Olympia in China Deutschen Reitern droht neuer Dopingfall

Neuer Dopingverdacht bei den Springreitern: Die Deutsche Reiterliche Vereinigung befasst sich mit unerlaubter Medikamentengabe während der Olympischen Spiele 2008. Nach SPIEGEL-Informationen geht es um das Pferd Cornet Obolensky von Marco Kutscher, das nach einer Injektion in Hongkong kollabierte.


Hamburg - Der Bochumer Tierarzt Peter Cronau hatte der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in einem Brief von dem Vorgang berichtet. Der Verband schaltete daraufhin einen Sportrechtler als Gutachter ein.

Deutscher Reiter Marco Kutscher: Warum kollabierte das Pferd Cornet Obolensky?
DDP

Deutscher Reiter Marco Kutscher: Warum kollabierte das Pferd Cornet Obolensky?

Dem SPIEGEL bestätigte Ludger Beerbaum, für dessen Stall Kutscher reitet, den Vorfall. Cornet Obolensky habe Arnika und Lactanase gespritzt bekommen. Der deutsche Mannschaftstierarzt sei dabei gewesen, als das Pferd nach der Injektion einen Schwächeanfall hatte.

"Das stimmt. Mein Pferd wurde mit Arnika und Lactanase behandelt. Ob das angemeldet war, weiß ich nicht", sagte Kutscher der Nachrichtenagentur sid.

In dem Brief Cronaus an die FN sind weitere Ungereimtheiten aufgeführt. Unter anderem soll beim Verladen aus den Sattelschränken von Beerbaum und Kutscher in Hongkong das im Wettkampf verbotene Mittel Equi-Block gefallen sein. Darüber habe der Mannschaftstierarzt Björn Nolting schon vor Monaten Funktionäre der FN informiert, geschehen sei allerdings nichts. Dem SPIEGEL bestätigt Nolting den Vorgang.

Beerbaum streitet ab, das Mittel in Hongkong eingesetzt zu haben.

Während der Olympischen Reiterspiele in Hongkong war bereits der deutsche Springreiter Christian Ahlmann suspendiert worden, nachdem er mit der deutschen Equipe Rang fünf belegt hatte. Bei seinem Wallach Cöster war bei einer Medikationskontrolle die Substanz Capsaicin nachgewiesen worden. Capsaicin fördert die Durchblutung in schmerzenden, verhärteten Muskeln und lindert damit Muskelschmerzen und Muskelverspannungen. Ahlmann wurde anschließend für acht Monate gesperrt, seit dem 20. April 2009 darf er wieder starten.

Bei den Olympischen Spielen 2004 war bei Ludger Beerbaums Pferd Goldfever der Wirkstoff Betamethason entdeckt worden. Das Glucocorticoid war in einer Salbe, mit der ein Ekzem an Goldfevers Fesselbogen behandelt wurde. Im September 2005 wurde das Paar Beerbaum/Goldfever vom Internationalen Sportgerichtshof Cas endgültig disqualifiziert, die deutsche Mannschaft musste ihre Goldmedaillen zurückgeben.

Auch Beerbaums Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum sah sich bereits Dopingvorwürfen ausgesetzt, nachdem während der EM 2007 in Mannheim bei ihrem Wallach Shutterfly Restwerte der verbotenen Substanz Triamcinolon festgestellt worden waren. Damals sagte sie: "Wir sind uns keiner Schuld bewusst. Wir haben alles abgeklärt und die Behandlung den Tierärzten schriftlich angezeigt. Wenn das Doping sein soll, dann kann der Reitsport abgeschafft werden", so Michaels-Beerbaum.

