Umstrittene Sekundenentscheidung Obfrau Csar im Internet schwer beleidigt

Umstrittene Sekundenentscheidung im Degen-Halbfinale: Der Sieg von Silbermedaillen-Gewinnerin Britta Heidemann gegen die Südkoreanerin Shin A Lam hat für die Obfrau Barbara Csar ein übles Nachspiel. Die Österreicherin wurde im Internet schwer beleidigt.

Fechterin Heidemann: Umstrittenes Degen-Halbfinale gegen Shin A Lam
AFP

Fechterin Heidemann: Umstrittenes Degen-Halbfinale gegen Shin A Lam


Hamburg - Es war die bisher strittigste Entscheidung bei den Olympischen Spielen in London: Im Degen-Halbfinale sicherte sich Britta Heidemann durch einen Treffer in der letzten Sekunde den Sieg gegen die die Südkoreanerin Shin A Lam. Es folgten wütende Proteste vom Trainer der Südkoreanerin. Erst nach mehr als einer Stunde stand der Finaleinzug der 29-Jährigen fest.

Im Internet wurde die Obfrau Barbara Csar aus Österreich anschließend schwer beleidigt. "Du bist eine Rassistin", schimpfte ein Nutzer auf Twitter. Südkoreanische User veröffentlichten darüber hinaus sowohl die E-Mail-Adresse Csars als auch deren Telefonnummer im Internet. "Es machte den Eindruck, dass Csar nie die Kontrolle über das Gefecht hatte. Ein lächerlicher Skandal", schrieb ein weiterer Twitter-Nutzer.

Dabei hatte Csar sich keine Fehlentscheidung zu Schulden kommen lassen. Beim Stand von 5:5 im Sudden Death zwischen Heidemann und Shin A Lam hatte es zwei Doppeltreffer innerhalb der letzten Sekunde gegeben. Csar verlangte daraufhin beim Kampfgericht die Überprüfung der Uhr, bei der ein Fehler festgestellt wurde. Auf Nachfrage der Obfrau akzeptierten aber beide Fechterinnen die Entscheidung, die letzte Sekunde noch einmal zu fechten. Heidemann traf, die Südkoreanerin verlor regelkonform.

Der Fecht-Weltverband FIE begründete den abgewiesenen Einspruch der südkoreanischen Delegation mit einer Tatsachenentscheidung. In einer offiziellen Mitteilung hieß es am Dienstagmorgen: "Nach Regel 32.1.3 liegt es alleine in der Entscheidungshoheit des Kampfrichters, wieviel Zeit es bis zum Ende des Kampfes noch gibt."

Heidemann hat nach der umstrittenen Entscheidung eine Regeländerung angeregt. "Das war kein Fehler der Athleten, sondern ein Fehler der Technik. Das darf nicht passieren. Wir brauchen mehr Transparenz. Die Zeitabläufe sollten noch genauer ersichtlich sein", sagte die 29-Jährige: "Wenn solche Diskussionen genau in einem solchen Moment auftauchen, muss man auf jeden Fall schneller Entscheidungen treffen."

mib/sid



insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
phrasenmaeher 31.07.2012
1. Regelkonform
Das Wort dürfte es so ziemlich auf den Punkt bringen. Das Schöne am Internet ist ja, dass sofort die Dumpfbacken dieser Welt (fast beruhigend zu wissen, dass die Doofen im Web ein internationales Phänomen sind) am Start sind, die nur "ihre Meinung" (nicht zu verwechseln mit Ahnung) zum Schlechtesten geben. Da darf natürlich ein "Rassismus"-Vorwurf nicht fehlen. Mal schauen, ob bei einer strittigen Entscheidung eines asiatischen Kampfrichters das Troll-Echo erfolgt.
dani216 31.07.2012
2. Im letzten Absatz des Artikels
ist eigentlich alles gesagt. Es war regelkonform und von den Schiedsrichtern entschieden - Ende und Aus. Mich würde mal interessieren, was diese ewigen Nörgler für Gegenvorschläge hätten, die ihrer Meinung nach gerechter gewesen wären. Über die Leute, die in ihrer Befähigung über ihr Tun nachzudenken, stark eingeschränkt ist, kann man sich nur wundern. Die Obfrau Csar hat alles richtig gemacht. Was dabei auch noch rassistisch gewesen sein soll, erschließt sich wohl nur dem, der so einen Schwachsinn von sich gibt.
watttaucher 31.07.2012
3. Hast du mal ne Sekunde?
diese paar Worte ergeben erst jetzt einen richtigen Sinn :-)
quark@mailinator.com 31.07.2012
4. ...
Zitat von dani216ist eigentlich alles gesagt. Es war regelkonform und von den Schiedsrichtern entschieden - Ende und Aus. Mich würde mal interessieren, was diese ewigen Nörgler für Gegenvorschläge hätten, die ihrer Meinung nach gerechter gewesen wären. Über die Leute, die in ihrer Befähigung über ihr Tun nachzudenken, stark eingeschränkt ist, kann man sich nur wundern. Die Obfrau Csar hat alles richtig gemacht. Was dabei auch noch rassistisch gewesen sein soll, erschließt sich wohl nur dem, der so einen Schwachsinn von sich gibt.
Klare Sache : 1. Aus meiner Sicht war es bereits unehrenhaft noch zum 3. Mal in der letzten Sekunde anzutreten, da da bereits klar war, daß die Uhr nicht richtig arbeitet. 2. Die Obfrau hätte die technische Seite klären lassen müssen, bevor sie in der gleichen Sekunde den Kampf zum 3. Mal freigibt. Dann hätte die Jury die Chance gehabt, den Kampf für beendet zu erklären, bevor diese unmögliche Situation entsteht. Nur weil beide Frauen einfach weitermachen als gäbe es kein Morgen und egal wie absurd die Situation, war es überhaupt möglich, daß es soweit kommt. Frustrierend und ungerecht. Und um das mal klarzustellen - im umgekehrten Fall oder bei völlig anderen Nationalitäten wären meine Empfindungen genau die gleichen, da mir weder die BRD noch dieser bezahlte Sport groß am Herzen liegt.
phalanx 31.07.2012
5. Der Sieg von Heidemann war nicht regelkonform
Nach den drei Doppeltreffern war die eine Sekunde längst abgelaufen. Auf Reddit wird darüber auch diskutiert und andere Topfechter und Trainer sagen, dass Shin eigentlich hätte gewinnen müssen. Auf Youtube gibt es auch ein Video zu sehen, dass zeigt, dass die eine Sekunde längst abgelaufen war. Und nein, es gibt keine Regel beim Fechten, dass die Zeit wieder auf 1 Sekunde hochgesetzt wird, wenn es zu Doppeltreffern kommt Der Fehler liegt bei den Schiedsrichtern bzw. Zeitstoppern. Mich wundert es nur, warum sich Heidemann über so einen Sieg überhaupt freuen kann. Sie sah ja so aus, als ob sie Shin gerade 15:0 abgefertigt hatte.
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