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Olympische Spiele 2020: Das Land, das lächelt

Foto: Christopher Jue/ dpa

Tokio Olympiastadt 2020 Jubelrausch in Japan

Olympia kommt 2020 nach Tokio, und ganz Japan feiert. Ministerpräsident Abe war eigens zur IOC-Vollversammlung nach Buenos Aires gereist, um Sorgen vor dem einen Problem der japanischen Bewerbung zu zerstreuen - den Folgen der Fukushima-Katastrophe.

Hamburg - Um 5.20 Uhr Ortszeit war es mit der japanischen Zurückhaltung vorbei. Ein Sturm der Begeisterung brandete in einer Sporthalle in Tokios Stadtteil Setagaya auf. Nur rund 2000 Sportfans hatten sich hier zu dieser frühen Stunde vor einem riesigen Bildschirm in der japanischen Hauptstadt versammelt, als die Entscheidung fiel: Bei der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitee (IOC), im argentinischen Buenos Aires verkündete IOC-Präsident Jacques Rogge, dass die Olympischen Sommerspiele 2020 gehen nach Tokio gehen.

Die Menge war nicht mehr zu halten, immer wieder riefen die Menschen in der Halle "Tokio, Tokio".

Viele Menschen in der 35-Millionen-Metropole hatten die Entscheidung zu Hause vor dem Fernseher verfolgt. In Buenos Aires sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe: "Unsere Botschaft, dass wir den Olympischen Geist der Welt vermitteln und sichere Spiele ausrichten können, ist vom IOC anerkannt worden". Tokios Bürgermeister Naoki Inose kommentierte: "Wir danken der olympischen Familie für das Vertrauen in unsere großartige Stadt. Wir werden es nicht enttäuschen. 116 Millionen Japaner lächeln gerade."

Japans Hauptstadt hatte sich in einer Stichwahl klar mit 60 zu 36 Stimmen gegen die türkische Metropole Istanbul durchgesetzt. Madrid, die Konkurrenz aus Spanien, die bei vielen Experten als Favorit galt, war bereits im ersten Wahlgang durchgefallen.

"Die Bewerbung Tokios war sehr stark, das musste sie in Konkurrenz zu den hochwertigen Bewerbern Istanbul und Madrid auch sein. Alle drei Städte hätten die Spiele ausrichten können, jedoch hat Tokio beim IOC den besten Anklang gefunden. Sie werden gut organisierte, sichere Spiele liefern", sagte Rogge nach der Wahl.

Botschaft an die Kinder in Fukushima

In Japan sagte die frühere Silbermedaillengewinnern im Marathon Yuko Arimori im Fernsehen: "Ich freue mich für die Kinder in Fukushima, die wegen der andauernden Atomkatastrophe nicht draußen spielen können." Nach dem Erdbeben und dem verheerenden Tsunami im März 2011, die zu dem Reaktorunglück von Fukushima führten, hatte Japan seine Hoffnung in die Austragung der Sommerspiele 2020 gesetzt. Doch die Sorge um die Folgen der Katastrophe schienen vor der Wahl des IOC zu groß, um mit Stärken wie einer hervorragenden Infrastruktur und finanzieller Stärke überzeugen zu können.

Ministerpräsident Abe war eigens nach Buenos Aires gereist, um Sorgen vor einer radioaktiven Verseuchung der Hauptstadtregion zu zerstreuen. Die Situation sei "unter Kontrolle", versicherte er den Delegierten.

Fukushima liegt 220 Kilometer von Tokio entfernt. Die AKW-Betreiberfirma Tepco hat die Schäden bislang nicht in den Griff bekommen. Unter anderem sorgen Lecks in Kühltanks, durch die verseuchtes Wasser austritt, für Beunruhigung. Die japanische Regierung hatte am Dienstag einen Notfallplan beschlossen, um selbst das Krisenmanagement in die Hand zu nehmen.

"Tausend Tauben im blauen Himmel"

Tokio hatte bereits 1964 die Olympischen Sommerspiele ausgerichtet, während die Winterspiele 1972 und 1998 in Japan stattfanden. Abe sagte, die Spiele von 1964 hätten ihn geprägt. "Ich war bei der Eröffnungszeremonie in Tokio 1964 und sah mehrere tausend Tauben, die in den blauen Himmel entlassen wurden und wieder zusammenkamen, um die olympischen Ringe zu bilden", berichtete er. "Das hat mich als Zehnjährigen begeistert." Abe verwies auch auf die Bedeutung von Sport für die Überlebenden der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe. "Heute spielen unter dem blauen Himmel von Fukushima Jungen Fußball und blicken in die Zukunft und nicht in die Vergangenheit."

Aber es gab auch nachdenkliche Stimmen: "Jetzt, da wir Olympia gewonnen haben, müssen wir uns auch für andere Dinge wie den Wiederaufbau einsetzen", sagte die frühere Volleyballspielerin Motoko Obayashi am frühen Sonntagmorgen im japanischen Fernsehen. Tokio hatte seine Olympia-Bewerbung auch damit begründet, dass die Spiele der Nation nach den Schrecken der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe 2011 Kraft und Motivation verleihen würden.

joe/sid/dpa
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