Olympia-Arzt Kindermann "Die feuchte Hitze ist das größte Problem"

Hitze und Smog? Das viel gefährlichere Gesundheitsrisiko bei Olympia ist ein anderes, sagt Wilfried Kindermann, Chefarzt der deutschen Mannschaft: Die hohe Luftfeuchtigkeit wird den Sportlern besondere Probleme machen. Der Mediziner erwartet schon beim Straßenrennen die ersten schlimmen Zusammenbrüche.

Von und , Peking


Wilfried Kindermann ist der deutsche Sportarzt. Er hat acht Olympische Spiele erlebt und drei Fußball-Weltmeisterschaften. Kindermann kennt extreme Hitze, tagelange Regenfälle und die kleinsten Auswirkungen äußerer Verhältnisse auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Was also soll es noch Neues geben für den 67-Jährigen?

Erschöpfte Sportlerin in Peking: "Unberechenbarer Wettbewerb"
DPA

Erschöpfte Sportlerin in Peking: "Unberechenbarer Wettbewerb"

Peking vielleicht.

Kindermann ist in diesen Tagen Chefarzt einer deutschen Olympia-Equipe, in der Sportler wie Basketballer Dirk Nowitzki ganz offen zugeben, wegen der Hitze froh zu sein, die Wettkämpfe in der Halle auszutragen. Andere wie Slalom-Kanute Felix Michel flüchten sich in Sarkasmus und hoffen, dass sich der Smog bis zur Eröffnungsfeier verzieht - "sonst sieht man nicht viel vom Feuerwerk". Die chinesischen Behörden haben auf die Klimaproblematik mit einem Notfallplan reagiert.

Hitze, Smog - für Kindermann sind das aber gar nicht die größten Ärgernisse in der chinesischen Hauptstadt. Mit extremer Hitze könne man umgehen, die habe es in Athen 2004, Atlanta 1996 oder Los Angeles 1984 auch schon gegeben. Als Hauptfeind der deutschen Athleten hat der Mediziner "die feuchte Hitze" ausgemacht. Die sei das "entscheidende Problem".

Kindermann fürchtet, dass es schon am Sonnabend beim Straßenrennen der Männer die ersten Opfer geben könnte. Die Luftfeuchtigkeit sorge dafür, dass der Schweiß nicht verdunsten könne, sondern am Körper abfließe, so Kindermann. Die Folge: extrem hoher Flüssigkeitsverlust. Hinzu komme, dass man die Qualität der Fahrer nicht mit den hochprofessionellen Teams der Tour de France vergleichen könne. "Ich rechne damit, dass nicht mehr als 50 Prozent der Fahrer ins Ziel kommen", sagt Kindermann. Auch Radprofi Stefan Schumacher, der bei der Tour de France in diesem Jahr zwei Etappen gewinnen konnte, ist angesichts der Bedingungen in Peking angespannt: "Das Klima ist extrem. Ich hoffe, dass es nicht gar so schlimm wird. Aber in meinen schlimmsten Alpträumen hatte ich es so befürchtet."

Obwohl die Luftwerte zu Beginn der Olympischen Spiele noch immer nicht ideal sind und in Peking Waschküchenklima mit rund 34 Grad im Schatten herrscht, litten bislang erstaunlich wenige deutsche Sportler an Atemschwierigkeiten, erklärte Kindermann. Allerdings gäbe es mehr Athleten als sonst, die eine Erlaubnis beantragt haben, Mittel gegen Asthma zu nehmen. Insgesamt seien dies in Peking acht Prozent aller Sportler. Asthmamedikamente müssen genehmigt werden, weil sie verbotene Substanzen enthalten könnten und der Patient riskiert, wegen Dopings disqualifiziert zu werden.

Im Januar hatte der an Asthma leidende äthiopische Marathon-Superstar Haile Gebrselassie seine Teilnahme am Marathon wegen der Smog-Belastung abgesagt. Allerdings wird er die 10.000 Meter laufen. Doch der italienische Marathon-Olympiasieger von Athen, Stefano Baldini, hält wie Kindermann schmutzige Luft nicht für den entscheidenden Faktor. Er habe zwar noch nie solch einen verschmutzten Himmel gesehen wie den in Peking, erklärte er Anfang des Jahres vor Journalisten. Aber nur für Läufer mit Atemproblemen sei Smog wirklich ein Hindernis.

Das Rennen werde stärker durch "Hitze und Feuchtigkeit" beeinflusst. "Die lassen das Feld zusammenrücken, die machen den Wettbewerb unberechenbarer", so Baldini. Wenn man so will, sorgt die Luftfeuchtigkeit zwar für Frust bei den meisten Athleten - aber auch für Spannung.

Mitarbeit: Filip Tuma



insgesamt 473 Beiträge
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Seite 1
l.augenstein 15.07.2008
1.
Zitat von sysopDer DOSB hat die letzten deutschen Teilnehmer für die Olympischen Spiele 2008 in Peking nominiert. Welche Athleten sind Ihrer Meinungen nach die größten deutschen Medaillenhoffnungen? Welche Außenseiter könnten überraschen?
Offensichtlich ist dieses Thema Blech:-)
Shiraz, 16.07.2008
2.
Zitat von sysopDer DOSB hat die letzten deutschen Teilnehmer für die Olympischen Spiele 2008 in Peking nominiert. Welche Athleten sind Ihrer Meinungen nach die größten deutschen Medaillenhoffnungen? Welche Außenseiter könnten überraschen?
Naja, in der Disziplin Dressurreiten-Mannschaft sind wir schwer zu schlagen.
ichbinesselbst, 16.07.2008
3.
Zitat von ShirazNaja, in der Disziplin Dressurreiten-Mannschaft sind wir schwer zu schlagen.
Na wenigstens ist auf unsere Pferde-Athleten noch Verlass.
ichbinesselbst, 16.07.2008
4.
Zitat von sysopDer DOSB hat die letzten deutschen Teilnehmer für die Olympischen Spiele 2008 in Peking nominiert. Welche Athleten sind Ihrer Meinungen nach die größten deutschen Medaillenhoffnungen? Welche Außenseiter könnten überraschen?
Die, die gedopt sind, aber das so clever gemacht haben, dass die Tests nicht anschlagen, haben Chancen. Ist die DLRG eigentlich am Pekinger Olympia-Schwimmbecken zur Rettung unserer Schwimmerinnen und Schwimmer im Einsatz?
klumpenhund 16.07.2008
5.
Zitat von ichbinesselbstDie, die gedopt sind, aber das so clever gemacht haben, dass die Tests nicht anschlagen, haben Chancen. Ist die DLRG eigentlich am Pekinger Olympia-Schwimmbecken zur Rettung unserer Schwimmerinnen und Schwimmer im Einsatz?
Schnarch... War eigentlich klar das sowas kommt... Es gibt 2 Olympiafreds, 3 Radsportfreds und ein Dopingfred und überall wird nur über Doping herumspekuliert. Wie wäre es mit einem Sammelfred, den man in die Abteilung Gesellschaft packt? Vielleicht kann man sich dann in der Sportkategorie auch wieder über Sport unterhalten.
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