Hamburgs Olympia-Bewerbung Sport ist Nord

Hamburg soll die Olympischen Sommerspiele 2024 oder 2028 ausrichten - doch zunächst einmal stimmen die Hamburger selbst über eine Bewerbung ihrer Stadt ab. Wie stehen die Chancen? Wann fällt die Entscheidung endgültig? Der Überblick.


Warum Hamburg und nicht Berlin?

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wählte bei seiner Entscheidung, Hamburg als Kandidat für die Olympischen Sommerspiele 2024 zu nominieren, die sicherere Variante. Auch wenn Berlin der international renommiertere Bewerber gewesen wäre, sind mit Hamburg die Chancen bei der Volksbefragung wohl größer. Denn nur wenn die Bürger mehrheitlich für Olympia votieren, wird es auch eine offizielle Bewerbung geben. Und diese Mehrheit scheint es in Hamburg eher zu geben.

Wann stimmen die Bürger ab?

Im Spätsommer, wahrscheinlich September, wird es in Hamburg einen Bürgerentscheid geben, ob sich die Stadt für die Spiele 2024 bewerben soll. Spricht sich die Mehrheit nicht dafür aus, ist dieses Olympia-Kapitel schon wieder beendet. Zuletzt hatten sich Bürger gegen eine Bewerbung Münchens für die Winterspiele 2022 ausgesprochen.

Wenn die Hamburger eine Bewerbung wollen - was dann?

Dann müssen die Hansestadt und der DOSB bis zum 15. September beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ihre Kandidatur für die Ausrichtung der Spiele 2024 melden. Bis zum 8. Januar 2016 muss Hamburg beim IOC dann die ersten Bewerbungsunterlagen abgeben. Das sogenannte Mini Bid Book der Bewerberstädte wird rund 80 Seiten umfassen. Im April oder Mai 2016 wählt das IOC-Exekutivkomitee dann die Kandidatenstädte aus.

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Olympiabewerber Hamburg: "Eine sehr, sehr große Ehre"
Und wenn Hamburg unter den Kandidaten ist?

Dann muss die Stadt bis Januar 2017 die kompletten Bewerbungsunterlagen und Garantie-Erklärungen beim IOC einreichen. Anschließend besucht die IOC-Evaluierungskommission nach und nach alle Kandidatenstädte, macht sich ein Bild und veröffentlicht im Juni 2017 ihren Bericht. Anschließend wählt das IOC bei seiner Sitzung in Perus Hauptstadt Lima (genauer Termin noch offen) den Ausrichter für die Olympischen Sommerspiele 2024. In etwas mehr als zwei Jahren fällt also die finale Entscheidung.

Was ist der Kern von Hamburgs Bewerbung?

Herzstück der Pläne ist der Kleine Grasbrook, eine rund 110 Hektar große Elbinsel gegenüber der östlichen HafenCity. Dort sollen das Olympiastadion, die Olympia- und Schwimmhalle, sowie das olympische Dorf entstehen. All das müsste neu gebaut werden, dazu ein Rugbystadion im Volkspark und eine Wildwasserstrecke in Wilhelmsburg. Alle anderen rund 25 Sportstätten gibt es bereits, sie sollen im Fall des Zuschlags für Hamburg modernisiert werden. Insgesamt sollen sich die Kosten für die Bauten auf rund zwei Milliarden Euro belaufen.

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Deutsche Olympia-Bewerbungen: Berlin, München, Leipzig
Wann gab es zuletzt Olympische Spiele in Deutschland?

Vor 43 Jahren in München. Zudem fanden sowohl die Sommer- als auch die Winterspiele 1936 in Deutschland statt (Berlin und Garmisch-Partenkirchen). Zuletzt gehörten die deutschen Olympiabewerbungen aber eher in die Kategorie Pleiten, Pech und Pannen.

Wer sind die Konkurrenten?

