Olympia-Bewerbung Willkommen im Intrigantenstadl!

Die Atmosphäre ist vergiftet. Schon vor der Entscheidung über den deutschen Bewerber für die olympischen Sommerspiele 2012 gibt es heftigen Streit. Im Mittelpunkt der Kritik steht der Spitzenfunktionär Ulrich Feldhoff.


IOC-Mitglied Walther Tröger: "Versuch der Manipulation"
AP

IOC-Mitglied Walther Tröger: "Versuch der Manipulation"

Hamburg - "Er betreibt Machtpolitik. Das ist ein Versuch der Manipulation", kritisierte NOK-Ehrenpräsident und IOC-Mitglied Walther Tröger Feldhoff in der "Hamburger Morgenpost" (Donnerstag-Ausgabe). Er hoffe, so Tröger, dass sich die NOK-Mitglieder, die am Samstag in München über den deutschen Olympia-Bewerber entscheiden, nicht von Feldhoff beeinflussen lassen.

Der Vizepräsident des Deutschen Sportbundes (DSB) hatte der "Zeit" bestätigt, dass unter den Stimmberechtigten schon am Abend vor der Wahl "Abstimmungsgespräche stattfinden, um mit einer deutlichen Mehrheit zu einem Kandidaten zu kommen". Für Feldhoff, der vergangenen November entscheidend dazu beitrug, Tröger als NOK-Chef abzulösen, steht deshalb außer Frage, dass die Entscheidung schon am Vorabend gefallen sein wird.

"Da geht einem das Messer in der Tasche auf"

Inzwischen hat der Chef des Deutschen Kanuverbandes jedoch eine 180-Grad-Drehung vollzogen. Die ihm von der Hamburger Wochenzeitung zugeschriebenen Äußerungen seien frei erfunden, sagt Feldhoff. "Wer sich nur ein bisschen im Sport auskennt, wird mich doch nicht für so bescheuert halten, solch einen totalen Schwachsinn von mir zu geben, der völlig an jeglicher Realität vorbeigeht."

Vor Tröger hatte bereits Hamburgs Olympia-Beauftragter Henning Voscherau Feldhoff scharf attackiert. "Er spielt Foul, da geht einem das Messer in der Tasche auf", sagte der ehemalige Bürgermeister der Hansestadt im NDR-Fernsehen. Feldhoff, so Vorscherau, gehe für Düsseldorf auf Stimmenfang. Angeblich hat der in Oberhausen lebende Sportfunktionär bereits 20 der 32 nationalen olympischen Verbände auf die Seite der Rheinmetropole gebracht.

Deutsche präferieren Leipzig

Die Wahl gilt trotz der gegenseitigen Schuldzuweisungen als offen. Bis auf den Tennisverband, der für Hamburg votieren will, hat sich niemand bislang offiziell festgelegt. In der NOK-Bewertung vom 13. März führte Hamburg vor Leipzig, Frankfurt, Düsseldorf und Stuttgart.

In der Gunst der deutschen Bevölkerung liegt Leipzig mit 30 Prozent weiter vor Hamburg (28), Stuttgart (13), Düsseldorf (12) und Frankfurt (11). Dies ist das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Hamburger Magazins "Stern". Im Vergleich zu Januar hat Hamburg den Rückstand gegenüber der größten Stadt in Sachsen jedoch fast aufholen können. Anfang des Jahres hatte Leipzig mit 30 Prozent noch deutlich vor der Hansestadt (20) geführt.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.