Olympia-Entscheidung Jubelsturm in Vancouver

Auch das Engagement von Franz Beckenbauer half nichts. Salzburg schied schon in der ersten Runde bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2010 aus. Das IOC entschied sich für Vancouver als Austragungsort. Prompt versank die kanadische Stadt im kollektiven Freudentaumel.


Jubel und Konfettiregen in Vancouver nach der Entscheidung
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Jubel und Konfettiregen in Vancouver nach der Entscheidung

Prag - Die XXI. Olympischen Winterspiele finden 2010 in Vancouver statt. Diese Entscheidung für die drittgrößte kanadische Stadt traf die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Mittwoch in Prag. Das Motto der Spiele lautet "zwischen Meer und Himmel".

In Vancouver brachen nach der Bekanntgabe alle Dämme. Im Konfetti-Regen feierten 18.512 Zuschauer im seit Wochen ausverkauften B.C. Place von Vancouver den Sieg, nur zehn Minuten nach den Worten von Jacques Rogge wurde bereits die fünfseitige Sonderausgabe der Tageszeitung Vancouver Sun mit dem Schriftzug "The games are ours" (Die Spiele gehören uns") verteilt.

"Wir haben es geschafft, wir haben es tatsächlich geschafft. Unser Traum ist wahr geworden", brüllte Nancy Greene-Raine, die 1968 in Grenoble Gold im Riesenslalom gewonnen hatte, in das Stadion-Mikrofon. Wie die ehemalige Ski-Rennläuferin weilten knapp 100 ehemalige kanadische Olympioniken in der Arena.

Mit dem hauchdünnen Vorsprung von 56:53 Stimmen setzte sich die kanadische Hafenstadt am Pazifischen Ozean gegen das südkoreanische Pyeongchang für sich entschieden. Im ersten Wahlgang, in dem Salzburg mit 16 Stimmen ausschied, lagen die Südkoreaner sogar mit 51:40 Stimmen vorn. Damit finden zum zweiten Mal Winterspiele in Kanada statt, nachdem Calgary 1988 Gastgeber war.

"Ich bin überrascht, aber nicht enttäuscht. Es war wohl schon eine Vorwahl für die Sommerspiele 2012. Dagegen kann man auch mit einer sehr guten Bewerbung nichts machen", kommentierte Salzburgs Olympia-Botschafter Franz Beckenbauer die Entscheidung. "Ab morgen beginnt die Konzentration auf Leipzig." Mit der Vergabe der Spiele nach Kanada sind die Chancen gestiegen, dass die Sommerspiele 2012 in Europa ausgetragen werden. Um diese Spiele, die das IOC 2005 vergibt, bewirbt sich auch Leipzig.

 Kanadas Premier-Minister Jean Chrétien (M.) war optimistisch nach Prag gereist
DPA

Kanadas Premier-Minister Jean Chrétien (M.) war optimistisch nach Prag gereist

"Ich bin sicher, dass die Spiele 2010 außergewöhnlich werden", sagte Kanadas Premierminister Jean Chretien an der Spitze der Vancouver-Delegation in Prag: "Es war schon eine sehr nervenaufreibende Angelegenheit, zwischendurch hat sogar jemand verkündet, die Koreaner hätten gewonnen." Vancouver war als Favorit in die Abstimmung der IOC-Vollversammlung gegangen, nachdem die 500.000-Einwohner-Stadt von der Prüfungskommission des IOC die besten Noten erhalten hatte.

Die Kanadier wollen die Winterspiele in sieben Jahren an 13 Wettkampfstätten austragen, von denen sechs noch gebaut werden müssen. Die Spiele sollen 874 Millionen US-Dollar (760 Millionen Euro) kosten. Dazu kommen weitere 845 Millionen Dollar (735 Millionen Euro) für den Ausbau der Infrastruktur.

Mit dieser Entscheidung finden zum dritten Mal Olympische Spiele in Kanada statt. 1976 war Montreal im Sommer, 1988 Calgary im Winter Gastgeber.



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