Bislang haben sich Boston und Rom offiziell um die Ausrichtung der Spiele beworben. Auch Paris erwägt eine Kandidatur, dort will man sich bis Juni entscheiden. Zudem könnten, so die Spekulationen, noch Budapest, Istanbul, Doha, Baku und eine australische Stadt ins Rennen einsteigen.

Wie stehen Hamburgs Chancen?

Fachleute sehen Boston in der eindeutigen Favoritenrolle, allerdings nicht nur wegen der überzeugenden Bewerbungsunterlagen der US-Stadt. Ein schwerwiegendes Argument gegen die Spiele 2024 in Hamburg ist die deutsche Kandidatur um die Fußball-Europameisterschaft im selben Jahr. Die Vergabe der EM nach Deutschland gilt als ziemlich sicher - und ein Doppel-Sportspektakel wird es hierzulande wohl nicht geben. Zudem wären die USA nach den Sommerspielen von Atlanta 1996 wieder einmal an der Reihe. Im Fall des Scheiterns hat der DOSB bereits eine erneute Bewerbung mit der gleichen Stadt für die Spiele 2028 angekündigt.

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Olympische Spiele 2024

Ist die Entscheidung für Hamburg als deutscher Bewerber richtig?

Konkurrent für 2024

ham/dpa/sid

insgesamt 32 Beiträge
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HejAlterHastMalnEuro 16.03.2015
1. Es gibt noch ein sicheres Indiz für Boston.
6 der 10 Hauptsponsoren des IOC sind US-Firmen. Deshalb wird wahrscheinlich erst die 2. Bewerbung für die Olympischen-Spiele 2028 relevant. In einem Land mit Flüssen, Seen und Küstenlinie, in dem 50% der Kinder und Jugendlichen nicht mehr sicher schwimmen können, braucht es kein neues olympisches Schwimmbecken, sondern die Öffnung und Renovierung von vorhanden Becken und einen anständigen Schwimmunterricht an unseren Schulen. In meiner Kindheit kannte ich überhaupt niemanden, der nicht schwimmen konnte oder es gelernt hat. Eine Schande. Hinzu kommt der Fakt, das bei vergangenen Olympischen-Spielen die Gastgeber immer auf Kosten in Milliardenhöhe sitzengeblieben sind. Ob London oder Vancouver, es ist trotz gegenteiligen Beteuerungen immer das Gleiche gewesen.
Stäffelesrutscher 16.03.2015
2.
»Spricht sich die Mehrheit dagegen aus, ist dieses Olympia-Kapitel schon wieder beendet.« Oh, das wäre aber ein neuer Modus - Lex IOC sozusagen. Bisher musste das »Ja« zwei Hürden überspringen: Mehrheit der abgegebenen Stimmen sowie mehr als 20 % der Wahlberechtigten. Das hieße also: 49 % der gültigen Stimmen Ja ist durchgefallen, auch bei 25 % Enthaltung und 26 % Nein. Und: 19 % der Wahlberechtigten dafür, 10 % dagegen ist auch durchgefallen. Will man jetzt etwa das Procedere so frisieren, dass 10 % Ja und 49 % Nein (bezogen auf die Wahlberechtigten) als Ja zu Olympia gilt?
m.d._b 16.03.2015
3.
Rund 2 Mrd für Neubeuten und Sanierung? Bitte liebe Hamburger, stimmt mit nein. Es kostet mehr als es einbringt und was soll mit den Neubauten geschehen? Was für eine Ressourcenverschwendung. Irgendwie erinnert mich Olympia an Wetten Dass.
cfk.berlin 16.03.2015
4.
Der DOSB hat sein eigenes Verständnis von Feierlichkeiten zum 25.jubiläum der deutschen Einheit. Die Stadt die am meisten profitiert hat wird gegenüber dem international und sportlich weit renommierteren Berlin vorgezogen. Nix gegen HH, aber das war eine Geldsack-Entscheidung
john.sellhorn 16.03.2015
5. geschaetzte 2 milliarden?
ha ha ha!
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