Fotostrecke

Aberkannte Medaillen: Diese Olympioniken mussten ihr Gold wieder abgeben

Foto: Mike Powell/ Getty Images

Weißrussin Ostaptschuk Gedopte Kugelstoßerin verliert ihre Goldmedaille

Das Internationale Olympische Komitee hat der Gewinnerin im Kugelstoßen, Nadeschda Ostaptschuk, die Goldmedaille aberkannt. Die Weißrussin wurde positiv auf Anabolika getestet, will aber dennoch um ihre Medaille kämpfen. Es ist der erste Fall dieser Art bei den Londoner Sommerspielen.

Hamburg - Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Kugelstoß-Olympiasiegerin Nadeschda Ostaptschuk wegen Dopings die Goldmedaille aberkannt. Die Weißrussin sei während der Olympischen Sommerspiele in London bei zwei Proben positiv auf das anabole Steroid Metenolon getestet worden, teilte das IOC mit.

Die Neuseeländerin Valerie Adams bekam die Goldmedaille nachträglich zugesprochen. Silber geht an die Russin Jewgenia Kolodko, Bronze bekommt Lijiao Gong aus China. Die deutsche Kugelstoßerin Christina Schwanitz rückt damit auf den zehnten Rang vor. Europameisterin Nadine Kleinert und die EM-Vierte Josephine Terlicki waren bereits in der Qualifikation gescheitert.

Ostaptschuk will gegen die Entscheidung vorgehen. "Natürlich werden wir kämpfen. Die Frage ist nur, wofür und gegen wen", sagte die Athletin dem Sender Radio Free Europe/Radio Liberty. "Man hat mich vor Fakten gestellt, ohne mir Einzelheiten mitzuteilen", sagte Ostaptschuk. "Diese Nachricht hat uns natürlich schockiert, ich benötige derzeit Beruhigungsmittel."

Eine offizielle Reaktion gab es zunächst nicht. Das Sportministerium habe noch keine Beweise erhalten, die Ostaptschuk belasteten, sagte ein Behördensprecher in Minsk der unabhängigen Agentur Belapan zufolge. Eine für den Nachmittag geplante Pressekonferenz Ostaptschuks in Minsk wurde ohne Angabe von Gründen kurzfristig abgesagt.

Hamilton, Johnson, Leipold - viele Athleten mussten Medaillen zurückgeben

Ostaptschuk hatte den Wettbewerb überlegen mit einer Weite von 21,36 Metern gewonnen, selbst ihr viertbester Stoß hätte noch zu Gold gereicht. Erst im Juli hatte die Europameisterin von 2010 die Kugel sogar auf 21,58 Meter gestoßen und die weltweit beste Leistung seit 1998 erzielt.

Die 31-Jährige war sowohl einen Tag vor als auch unmittelbar nach dem Wettkampf getestet worden. In beiden Proben wurde nach IOC-Angaben die verbotene Substanz gefunden. Sie sorgte damit für den zehnten Dopingfall bei den Spielen in London. Es ist das erste Mal, dass eine Medaillen-Gewinnerin von 2012 betroffen ist.

Eine Olympia-Premiere ist es indes nicht: Erst vor wenigen Tagen entschied das IOC, dass dem Radprofi Tyler Hamilton, Zeitfahr-Sieger bei den Spielen in Athen 2004, sein Triumph aberkannt wird. Insgesamt verloren mehr als 20 Athleten wegen Dopingvergehen ihre Medaillen. Den wohl prominentesten Fall hatte der kanadische Leichtathlet Ben Johnson geliefert: Der Sprinter war zwei Tage nach seinem Weltrekord-Triumph von Seoul 1988 über 100 Meter des Dopings überführt worden.

Auch deutsche Athleten waren bereits davon betroffen: Die deutsche Springreiter-Equipe musste ihr Gold von 2004 zurückgeben, nachdem das Pferd von Ludger Beerbaum positiv getestet wurde. Auch Ringer Alexander Leipold, der in Sydney 2000 triumphierte, verlor seine Medaille.

bka/sid/AP