Olympia-Sensation Iraks Fußballer überrumpeln Portugal

Mit dem deutschen Trainer Bernd Stange haben sie die Olympia-Qualifikation geschafft, doch zum Auftakt der Spiele in Athen haben Iraks Fußballer beweisen können, dass sie auch ohne fremde Hilfe gewinnen können. Gegen ein von EM-Stars wie Cristiano Ronaldo besetztes Team aus Portugal erkämpften sich die Iraker einen klaren Sieg.


Irakische Fans in Athen: Fußballer sorgen für ersten Jubel
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Irakische Fans in Athen: Fußballer sorgen für ersten Jubel

Patras - Der Irak hat für die erste große Überraschung beim olympischen Fußball-Turnier gesorgt. Der Außenseiter, der sich noch unter dem deutschen Trainer Bernd Stange für die Sommerspiele in Athen qualifiziert und damit für Jubelstürme im eigenen Land gesorgt hatte, besiegte den Medaillenkandidaten Portugal am Donnerstagabend nach einem turbulenten Spielverlauf in Patras verdient mit 4:2 (2:2).

Zunächst unterlief Abwehrspieler Haidar Jabar in der 13. Minute ein Eigentor, doch bereits drei Minuten später konnte Emad Mohammed zum 1:1 ausgleichen. Die Portugiesen, die unter anderen den Stuttgarter Bundesligaprofi Fernando Meira und ManUs Jungstar Cristiano Ronaldo in ihren Reihen hatten, waren nach diesem turbulenten Auftakt durchaus beeindruckt. Als Hawar Mullah Mohammed zum 2:1 (29.) erhöhte, machten sich erste Frustreaktionen bemerkbar. Ronaldo hatte zwar Pech mit einem Pfostenschuss, dafür aber Glück, dass er in der ersten Spielhälfte nach einem Schlag ins Gesicht des Siegtorschützen Mahmoud nur die Gelbe Karte sah.

Mit dem Pausenpfiff glich der selbsternannte Medaillenkandidat Portugal durch Bosingwa zwar noch zum 2:2 aus, doch wer gedacht hätte, die Irakis würden in der zweiten Hälfte ihre Linie verlieren, lag mit seinen Prognosen völlig falsch. Das Gegenteil war der Fall, denn nachdem sich Boa Morte vom englischen Premier-League-Club FC Fulham sein Geld in der 51. Minute die Rote Karte sah, nutzten die Irakis den sich ihnen bietenden Freiraum. Younis Mahmoud brachte sein Team mit dem 3:2 in der 56. Minute auf die Siegerstraße, Salih Sadir sorgte in der Nachspielzeit für den 4:2 Endstand, der von den wenigen, aber völlig begeisterten Fans auf den Tribünen ausgelassen gefeiert wurde.

Cheftrainer Adnan Hamad maß dem Erfolg beim ersten olympischen Wettkampf irakischer Sportler nach dem Krieg in der Heimat große symbolische Wirkung bei. "Die Menschen im Irak konnten wenigstens für einen Augenblick die Probleme vergessen, die wir in unserem Land haben. Sie haben die Partie im Fernsehen verfolgt und das ist für uns von großer Bedeutung", so der ehemalige Assistent von Bernd Stange, der die Partie daheim in Jena verfolgte. "Das war das beste Spiel, was ich je von einer irakischen Mannschaft gesehen habe. Ich habe das mit Stolz erlebt. Vielleicht gelingt den Jungs das, was Griechenland bei der Europameisterschaft gelungen ist", kommentierte der ehemalige Nationaltrainer des Irak euphorisch. Nach dem Überraschungs-Coup entschied er sich zudem, nach Athen zu reisen, um die Mannschaft bei den weiteren Spielen vor Ort zu unterstützen.

Im zweiten Spiel der Gruppe D trennten sich Marokko und Costa Rica in Heraklion auf Kreta 0:0.

In der Gruppe B rettete Italiens Jungstar Alberto Gilardino seine Mannschaft mit seinem späten Ausgleichstreffer (83.) zum 2:2 (0:2) gegen Ghana vor einem Fehlstart. Giampiero Pinzi hatte in Volos kurz nach der Pause für den Anschlusstreffer gesorgt, nachdem die Afrikaner zur Pause nach einem Doppelschlag von Emmanuel Pappoe (36.) und Stephen Appiah (45.) verdient geführt hatten. Im torreichsten Spiel des 1. Spieltages besiegte Paraguay in Thessaloniki Costa Rica mit 4:3.



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