Olympia-Skandal Spanien lässt Mühlegg fallen

Zuerst kannte die Freude in Spanien wegen der drei Goldmedaillen von Johann Mühlegg keine Grenzen. Doch nach der Überführung als Dopingsünder geht das Land auf Distanz zum aus dem Allgäu stammenden Nationalhelden. Selbst der König will mit dem abgestürzten Olympiastar nichts zu tun haben.


Johann Mühlegg: Da war die Welt noch in Ordnung
AP

Johann Mühlegg: Da war die Welt noch in Ordnung

Madrid - Der spanische Monarch Juan Carlos hat eine Audienz für Mühlegg bis auf weiteres verschoben. Ein neuer Termin stehe nicht fest, teilte eine Sprecherin des Königshauses am Montag in Madrid mit. Eigentlich sollte "Juanito", wie der gebürtige Allgäuer in Spanien genannt wird, am Mittwoch vom König im La-Zarzuela-Palast empfangen werden. Eine offizielle Begründung für die Verschiebung wurde nicht gegeben.

Die spanische Presse reagierte auf den Dopingskandal und die Aberkennung von Mühleggs Goldmedaille über 50 Kilometer mit Bestürzung. "Der größte Erfolg in unserer olympischen Geschichte ist im Sturzflug zu einem Betrug mit Hilfe der Chemie verkommen", kommentierte die Tageszeitung "El Mundo" am Montag, "Mühlegg hat weltweit Schande über Spaniens Sport gebracht."

Das Konkurrenzblatt "ABC" zeigte sich ebenfalls geschockt. "In einer Nacht hat Mühlegg nicht nur eine seiner Goldmedaillen verloren, sondern auch seine Stellung als sportlicher Held", urteilte das spanische Blatt. Noch drastischer sah es die Sportzeitung "As", die dem spanischen Verband vorwarf, dem Mühlegg-Team zuviele Freiheiten gewährt zu haben: "Wir haben einem Betrüger einfach eine spanische Flagge in die Hand gedrückt und uns hingesetzt, um ihm zu applaudieren. Mühlegg hat alle getäuscht."

Disqualifikation wegen Blutdopings

Wegen Blutdopings hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Mühlegg am Sonntag seine Tags zuvor gewonnene Goldmedaille über 50 Kilometer aberkannt. Auch den russischen Skilangläuferinnen Larisa Lasutina und Olga Danilowa wurde die Einnahme des verbotenen Blutdopingmittels Darbepoetin nachgewiesen.

Das Ergebnis von Mühleggs B-Probe wird im Laufe des Montags erwartet. Mühlegg hatte am Sonntagabend (Ortszeit) nach seinem Olympia-Ausschluss nicht wie vorgesehen als Träger der spanischen Fahne an der Schlussfeier in Salt Lake City teilnehmen dürfen.

"Ich kann mir das Ergebnis nicht erklären und warte das Resultat der zweiten Urinprobe ab, dann sehen wir weiter", sagte der 31-Jährige, dem eine zweijährige Sperre durch den Skiweltverband Fis droht, "erst einmal bin ich aber auch darüber zufrieden, dass mir die ersten beiden Goldmedaillen geblieben sind."

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