Empfehlung des DOSB Hauptstadt gegen Hansestadt - das große Olympia-Duell

Heute gibt das DOSB-Präsidium bekannt, ob sich Hamburg oder Berlin für die Olympischen Spiele 2024 bewerben soll. Das letzte Wort haben die Bürger. Alles Wichtige zum Städteduell.


Hamburg oder Berlin? An diesem Nachmittag gibt das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) seine Empfehlung ab, mit welcher Stadt sich Deutschland um die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2024 bewerben sollte. Experten sehen Berlin, die Weltmetropole, zwar im Vorteil, doch Hamburg erfährt den größeren Zuspruch seiner Bürger. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Entscheidung im Überblick.

Wie läuft die Entscheidung ab?

Vor der Bekanntgabe um 19 Uhr im Hotel Lindner in Frankfurt am Main lässt sich das DOSB-Präsidium von 43 Experten aus Sport, Gesellschaft und Politik beraten. Wie schon den DOSB-Gremien am Sonntag werden beide Städte erneut ihr Konzept präsentieren. Danach tagt das Präsidium intern.

Was sind die Kriterien des Präsidiums?

Die DOSB-Spitze wird vor ihrer Empfehlung zehn Hauptpunkte betrachten: Vision und olympisches Erbe, Gesamtkonzept der Spiele, Olympisches Dorf, Sportstätten, Umwelt und Nachhaltigkeit, Kosten und Finanzierung, Unterstützung der Bewerbung, Unterbringung und Transport sowie Paralympische Spiele und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Wie wichtig den Mitgliedern die einzelnen Kriterien sind, ließen sie bislang offen.

Ist die Empfehlung des DOSB-Präsidiums die finale Entscheidung?

Nein, erst am 21. März erfolgt die offizielle Kandidatenkür auf einer DOSB-Mitgliederversammlung in der Frankfurter Paulskirche. Das Abnicken der DOSB-Mitglieder gilt aber als Formalie, weil die einflussreichen Spitzenverbände nach einem Treffen am Sonntag dem Präsidium ihre volle Unterstützung zugesagt haben. Das finale Votum geben die Bürger der Gewinnerstadt bei einer Volksbefragung im Spätsommer ab.

Warum sollen die Bürger das letzte Wort haben?

Nach dem Scheitern von München, wo die Bevölkerung die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 verhinderte, will der DOSB bei der Wahl des Kandidaten für die Sommerspiele 2024 kein Risiko eingehen. 2013 hatten in München, Garmisch-Partenkirchen sowie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden jeweils die Olympia-Gegner gewonnen.

Was sind diesmal die Kritikpunkte der Olympia-Gegner?

Ähnliche wie so oft: vor allem die ungeklärten Kosten in Milliardenhöhe. Der Bau von Kitas, bezahlbaren Wohnungen oder Anlagen für den Breitensport hätten Vorrang, betonten linke Gruppen und Umweltorganisationen bei der Gründung des Berliner Bündnisses NOlympia. Auch in Hamburg fürchten Gegner eine Kostenexplosion. Beide Städte haben mit Prestigeobjekten wie dem BER-Flughafen oder der Elbphilharmonie schlechte Erfahrungen gemacht.

Wie geht es bei einer Zustimmung der Bürger weiter?

Bis zum 15. September muss die deutsche Kandidatur für die Ausrichtung der Olympischen Spiele beim Internationalen Olympischen Komitee offiziell angemeldet werden, im Frühjahr 2016 wählt das IOC-Exekutivkomitee dann die Kandidatenstädte aus. Zum Jahresbeginn 2017 müssen alle Kandidatenstädte die Bewerbungsunterlagen beim IOC einreichen. Der Ausrichter der Spiele wird im Sommer 2017 auf der Session in Lima gewählt.

Wer darf in Frankfurt seine Empfehlung abgeben?

Acht Mitglieder des DOSB-Präsidiums beraten seit dem Morgen in den Räumen des Deutschen Fußball-Bundes über den geeigneten Bewerber: Präsident Alfons Hörmann, Stephan Abel (Vize Wirtschaft und Finanzen), Ole Bischof (Vize Leistungssport), Walter Schneeloch (Vize Breitensport und Sportentwicklung), Petra Tzschoppe (Vize Frauen und Gleichstellung), Ingo Weiss (Vorsitzender Deutsche Sportjugend), Christian Schreiber (Vorsitzender Athletenkommission), Claudia Bokel (IOC-Mitglied).

