Golf und Rugby bei Olympia Die versteckten Highlights

Nach langer Pause waren Golf und Rugby zurück im Olympia-Programm. Obwohl sie unter ungünstigen Bedingungen stattfanden, gehörten beide Sportarten zu den Höhepunkten in Rio. Haben sie sich etabliert?

Japans Kazushi Hano (unten), Fidschis Semi Kunatani
Getty Images

Japans Kazushi Hano (unten), Fidschis Semi Kunatani

Aus Rio de Janeiro berichtet


Leider gab es in Rio vor allem Verlierer. Das lässt sich bei 306 Entscheidungen und 11.458 teilnehmenden Athleten auch nicht ändern. Neben den Medaillengewinnern dürfen sich in Brasilien aber noch viel mehr Sportler als Sieger gefühlt haben. Dazu gehören mit Sicherheit auch die vielen Golfer und Rugbyspieler, die keine Medaille mit nach Hause nehmen konnten.

Denn ihre Sportarten feierten bei diesen Spielen ihre Comebacks, Rugby nach 92, Golf nach 112 Jahren Pause. Und beide Wettbewerbe gehörten zu den Highlights.

Rugby, in Rio in der 7er-Variante gespielt, begeisterte mit extrem hohem Tempo. Die Fans waren nur enttäuscht, dass die Spiele so schnell vorbei waren: Nur zweimal sieben Minuten dauert eine Partie. Und was könnte einer Sportart zu einem besseren Start verhelfen, als wenn eine sympathische Truppe Gold holt? In diesem Fall war das die Nationalmannschaft Fidschis, die den ersten Olympiasieg für den Inselstaat überhaupt gewann - und Premierminister Frank Bainimarama stand auch noch mit "Go Fiji Go"-Shirt im Fanblock.

Fotostrecke

8  Bilder
Fidschis Gold: Mit dem Briten gegen die Briten

Leider litt Rugby darunter, dass die Spiele an der ungünstigsten Wettkampfstätte ausgetragen wurden, in Deodoro. Das Militärgelände liegt gut 40 Kilometer von der Copacabana und ähnlich weit vom Olympiapark entfernt. Zufällig verirrte sich kein Fan dorthin, in den tristen Nordwesten der Stadt, wo sonst (nicht-olympische) Schießübungen durchgeführt werden und Fallschirmspringer trainieren.

Ein Schicksal, das die Golfer annähernd teilten. Statt Schützen und Militärs hießen die Nachbarn der Golfer für zwei Wochen Kaiman und Wasserschwein. Der Platz, extra für die Spiele gebaut, liegt an der Südatlantikküste - in einem Naturschutzgebiet. Das sorgte vor den Spielen zu Recht für viele Diskussionen, zumal der Baulöwe Pasquale Mauro seine Chance witterte und in unmittelbare Nähe noch knapp zwei Dutzend Hochhäuser klatschte, die nun die wenig pittoreske Kulisse des Golfplatzes bilden.

Fotostrecke

6  Bilder
Golf-Siegerin Park: Die Ruhe vor dem Loch

Noch nie ist eine Sportart vor der (Wieder-)Aufnahme ins olympische Programm so kritisch beäugt worden wie Golf. Das Image, dass der Sport nur von schwerreichen Rentnern gespielt wird, ist vor allem in Deutschland weit verbreitet. In Großbritannien, den USA und in Australien ist Golf hingegen längst Volkssport. Nicht aber in Brasilien. Dort gibt es kaum Plätze, vor allem keine öffentlich zugänglichen. In Brasilien ist Golf der Oberschicht vorbehalten, daran werden auch die sportlich hochklassigen Wettkämpfe der Frauen und Männer in Rio nichts ändern. Da helfen schon eher Schulprogramme, die aber nicht das IOC initiiert hat, sondern golfbegeisterte Idealisten.

Deutschlands bester Golfer Martin Kaymer schwärmte bereits während des Wettkampfs von der "jetzt schon besten Woche meiner Karriere". Ähnlich äußerten sich die Gewinner der Wettkämpfe, Justin Rose und Inbee Park - und das, obwohl es anders als bei den normalen Top-Turnieren nicht um Millionen-Preisgelder ging.

Die Golfer haben sich wie die Rugbyspieler schnell heimisch gefühlt im olympischen Programm von Rio de Janeiro, auch in Tokio sind beide Sportarten sicher dabei. Ob sie darüber hinaus Teil der Sommerspiele bleiben, darüber entscheidet das IOC im kommenden Jahr.

Fotostrecke

7  Bilder
Golf bei Olympia: Was für eine Party!


insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ofelas 22.08.2016
1.
rugby ist ein absoluter highlight, ich in zwar voreingenommen (seit Kindheit dabei) aber das ist ein mannschaftssport der weltweit praktiziert wird, fair, gute disziplin gegenueber schiedsrichtern und mit modernsten mittel (video) werden entscheidungen gefaellt - ein vorbild fuer alle
Bueckstueck 22.08.2016
2. Rugby 7 - ja! Golf - nein!
Golf war sicherlich kein Highlight wenn man sich nicht ohnehin dafür interessiert. Rugby sevens hat aber auf jeden Fall auch Neulinge begeistert, weil da einfach was los ist! Fast schon schade dass nur das Finale 2x10min war.
thorsten.munder 22.08.2016
3. Rugby super
aber auch Golf war gut warum nicht von jetzt an immer ! Wie viele schauen sich schon Schießen mit der Luftdruckpistole oder Bogenschießen an da ist Rugby einfach viel beliebter Weltweit ,die Weltmeisterschaft letztes Jahr in GB war doch Großartig oder !
darthmax 22.08.2016
4. schade
es werden nur Sportarten hinzugenommen, die von absoluten Pros ausgeübt werden. Damit geht der olympische Gedanke weiterhin dn Bach hinunter. Wie schön wäre eine Golfolympiade der Amateure ? Die sonst kaum eine Chance haben im internationalem Geschäft.
patsche2712 22.08.2016
5. Golf...
...war an Langweile kaum zu überbieten... Dieser elitäre Sport paßt nicht wirklich zu Olympia...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.