Wut-Post von Olympiasieger Julius Brink "Die hässliche Fratze von Olympia"

2012 gewann Julius Brink im Beachvolleyball olympisches Gold in London. In Rio blickt er als ARD-Experte auch hinter die Kulissen der Spiele und ist entsetzt. Seinem Ärger hat er nun Luft gemacht.

Julius Brink (Archiv)
DPA

Julius Brink (Archiv)


Die Botschaft bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Rio war deutlich: Wir müssen auf unseren Planeten aufpassen. Doch davon ist hinter den Kulissen nicht viel zu sehen, beschwert sich der Ex-Olympionike Julius Brink.

"Emotional durchlebe ich hier eine Achterbahnfahrt" schreibt Brink in einem wütenden Facebook-Post. Von den Werten des IOC sei vor Ort nichts zu spüren. Es sei eine Farce und die Welt werde belogen.

Brink wurde 2012 in London Olympiasieger im Beachvolleyball. Inzwischen hat er sich aus dem aktiven Sport zurückgezogen und berichtet als Beachvolleyball-Experte für die ARD. Die Eindrücke, die er dabei bisher in Rio gesammelt hat, waren nicht nur positiv.

Auf Facebook rechnet er mit den Spielen ab. Besonders schlecht kommen dabei die "hohen Herren des Weltsports", die Mitglieder des Olympischen Komitees, weg. Sie würden sich in ihren "fetten" Limousinen durch die Stadt fahren lassen. Dies sei "leider die hässliche Fratze von Olympia".

"Schindluder an dieser schönen Idee"

Brink zählt in seinem Wut-schreiben gleich mehrere Beispiele auf, die ihm zeigen würden, dass das IOC nicht hinter seinen eigenen Werten stünde. In Rio sei von Nachhaltigkeit nichts zu spüren. Brink schreibt von einer "brutalen Verschwendung von Ressourcen". Klimaanlagen seien im Dauereinsatz, Shuttlebusse würden stundenlang mit laufenden Motoren auf dem Parkplatz warten und selbst wenige Hundert Meter in der Akkreditierungszone müssten mit dem Auto zurückgelegt werden.

Auch die aufwendige Produktion für die Gruppenspiele der Beachvolleyballer sieht Brink kritisch. Ihn wundere etwa die Helikopter-Kamera: "14 Stunden Helikopterflug pro Tag für 1,5 Sekunden Bild pro Spiel?" Dazu käme das ganze Equipment, Licht, Plastiktüten. "Hier gilt: Immer raus damit."

Der olympische Geist scheint für Brink bei diesen Spielen ebenfalls verloren gegangen zu sein. Die öffentliche Ablehnung von vielen Sportlern gegenüber der Dopingsündern Julia Jefimowa zeige die olympischen Wettkämpfe der Zukunft, "in denen Athleten sich untereinander nicht mehr über den Weg trauen".

Doch ganz scheint der ehemalige Olympiasieger den Glauben an die Spiele noch nicht verloren zu haben. Zumindest, so schreibt er, ziehe Olympia ihn immer wieder in den Bann. "Doch es tut so weh mitzuerleben, wie Schindluder an dieser schönen Idee betrieben wird", so Brink.

asc



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