Vizepräsidentin Gudrun Doll-Tepper lebt in Berlin und betrachtet sich deshalb als befangen. Sie wird ebenso wenig abstimmen wie IOC-Boss Thomas Bach, der noch immer dem höchsten DOSB-Gremium angehört.

Wer sind die Konkurrenten?

Neben dem deutschen Bewerber stehen bislang Boston und Rom als Bewerber fest. Auch Paris erwägt eine Kandidatur, die französische Hauptstadt will bis Juni entscheiden, ob sie sich die bewerben wird. Möglicherweise steigen noch Budapest, Istanbul, Doha, Baku und eine australische Stadt ins Rennen ein.

Wie stehen die Chancen einer deutschen Bewerbung?

Fachleute sehen Boston in der Favoritenrolle, allerdings nicht nur wegen der überzeugenden Bewerbungsunterlagen der US-Stadt. Ein schwerwiegendes Argument gegen Olympia 2024 in Deutschland ist die Kandidatur um die Fußball-Europameisterschaft im selben Jahr. Die Vergabe des Turniers nach Deutschland gilt als ziemlich sicher, und ein Doppel-Sportspektakel wird es in Deutschland wohl nicht geben. Im Fall des Scheiterns hat der DOSB bereits eine erneute Bewerbung mit der gleichen Stadt für die Spiele 2028 angekündigt.

Im Video: Hamburg oder Berlin? Der Euphorie-Check

SPIEGEL ONLINE

psk/dpa/sid

insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
nochnbier 16.03.2015
1. Prestigeobjekt BER
Ich glaube nicht recht was ich da lese! BER ist doch wohl kaum ein Prestigeobjekt. Wer mal in Tegel abgehoben oder gelandet ist, der weiss, dass dieser BER Fluc(h)hafen eine Notwendigkeit ist - bei allen Problemen damit. Tegel macht in manchen Bezirken unerträglichen Lärm, über mein Haus fliegt alle 2 Minuten ein Jet. Tegel ist außerdem viel zu klein für eine Millionenstadt.
HejAlterHastMalnEuro 16.03.2015
2. Genau so ist es.
"Der Bau von Kitas, bezahlbaren Wohnungen oder Anlagen für den Breitensport hätten Vorrang, betonten linke Gruppen und Umweltorganisationen bei der Gründung des Berliner Bündnisses NOlympia." In einem Land mit Flüssen, Seen und Küstenlinie, in dem 50% der Kinder und Jugendlichen nicht mehr sicher schwimmen können, braucht es keine neuen olympische Schwimmbecken, sondern die Öffnung und Renovierung von vorhandenBecken und einen anständigen Schwimmuntericht an unseren Schulen. In meiner Kindheit kannte ich überhaupt niemanden,der nicht schwimmen konnte oder es gelernt hat. Eine Schande.
freigeist1964 16.03.2015
3. Dann haben die Hamburger
schon gewonnen! Denn diese Berliner IchBinGrundsetzlichDagegen Mentalität dürfe den Hamburgern zu Gute kommen. Schade eigendlich, denn ich würde mich freuen, wenn die OS in Berlin stattfinden würden.
Erweller 16.03.2015
4. @Redaktion
"Ein schwerwiegendes Argument gegen Olympia 2014 in Deutschland ist die Kandidatur um die Fußball-Europameisterschaft im selben Jahr." Das sollte ja wohl eher 2024 heissen, oder? ;-)
bunterepublik 16.03.2015
5. Mist
Diesen Mist sollte man schlicht lassen....wer soll das bezahlen? wer hat soviel Geld? Hamburg hat die Elbphilharmonie und Berlin ist pleite und hat den BER zu stemmen. Wozu brauchen die denn noch bitte Olympia??? Was soll der Mist. Olympia ist ohnehin ein korrupter Schwachsinn.... Allein die Bewerbungen verschlingen Millionen. Am Ende werden es doch andere, irgendein Kleptokraten-Regime...
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