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13. Juni 2003, 09:38 Uhr

Olympia 2012

IOC-Chef macht Leipzig Hoffnung

Kritikern der deutschen Olympia-Bewerbung, die Leipzig keine Chance geben, als Austragungsort der Sommerspiele 2012 nominiert zu werden, ist Jacques Rogge entgegengetreten. Der IOC-Chef hält die sächsische Stadt für groß genug, um sich gegen die Konkurrenten New York oder London durchzusetzen.

So feierte Leipzig im April den Sieg in der nationalen Olympia-Qualifikation
DPA

So feierte Leipzig im April den Sieg in der nationalen Olympia-Qualifikation

Hamburg - Nach Rogges Einschätzung hat die Stadt Leipzig eine ausreichende Größe, um die Spiele 2012 ausrichten zu können. "Groß ist sie nicht. Aber zu klein? Nein", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" auf die Frage, ob Leipzig mit seinen 500.000 Einwohnern zu klein für die Ausrichtung der größten Sportveranstaltung sei.

Rogge verwies auf das Beispiel der äußerst erfolgreichen Winterspiele 1994, die von der 12.000-Einwohnerstadt Lillehammer ausgerichtet worden waren. Wenn man "mit 12.000 Einwohnern im Winter Erfolg haben kann, gibt es keinen Grund, warum nicht auch 500.000 für erfolgreiche Sommerspiele ausreichen sollen. Und nicht zuletzt: Eine Stadt organisiert zwar die Spiele, aber Spiele in Leipzig wären auch Spiele in Sachsen, in Deutschland", sagte der 60 Jahre alte Belgier.

Er verwies auf die von ihm eingeleitete Initiative, die Größe und Kosten Olympischer Spiele zu begrenzen. Dazu wird die IOC-Vollversammlung vom 2. bis 4. Juli in Prag Empfehlungen aussprechen. Dabei geht es vor allem um die Mehrfachnutzung von Wettkampfstätten. Das IOC wolle auch "mehr temporäre Anlagen, nicht zu große Stadien. Wir wollen die Zahl der Akkreditierungen drastisch reduzieren", so Rogge. Die Zahl der Akkreditierungen von 200.000 bei den Spielen 2000 in Sydney solle auf etwa 140.000 reduziert werden.

Rogge droht mit Ausschluss ganzer Sportarten


Der IOC-Präsident machte Bewerbern wie Havanna und Rio de Janeiro oder São Paulo wenig Hoffnung, die Spiele bereits für 2012 zugesprochen zu bekommen. Das IOC wolle "Qualität sehen: in Sachen Sicherheit, Stadtentwicklung, Infrastruktur, Wirtschaft des Landes. Da können wir keine Kompromisse machen, nicht um den Preis der Qualität. Denn eine Stadt kann warten, ein Athlet nicht". Deshalb hätte er "perfekte Spiele verdient".

Außerdem erneuerte Rogge in dem Interview seine Ankündigung, bei Missachtung des neu formulierten Anti-Doping-Codes auch ganze Sportarten ausschließen zu wollen. Wenn ein Verband den Code "nicht akzeptiert und umsetzt, werde ich in der Exekutive den Antrag stellen, diese Sportart von den Spielen auszuschließen", sagte Rogge.

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