NOK gesperrt Russlands Athleten dürfen an Olympia teilnehmen - unter neutraler Flagge

Das IOC hat sich nicht zu einem Komplettausschluss Russlands von den Olympischen Winterspielen durchringen können. Die Russen müssen wegen ihrer Dopingverfehlungen allerdings unter neutraler Flagge starten.
IOC-Präsident Thomas Bach

IOC-Präsident Thomas Bach

Foto: Buda Mendes/ Getty Images

Russlands Sportler dürfen wegen des Dopingskandals nur unter neutraler Flagge an den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang teilnehmen. Das entschied die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees auf ihrer Sitzung am Dienstag in Lausanne.

Gleichzeitig hat das IOC das Nationale Olympische Komitee Russlands ROC wegen des Dopingskandals von den Winterspielen ausgeschlossen. Auch der ehemalige Sportminister und jetzige Vizepremier Witali Mutko wurde lebenslang für Olympische Spiele gesperrt.

In Südkorea wird es keine russisches Mannschaft, keine russische Hymne und keine russische Flagge geben. Russische Sportler dürfen nur als neutrale Athleten starten - wenn sie nachweisen können, dass sie nicht Teil des Dopingsystems waren. Die Entscheidungen darüber treffen nicht wie vor den Sommerspielen 2016 in Rio die Fachverbände, sondern die neu geschaffene unabhängige Behörde für Doping-Testverfahren ITA.

"Es war ein beispielloser Angriff auf die Integrität der Olympischen Bewegung und des Sports", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Darum habe das IOC-Exekutivkomitee ausgewogene Sanktionen für die systematische Manipulation ausgesprochen. "Dies soll einen Strich unter die schädigende Episode ziehen und als Katalysator für einen von der Wada geleiteten effektiveren Anti-Doping-Kampf dienen", sagte Bach weiter.

Russisches Fernsehen will Spiele nicht übertragen

Es tue ihm sehr leid für alle Athleten, die unter dieser Manipulation gelitten hätten, so Bach: "Wir werden nun mit der IOC-Athletenkommission nach Möglichkeiten suchen, um die Momente wieder aufleben zu lassen, die sie auf der Ziellinie oder auf dem Podium verpasst haben."

Das IOC-Exekutivkomitee unter Leitung von Bach sah es als erwiesen an, dass Russland während der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 mittels eines staatlich gelenkten Dopingsystems betrogen hat. Eine Kommission unter der Leitung des ehemaligen Schweizer Bundesrates Samuel Schmid hatte in den letzten Monaten ermittelt, inwiefern russische Polizei und Geheimdienste beteiligt waren und ihre Ergebnisse am Dienstag der 14-köpfigen Exekutive präsentiert - abgeschirmt von den etwa 200 Journalisten aus aller Welt, die in der olympischen Hauptstadt auf die Entscheidung warteten.

Ob russische Sportler allerdings ohne Flagge und Hymne an den Start gehen werden, ist fraglich. Im Vorfeld der Entscheidung waren in Russland für diesen Fall bereits Rufe nach einem Boykott laut geworden. In einer ersten Reaktion kündigte das russische Fernsehen laut Nachrichtenagentur Interfax bereits an, die Winterspiele nicht im Fernsehen zu übertragen.

Bach geht nicht von einem Boykott aus. "Ein olympischer Boykott hat noch nie etwas gebracht", sagte Bach: "Ich sehe auch keinen Grund für einen Boykott durch russische Sportler, weil wir den sauberen Athleten erlauben zu starten. Diese Athleten können eine Brücke bauen in die Zukunft eines sauberen Sports statt eine neue Mauer zu errichten."

Russland hatte in den Jahren 2011 bis 2015 ein institutionelles Dopingsystem installiert. Darin verwickelt waren laut den Berichten des WADA-Sonderermittlers Richard McLaren rund 1000 Sportler. Ausgelöst wurde der Skandal im Mai 2016 durch den Whistleblower Grigorij Rodtschenkow, den ehemaligen Leiter des Moskauer Antidopinglabors.

aha/dpa/sid
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