SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Juli 2016, 17:27 Uhr

Russlands Olympia-Teilnahme

Nada-Vorsitzende sieht Schwächung der Wada

Andrea Gotzmann glaubt, das IOC habe durch die Zulassung russischer Athleten die Wada degradiert. Laut der Nada-Vorsitzenden ist "die Glaubwürdigkeit in das System erschüttert worden".

Bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) ist der Ärger über die IOC-Entscheidung zu Russlands Olympia-Teilnahme nicht verflogen. Das Internationale Olympische Komitee hatte auf einen kompletten Bann verzichtet und war damit einer entsprechenden Empfehlung der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) nicht gefolgt.

"Das geht in Richtung Papiertiger, das ist eine Degradierung", sagte die Nada-Vorsitzende Andrea Gotzmann in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Man hat eine Institution installiert, weil man eine Unabhängigkeit in der Anti-Doping-Arbeit wollte, und dann wird der Rat in den Wind geschlagen. Das ist eine Schwächung der Wada."

Für Gotzmann hat die IOC-Entscheidung negative Auswirkungen auf das Anti-Doping-System. "Die Glaubwürdigkeit in das System ist erschüttert worden, weil die Regelwerke nicht angewendet und eine Sondersituation geschaffen wurde", sagte sie. Statt die Sache selbst in die Hand zu nehmen, sei die Startrechtgenehmigung der russischen Athleten nun "nach unten an die internationalen Verbände delegiert" worden, kritisierte Gotzmann, "mit einer Vielfalt an Einzelentscheidungen".

Die Aussagen von Gotzmann reihen sich ein in eine Welle von kritischen Aussagen in Richtung IOC und dessen Vorsitzenden Thomas Bach. Zuvor hatten bereits mehrere Olympiasieger Robert ihre Enttäuschung über die Entscheidung ausgedrückt. Darunter waren Robert Harting ("Ich schäme mich für Thomas Bach"), Claudia Pechstein ("Thomas Bach lügt die Welt an") und Heike Henkel ("Systematisches Doping sollte man auf jeden Fall angehen und Verbände rauswerfen").

aev/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung