Reaktionen zum Olympia-Referendum Geschockt, enttäuscht, begeistert

Für die einen ist es ein Tiefschlag für den Sport, für die anderen Grund in Juhuuu-Jubel auszubrechen: Hamburg hat gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 gestimmt. Die Reaktionen auf das Referendum im Überblick.

Edina Müller, deutsche Nationalspielerin im Rollstuhlbasketball: Enttäuschte Gesichter
DPA

Edina Müller, deutsche Nationalspielerin im Rollstuhlbasketball: Enttäuschte Gesichter


Die Hamburger haben sich beim Referendum von Sonntag mehrheitlich gegen eine Bewerbung der Hansestadt für Olympia 2024 ausgesprochen. 51,6 Prozent der Wahlberechtigten stimmten gegen eine Fortsetzung der Kampagne um die Austragung der Spiele.

Das Ergebnis war für die meisten überraschend, noch am Wahltag hatte die Forschungsgruppe Wahlen des ZDF eine Zustimmung von 56 Prozent prognostiziert. Entsprechend enttäuscht waren die Verantwortlichen. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sagte, er habe sich eine "andere Entscheidung gewünscht, aber sie ist klar, und das Ergebnis ist zu akzeptieren". Die Hansestadt werde sich nicht um die Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), war die Erschütterung anzusehen, als er um 21 Uhr mit Scholz vor die Presse trat: "Für Sportdeutschland ist das Ergebnis ein herber Tief- und Rückschlag. Wir sind mit Hamburg aufgebrochen, um Sportdeutschland neue Perspektiven zu geben - diese Chance für die nächste Generation ist nun nicht gegeben."

Scholz, Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Hörmann: Enttäuschung im Rathaus
DPA

Scholz, Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank und Hörmann: Enttäuschung im Rathaus

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bedauerte das Votum zwar, bezeichnete es aber - überraschenderweise - als "nicht ganz überraschend". Es sei verständlich, dass die Einwohner Hamburgs in einer Situation, in der Deutschland mit der hohen Anzahl von Flüchtlingen eine historische Herausforderung zu bewältigen habe, auf die nicht geklärte Finanzierung "sensibel reagiert haben". Vor diesem Hintergrund sah das IOC "die hohe Zustimmung" von 48,4 Prozent in Hamburg und der deutlichen Mehrheit in Kiel von 65,6 Prozent als "besonders wertvoll". Es unterstütze die Argumentation des DOSB zur Bedeutung Olympischer Spiele.

Die Bundesregierung zeigte sich enttäuscht. "Olympia in Hamburg wäre eine tolle Chance gewesen. Es ist sehr schade. Man wird nun überlegen, woran es gelegen hat", sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Sonntagabend in der Sendung von Günther Jauch. "Wir hätten alles daran getan, es finanziell zu stemmen. Der Bund hätte Hamburg unterstützt, wenn auch nicht so, wie sich Hamburg das vorgestellt hatte." Hamburg hatte den Bund um eine Co-Finanzierung von 6,2 Milliarden Euro gebeten. Innenminister Thomas de Maizière hatte den Betrag - auf den die Stadt angewiesen war, um ihr eigenes Versprechen bezüglich einer Kostendeckelung einzuhalten - vor dem Referendum noch nicht abgesegnet.

"Meine große Sorge ist, dass wir in Deutschland über viele Jahre nicht mehr über eine Bewerbung reden werden", sagte Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir es 2028 noch einmal versuchen, sondern halte es auch für geboten, uns eine Denkpause zu verordnen."

Der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz kritisierte die Verantwortlichen, dabei hatte sich seine Partei in Hamburg als kleiner Koalitionspartner für die Bewerbung starkgemacht.

Kritik an Olaf Scholz kam zudem aus der CDU-Bürgerschaftsfraktion: "Mit seiner ungeschickten Verhandlungsstrategie hat der Bürgermeister nicht nur den Bund verprellt, sondern offenkundig auch die Bürger von einer Zustimmung abgeschreckt", sagte der Vorsitzende André Trepoll. "Die Olympischen und Paralympischen Spiele 2024 wären eine tolle Entwicklungschance für unsere Stadt gewesen."

Einzig die Linkspartei hatte sich in der Hamburger Bürgerschaft gegen Olympia positioniert, entsprechend groß war ihr Jubel:

Freude gab es auch bei den außerparlamentarischen Olympia-Gegnern. "Wir sind natürlich sehr erleichtert. Wir haben ein halbes Jahr lang viel Arbeit investiert", sagte NOlympia-Mitglied Florian Kasiske. "Die Menschen sehen, dass es Sachen gibt, wo das Geld besser angelegt ist."

Aus Sicht zahlreicher Sportler war der Ausgang des Referendums kein Grund zur Freude, im Gegenteil. Paralympics-Siegerin Kirsten Bruhn sagte: "Es enttäuscht mich, dass die Menschen nicht sehen, dass es um den Sport geht." Und der Hamburger SV schrieb bei Twitter:

Im zweiten Tweet zum Thema heißt es dann: "Aber wir respektieren die demokratische Entscheidung der Hamburger."

sun/aar/dpa/sid



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