Olympische Spiele 2014 Winterspiele unter Palmen?

2. Teil: Sotschi - unten Palmen, oben Schnee


Die ersten Winterspiele unter Palmen und in subtropischem Klima: Damit wirbt Sotschi, die Ferienmetropole der russischen Oberschicht am Schwarzen Meer (330.000 Einwohner). Noch nie war das Budget eines Olympia-Kandidaten so hoch: Zwölf Milliarden Dollar will die russische Regierung in die Bewerbung und die Errichtung der Sportstätten stecken. Viel Geld, das aber auch nötig ist: Nur ein Lift konnte vergangenen Winter im vorgesehenen Skigebiet Krasnaja Poljana, 50 Kilometer entfernt von Sotschi im Kaukasus gelegen, benutzt werden. Von tauglichen Skipisten ganz zu schweigen. Sämtliche elf Wettkampfstätten müssen noch gebaut werden.

Allein für die Stromversorgung müssten nach Schätzungen zwei Milliarden Dollar aufgebracht werden. Während den Konkurrenten im IOC-Bericht "exzellente" Voraussetzungen bescheinigt werden, erhielt Sotschi nur die Note "sehr gut". Doch Russlands Präsident Putin, der wie viele seiner Landsleute seine Skiferien in Krasnaja Poljana verbringt, ist die Olympiabewerbung ein großes Anliegen.

Plakat im Skigebiet Krasnaja Poljana: Paradies der Sommerurlauber
DPA

Plakat im Skigebiet Krasnaja Poljana: Paradies der Sommerurlauber

Kritik bleibt da ungehört. Die gibt es reichlich. Naturschützer beklagen, dass 84 Prozent der olympischen Wettkampfstätten in einem Nationalpark entstehen sollen. Olympia-Gegner haben zudem ein "Bewerbungsbuch" vorgestellt, in dem sie unter anderem die Verwendung staatlicher Gelder kritisieren.

Die Verfasser werfen der Regierung vor, die Olympia-Bewerbung als Vorwand zu benutzen, um mit staatlichen Mitteln einen luxuriösen Zufluchtsort für Oligarchen entstehen zu lassen. Tatsächlich planen Putin & Co., Sotschi zum "Kurort auf Weltniveau" auszubauen. 6,7 Milliarden Dollar sollen auch bei einer Nichtberücksichtigung durch das IOC in den Süden des Landes fließen.

Mit dabei in der Bewerbungscrew sind Österreichs Skilegende Karl Schranz, Modedesigner Willy Bogner und Ski-Olympiasieger Markus Wasmeier, deren Film morgen in Guatemala Lust auf Sotschi machen soll.

Zudem hält sich hartnäckig das Gerücht, Putin hätte Salzburgs Kampagnen-Chef Fedor Radmann, der gemeinsam mit Franz Beckenbauer die Fußball-WM nach Deutschland geholt hatte, aus seinem Vertrag herausgekauft, um den bis dahin favorisierten Gegner zu schwächen. Ob auf russische Initiative oder nicht: Radmanns Rückzug in Salzburg aus offiziell "gesundheitlichen Gründen" hat Sotschi gewiss nicht geschadet.

Und sollte es morgen doch nicht klappen, hat Putin noch einen Plan B in der Tasche, der in Wirklichkeit ein Plan A ist: Seine Heimatstadt St. Petersburg soll Ausrichter der Sommerspiele 2016 werden. Geplantes Investitionsvolumen: 100 Milliarden Euro.



insgesamt 7 Beiträge
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hardo 03.07.2007
1. Hoffentlich nicht Salzburg
Hallo, ich hoffe nicht, dass es Salzburg wird. Ich reise gerne im Sommer ins Berchtesgadener Land und die Region Salzburg. Leider hab ich schon in anderen Regionen Österreichs gesehen, wie sehr Wintersport die Landschaft verunstalten kann. Ich möchte nicht, dass dies im Raum Salzburg auch geschieht. Warum kann man nicht da Wintersport betreiben, wo es eh schon hässlich ist, d. h. die ganzen Anlagen schon vorhanden sind? Hardo
Crom 04.07.2007
2.
Wenn ich den Bericht richtig gelesen habe, sind doch in Salzburg bereits alle Anlagen vorhanden ... Dennoch hoffe ich, dass die Südkoreaner das Rennen machen.
XoldeuropeX 04.07.2007
3.
Nachdem die letzten Olympischen Spiele abwechselnd nach Europa und dem Nordamerikanischen Kontinent gegangen sind, kann ich mir nicht vorstellen, das sie 2014 abermals in Europa ausgerichtet werden. Dies würde für Pyeongchang sprechen, ebenfalls wie die Tatsache, das sie letztes Mal so knapp Vancouver unterlegen waren. Desweiteren ist es mit Sicherheit die wirtschaftlich stärkste Region, so daß die Finanzierung dort am ehesten gesichert ist.
Excelsior 04.07.2007
4.
Zitat von XoldeuropeXNachdem die letzten Olympischen Spiele abwechselnd nach Europa und dem Nordamerikanischen Kontinent gegangen sind, kann ich mir nicht vorstellen, das sie 2014 abermals in Europa ausgerichtet werden. Dies würde für Pyeongchang sprechen, ebenfalls wie die Tatsache, das sie letztes Mal so knapp Vancouver unterlegen waren. Desweiteren ist es mit Sicherheit die wirtschaftlich stärkste Region, so daß die Finanzierung dort am ehesten gesichert ist.
Volle Zustimmung in beiden Punkten! Trotz der wenig erfreulichen Erfahrungen in Nagano ist nicht zu leugnen, dass Asien enfach "mal wieder dran" ist. Die gerechte weltweite Verteilung der Austragungsorte ist ein wesentlicher Bestandteil in der Entscheidungsfindung des IOC. Da auch die lokalen Gegebenheiten (Klima, Umgebung, Wirtschaftskraft) sehr für Pyeongchang sprechen, ist der Zuschlag für Südkorea aus meiner Sicht sehr wahrscheinlich. Zu Salzburg: Ein wesentliches Kriterium bei der Vergabe ist die bereits vorhandene Infrastruktur. Wird man die Spiele an eine Stadt geben, in der der Straßenverkehr schon heute und auch außerhalb der Saison regelmäßig vor dem Kollaps steht? Ich hoffe nicht! Doch persönlich fände ich Sochi ohnehin am interessantesten... Beste Grüße Excelsior
fritze meier, 05.07.2007
5. yeah!
cool, sotchi! übernachten entweder in quasi unbewohnbaren oder in 2000-dollars-zimmern! so zumindest lautete die quintessenz des berichts über sotchis unterkünfte auf russia today letzte woche. egal, vergesst die cote d'azur und ab ans schwarze meer!
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