wettkampf, um wieder motiviert in die nächste Saison zu gehen." Olympische Spiele als Trainingslager: Die Kritik an Friedrichs Nominierung dürfte durch so eine Aussage sicherlich nicht weniger werden.