fsc



insgesamt 341 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ylonoc, 01.11.2008
1.
Zitat von sysopNicht nur bei Menschen, auch bei Pferden werden im Sport hohe Leistungen oft mit dem Einsatz unerlaubter chemischer Substanzen erzielt. Sollen nun für Pferde ähnlich strenge Doping-Richtlinien wie für Menschen gelten?
Ja bitte und so'n Pferd sollte auch für zwei Jahre gesperrt werden und eine Geldstrafe wäre nicht schlecht.
Arthi, 01.11.2008
2.
Zitat von sysopNicht nur bei Menschen, auch bei Pferden werden im Sport hohe Leistungen oft mit dem Einsatz unerlaubter chemischer Substanzen erzielt. Sollen nun für Pferde ähnlich strenge Doping-Richtlinien wie für Menschen gelten?
Diese Leute sollten lebenslang für den Pferdesprort gesperrt werden. Gleichzeitig ein Verbot zur Haltung von Pferden erhalten. Tierquäler sind es und nicht mehr, und genau so gehören diese auch behandelt.
nekko 01.11.2008
3. Die Mär vom Partner Pferd
Man sollte bloß nicht glauben, dass das Problem Doping nur die Springpferde betrifft. Auch in der Dressur werden die Pferde reihenweise gedopt: wahlweise gesund gespitzt, ruhig gestellt, aufmerksam gemacht... und das beginnt bereits auf kleinen Regionalturnieren. Der tolle Partner Pferd soll nämlich in vielen Fällen gewinnbringend verkauft werden, oder doch wenigstens die stolzen Besitzer in Ergebnislisten bringen. Wenn ich bei Fernsehübertragungen von großen Turnieren höre "dieses Pferd hat öfter mal gesundheitliche Probleme, aber die Reiterin schafft es immer wieder, es auf den Punkt fit zu bekommen", dann frage ich mich, wie naiv man eigentlich sein kann. In meinen Dressurstall wird gedopt, was das Zeug hält und alle schauen weg. Einer der Stalltierärzte hatte schon Anzeigen wegen Dopings und spritzt munter weiter. Monatelang stocklahme Pferde auferstehen wie Phoenix aus der Asche und bringen Höchstleistung. Die Szene kennt sich, jeder weiß, dass da etwas nicht stimmen kann. Aber beim Turnier erhält die Turnierleitung vorher! eine Liste, welche Pferde zur Dopingprobe müssen und diese Person kennt natürlich alle Teilnehmer meist per Du. Was glaubt die FN eigentlich, was solche Proben bringen? Aber da liegt des Pudels Kern: an Aufklärung ist niemand interessiert. Wie im Radsport, nur mit einem kleinen Unterschied: die Pferde werden einfach entsorgt, wenn sie dann endgültig kaputt sind. Ich schäme mich zunehmend, selbst diesen Sport zu betreiben und kann mich nur damit beruhigen, dass es wenigstens meinem Pferd gut geht, da ich an Turnierstarts nicht interessiert bin.
Kalix 01.11.2008
4. Der Sport ist die Titanic und die rast auf den Eisberg zu
Der Reitsport fürchtet mit Recht die gleiche Entwicklung wie im Radsport. So hektisch, wie der Verband in Sachen Ahlmann reagiert, verkörpert Ahlmann die zu sehende Eisbergspitze und unter diesem Eisberg ist dann alles möglich. Doping ist Betrug und es sind Gelder aus einer strafbaren und ungerechtfertigten Bereicherung. Neben dem Kommerz instrumentalisiert jetzt auch das Doping den Sport. Diejenigen, die den Sport visuell und verbal transferieren, das sind die Medien, sollten sich umgehend nach Dopingfällen zurück ziehen. Und wenn mit Blick auf die Werbeeinnahmen und Quoten die konsequente Handlung schwer fällt, sollten gerade diese Intendanten berücksichtigen, dass mit der Übetragung sie selbst den Betrug erst interessant machen, denn ohne Übertragung kommt kein Geld in die Kasse und der Reiz ist dahin. Auch die Politik hat versagt. Nach dem 2jährigem Getue der ARD, was die Übetragung der Tour betrifft, hätte die Politik die ARD so pressen müssen, dass diese viel früher auf die Tour verzichtet.
Rainer Daeschler, 01.11.2008
5.
Zitat von sysopNicht nur bei Menschen, auch bei Pferden werden im Sport hohe Leistungen oft mit dem Einsatz unerlaubter chemischer Substanzen erzielt. Sollen nun für Pferde ähnlich strenge Doping-Richtlinien wie für Menschen gelten?
Wäre es ein Auto oder Motorrad, würden regelwidrige Modifikationen Konsequenzen für den Rennstall und Disqualifizierung nach sich ziehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.