Olympia-Fahnenträger Nowitzki Ein Star für die Spiele

Sein Traum ist wahr geworden: Dirk Nowitzki wird bei der Olympia-Eröffnungsfeier die deutsche Fahne tragen. Die Entscheidung für den Basketball-Millionär ist ein Tabubruch - aber ein richtiger: Denn wenn einer die Begeisterung für die Spiele von Peking noch entfachen kann, dann der 30-Jährige.

Aus Peking berichtet


Es ist noch gar nicht lange her, da hat Dirk Nowitzki schon einmal die deutsche Fahne getragen. Sie war auf sein Gesicht gemalt, "auf die Backe", berichtet er an diesem Tag im Deutschen Haus in Peking. Und als Nowitzki dann erzählt, er habe damals auch seinen neuen Trainer von den Dallas Mavericks angemalt, grinst er wieder, wie er das schon die ganze Zeit tut.

Fahnenträger Nowitzki: Rechtfertigungszwang auf dem Podium
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Fahnenträger Nowitzki: Rechtfertigungszwang auf dem Podium

Es war Sommer in Deutschland, der Basketballer stand mit Rick Carlisle auf einem Public-Viewing-Platz in seiner Heimatstadt Würzburg - und auf der großen Leinwand verlor das DFB-Team sein EM-Vorrundenspiel gegen Kroatien 1:2.

Am kommenden Freitag wird Dirk Nowitzki, 30, 2,13 Meter groß, Basketballer, Millionär, bei seinen ersten Olympischen Spielen mit einer großen Deutschlandfahne ins Olympiastadion einlaufen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich für Nowitzki als Fahnenträger entschieden, "für" Nowitzki, betont Michael Vesper, der Chef de Mission, "und nicht gegen einen anderen Sportler". Natürlich habe man sich die Entscheidung "nicht leicht gemacht", sagt Vesper noch.

Es sind Sätze, die auch eine Botschaft an die ehemalige Kanutin Birgit Fischer sind - die Nowitzki nicht für einen geeigneten Fahnenträger hielt, bevor er Fahnenträger wurde. Gestandene Olympioniken "wie Schützen oder Reiter" seien bessere Kandidaten, sagte sie. Besser als einer, der zum ersten Mal dabei sei.

Es klang auch wie: Besser als einer, der so viel Geld verdient.

Auch bei Nowitzki war diese Kritik angekommen. Er versteht sie womöglich sogar - aber da ist eben auch sein Traum von der Fahne. "Und ich habe in den vergangenen Jahren für den deutschen Basketball viel getan, nicht nur in der NBA, sondern auch in der Nationalmannschaft." Es ist irgendwie schade, dass sich dieser Mann jetzt dort oben auf dem Podium rechtfertigen muss. Er, der immer wieder auf Urlaub verzichtete, um im Sommer bei Großereignissen oder Qualifikationsturnieren für Deutschland zu spielen. Der von Olympia spricht mit leuchtenden Augen. Vom Duell Carl Lewis gegen Ben Johnson 1988, oder vom ersten "Dream Team" der US-Basketballer 1992. Und von einem Air-Hockey-Duell mit einem Pakistaner im olympischen Dorf.

"Das erlebt man sonst nirgendwo", sagt Nowitzki.

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper hat deshalb gern mit der Tradition gebrochen, dass verdiente Olympioniken die Fahne ins Stadion tragen. Nowitzkis Begeisterung für die olympischen Ideale sei "authentisch", sagt Vesper. Der Basketballer sei ein Teamplayer, "einer, der das Big Business kennt und trotzdem bescheiden geblieben ist".

Und einer, der immer für seinen Traum gekämpft hat, einmal bei Olympia dabei zu sein, "nachdem ich zwölf Jahre darauf gehofft habe". 2000 scheiterte die deutsche Basketballmannschaft knapp, auch 2004 schaffte sie die Qualifikation nicht. Jetzt endlich kann Nowitzki in der Mensa des olympischen Dorfes sitzen, zusammen mit Tausenden anderen Sportlern. Er kann den olympischen Geist atmen, den er so gelobt hat in den vergangenen Wochen, in vielen großen Interviews.

Diese Interviews waren eine Art Bewerbungsschreiben für den zweiten Traum - den, die Fahne tragen zu dürfen. "Eine Ehre" wäre das, sagte Nowitzki den Zeitungen, und im Gegensatz zu Birgit Fischer gefiel die Idee sehr vielen: dass der Sympath aus Dallas, der Weltstar aus Amerika, diese prestigeträchtige Funktion ausübt. Im Internet gab es Votes, die so eindeutig ausfielen wie Wahlen in China. Nowitzki ist gerade für junge Menschen ein Bezugspunkt, deren Interesse für Olympische Spiele sonst vielleicht gar nicht erst aufkäme.

Es ist ein Marketing-Coup

"Wir erhoffen uns, dass jetzt der Funke überspringt", sagt Vesper, "und dass sich junge Leute für die olympische Idee begeistern." Das sei ein "erhoffter und erwünschter Effekt". Die Entscheidung für Nowitzki ist, wenn man so will, auch ein Marketing-Coup. Aber ein richtiger.

Der neue Fahnenträger will nun ganz schnell die meisten der deutschen Sportler kennenlernen, die er am Freitag ins "Vogelnest"-Stadion führt. Zur Not will er auch die Wartezeit vor dem Einmarsch am Freitag dazu nutzen. Danach wird man den Basketballer auch bei anderen Sportarten auf der Tribüne sehen, ob beim Tennis ("Federer, Nadal"), Handball ("Mein Vater war ein guter Handballer"), Tischtennis ("da geht's ganz schön schnell hin und her").

Politisch will sich Nowitzki lieber nicht äußern. Er sei in sportlicher Funktion hier. Das habe er aber auch schon von Anfang an klar gemacht. "Olympia steht für das friedliche Zusammenkommen von Völkern", sagt Nowitzki.

Und seine Augen leuchten.



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