ARD-Reitexperte Sostmeier entschuldigt sich "aus tiefstem Herzen"

Er ist mal wieder zu weit gegangen: Carsten Sostmeier hat sich für seine ARD-Übertragung aus Rio entschuldigt. Der Kommentator hatte eine junge deutsche Reiterin beleidigt. Es war nicht sein erster Ausfall.

Julia Krajewski auf Samourai du Thot
AFP

Julia Krajewski auf Samourai du Thot


ARD-Kommentator Carsten Sostmeier hat sich einen Tag nach der viel kritisierten Übertragung des olympischen Geländeritts entschuldigt. "Es liegt mir fern, Sportler zu beleidigen", sagte Sostmeier auf Anfrage: "Wenn das so angekommen sein sollte, dann kann ich mich dafür nur aus tiefstem Herzen entschuldigen."

Was war passiert? Sostmeier, Träger des Deutschen Fernsehpreises, hatte beim Start von Julia Krajewski gemutmaßt, die Olympia-Debütantin habe sicher "von Anfang an einen braunen Strich in der Hose". Nachdem Krajewskis Samourai du Thot zum zweiten Mal verweigert hatte, sagte Sostmeier: "Schlimmer geht's fast nimmer - fehlt nur noch, dass sie ausscheidet." Krajewski habe im Gelände "den Chicken Way" gewählt, "den der Angsthasen, den der blassen Nasen".

Die Reiter fanden das nicht witzig. "Mit einigen seiner Kommentare ist er ganz klar über das Ziel hinausgeschossen", sagte Dennis Peiler, der zuständige Chef de Mission der Reiter: "Das war unsportlich. Und es war beleidigend gegenüber Julia Krajewski." Die Sportlerin selbst wollte sich zu der Angelegenheit ebenso wie die übrigen Reiter und Bundestrainer Hans Melzer nicht mehr äußern.

Dafür reagierte Gerd Gottlob, ARD-Teamchef in Rio. "Der Kommentar von Carsten Sostmeier war völlig unangemessen", sagte Gottlob: "Es wird ein Gespräch mit ihm geben. Ich verspreche, dass das nicht wieder vorkommt, und entschuldige mich dafür."

Auch die deutsche Mannschaftsleitung in Rio hat sich geäußert. Man müsse vor allem die jungen Sportler im Team unterstützen, sagte Chef de Mission Michael Vesper: "Auf keinen Fall darf man sie verächtlich machen, sondern gerade sie verdienen Respekt für ihre Leistungen, die sie überhaupt nach Rio gebracht haben."

Die Sportschau hatte bereits vor der Entschuldigung des Kommentators auf Kritik in sozialen Medien reagiert.

Bereits 2012 in London hatte sich Sostmeier öffentlich entschuldigen müssen. Damals hatte er ins Mikrofon gerufen: "Seit 2008 wird zurückgeritten." Damit kleidete er die geplante Revanche der deutschen Reiter für vermeintliche Ungerechtigkeiten früherer Turniere in die Wortwahl der Nationalsozialisten, mit der sie den Angriff auf Polen 1939 verbrämt hatte.

rae/sid



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