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Schwarzkopf holt Medaille: Ein Drama in drei Akten

Foto: Ben Curtis/ AP

Siebenkampf-Silber Lilli Schwarzkopf und der olympische Jury-Irrsinn

Eine peinliche Verwechslung hat Lilli Schwarzkopf dramatische Minuten beschert. Die olympische Jury disqualifizierte die Siebenkämpferin zunächst und entriss ihr die sicher geglaubte Medaille. Doch der Fehler wurde aufgedeckt - auch weil die 28-Jährige wild um ihre Medaille kämpfte.

Das schönste Bild bei einem Siebenkampf entsteht immer, wenn alle Athletinnen zum Schluss des zweitägigen Wettkampfs gemeinsam feiern und - vor allem - sich gemeinsam feiern lassen. Der 800-Meter-Lauf war gerade vorüber, die Läuferinnen machten sich gemeinsam mit der strahlenden Siegerin Jessica Ennis auf die Ehrenrunde, und Lilli Schwarzkopf feierte einfach mit.

Da ahnte sie noch nicht, was für dramatische zehn Minuten vor ihr liegen würden. Die 28 Jahre alte deutsche Mehrkämpferin hatte zunächst ein beherztes 800-Meter-Rennen hinter sich gebracht, und sich Aussichten auf die Silbermedaille erlaufen. Doch als das Ergebnis nach minutenlanger Verzögerung auf der Anzeigetafel auftauchte, fand sie sich urplötzlich auf Platz 27 wieder.

Die Deutsche war disqualifiziert worden, weil sie die Bahn verlassen und eine Markierung überlaufen haben sollte. "Ich dachte nur, mein Tag kann nicht so enden. Das war mein Wettkampf. Nein, bitte nicht. Die können mich doch nicht einfach so stehen lassen", sagte Schwarzkopf: "Ich war nervlich viel zu platt, das nachvollziehen zu können."

Doch das war noch nicht das Ende der Geschichte: Minuten später stellte sich heraus, dass Schwarzkopf mit der über ihr laufenden Russin Kristina Sawizkaja verwechselt worden war und bekam doch noch ihre Medaille zugesprochen. Eine peinliche Panne der Jury.

Schwarzkopf hakte bei gleich vier Offiziellen nach

Schwarzkopf konnte es nach dem anfänglichen Schreck in der Abendstunde letztlich egal sein - auch wenn sie durch dieses Hin und Her um ihre Ehrenrunde als Medaillengewinnerin gebracht worden war. Nicht nur sie selbst war zunächst völlig ratlos, als die Disqualifikation gemeldet worden war. Auch im Stadion hatte von dem angeblichen Missgeschick niemand etwas mitbekommen. Und auf den Fensehbildern war in mehreren Wiederholungen nichts von Schwarzkopfs vermeintlichem Vergehen zu sehen gewesen.

Doch die 28-Jährige wollte sich nicht mit der Disqualifikation abfinden und kämpfte um ihre Medaille: "Ich habe beim ersten Schiri nachgefragt, dann beim nächsten, dann beim dritten und dann vierten. Man sagte mir, ich hätte die Linie betreten. Ich sagte dann: 'Das müssen Sie mir erst zeigen.' Hin und her, her und hin. Dann hat sie mir die siebte, achte Bahn gezeigt. Und ich zu ihr: 'Da bin ich gar nicht gelaufen. Ich muss die Videoaufnahme sehen.'"

Dann gingen Schwarzkopf und die Offiziellen zusammen zum Videoraum, und sahen den Fuß auf der Linie. "Aber es ist nicht meiner. Und es ist nicht meine Bahn", entfuhr es Schwarzkopf. Das sahen auch die Offiziellen ein. Ein Jury-Mitglied erklärte trocken, dass sie Schwarzkopf wieder in die Wertung aufnehmen werden. "Wir müssen das Ergebnis im Stadion wohl noch einmal einblenden", sagte die Offizielle zu Schwarzkopf, die nur antwortete: "Bitte, machen Sie das."

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte sich bereits aufgemacht, umgehend Protest gegen die Wertung einzulegen, die hinter Ennis die Russin Tatjana Chernova als Zweite auswies. Der Einspruch musste dann nicht mehr verhandelt werden, weil sich die Verwechslung aufgeklärt hatte. Leidtragende dieses heillosen Durcheinanders war am Ende des Abends die Ukrainerin Ludmilla Josypenko. Sie durfte sich zehn Minuten über Bronze freuen - und war am Ende die traurige Vierte.

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