Olympia 2014 IOC vergibt Fernsehrechte an Agentur

Das gab es noch nie: Erstmals hat das IOC die olympischen Fernsehrechte nicht an die Europäische Rundfunkunion vergeben, sondern an eine Agentur. Deutschland ist von der Regelung nicht betroffen, eine Entscheidung über die TV-Übertragungen steht noch aus.


Hamburg - Die Firma Sportfive erhielt am Mittwoch den Zuschlag für die Winterspiele 2014 in Sotschi (Russland) und für die noch nicht vergebenen Sommerspiele 2016. Der Austragungsort wird von der IOC-Vollversammlung im Oktober 2009 in Kopenhagen gekürt. Bislang hatte das IOC die olympischen Fernsehrechte in Europa stets an die Europäische Rundfunkunion (EBU) vergeben.

IOC-Vize Bach: "Größtmögliche Auswahl für die Olympia-Fans"
DPA

IOC-Vize Bach: "Größtmögliche Auswahl für die Olympia-Fans"

Der Vertrag umfasst umfangreiche Medienrechte in 40 europäischen Ländern. Nicht betroffen sind die großen Nationen wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Hier sollen die Olympia-Rechte auf direktem Weg in separaten Verhandlungen mit TV-Sendern verkauft werden - auch dies im Sinne der Gewinnmaximierung und "so bald wie möglich", hieß es in einem Statement des IOC. "Dass wir nicht mit dem Einkaufsverbund EBU abgeschlossen haben, heißt nicht, dass wir nicht mit den einzelnen Mitgliedern abschließen", sagte IOC-Vize Thomas Bach: "Selbstverständlich haben ARD und ZDF weiter alle Möglichkeiten, zum Zuge zu kommen."

Die Verhandlungen mit der EBU im Ganzen waren im vergangenen Jahr gescheitert und somit auch eine Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen dem Zusammenschluss öffentlich-rechtlicher Sender und dem IOC. Die EBU hatte für die Übertragung der Spiele von Peking 2008 443,4 Millionen Dollar bezahlt und 135 für die Winderspiele in Turin 2006. Insgesamt 746 Millionen Dollar waren dem Verband die Olympischen Spiele 2010 (Vancouver) und 2012 in London wert.

Sportfive hatte sich bisher vorrangig im Fußball engagiert; unter anderem vermarktete die Agentur die EM-Endrunde 2008 in der Schweiz und Österreich. "Wir sind sehr froh über den Zuschlag und werden in den einzelnen Ländern mit diversen Medienanbietern verhandeln. Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen die Olympischen Spiele sehen können", sagte Sportfive-Sprecherin Caroline Götz der Deutschen Presse-Agentur dpa am Mittwoch.

"Dieses Abkommen leitet eine spannende neue Ära bei der Übertragung der Olympischen Spiele ein", wurde IOC-Präsident Jacques Rogge am Mittwoch in einer Pressemitteilung zitiert. Das IOC werde dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich Zugang zu den bestmöglichen Olympia-Übertragungen in den Medien haben. Der Belgier dankte ausdrücklich der EBU für ihre "harte Arbeit" und ihr Engagement über viele Jahre. Diese Partnerschaft werde auch bei den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver (Winter) und 2012 in London (Sommer) zum Tragen kommen.

Auch IOC-Vize Bach freute sich über die Vereinbarung mit Sportfive, immerhin war es der Deutsche, der die Verhandlungen geleitet hatte und somit verantwortlich ist für die weiter aufgefüllten IOC-Kassen. "Dieses Abkommen sichert den Olympia-Fans in ganz Europa eine größtmögliche Auswahl bei der Entscheidung, wie sie die Olympischen Spiele auf einer Vielzahl von Plattformen verfolgen wollen", sagte Bach. Dem IOC würden zudem "beträchtliche Einkünfte" zufließen, die der "olympischen Bewegung" zugute kommen werden.

goe/dpa/sid



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.