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17. August 2008, 10:29 Uhr

Olympische Spiele

Aus für deutsche Handballerinnen und Kanutin Leonhardt

Medaillentraum geplatzt: Die deutschen Handballerinnen haben keine Chance mehr aufs Viertelfinale. Wegen eines Infekts kann Kanu-Olympiasiegerin Carolin Leonhardt nicht starten. Fünf schwedische Schwimmer fielen durch Biertrinken negativ auf, Ringerin Anita Schätzle beendet ihre Karriere.

Hamburg - Die deutschen Handballerinnen sind schon vor ihrem abschließenden Gruppenspiel am Sonntag (13 Uhr MESZ, Liveticker SPIEGEL ONLINE) gegen Weltmeister Russland aus dem olympischen Turnier ausgeschieden. Im ersten Spiel des Tages der Gruppe B bezwang Schweden die Brasilianerinnen 25:22 (14:11) und ist mit 4:6 Punkten nicht mehr von Platz vier, der zum Einzug ins Viertelfinale ausreicht, zu verdrängen. Deutschland (2:6) kann zwar mit einem Sieg gegen Russland nach Punkten mit Schweden noch gleichziehen, doch der direkte Vergleich mit den Skandinavierinnen (26:27) spricht gegen die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB).

Handballerinnen Baumbach (r.), Hardter: Aus in der Vorrunde
DDP

Handballerinnen Baumbach (r.), Hardter: Aus in der Vorrunde

"Im Endeffekt war der selbst auferlegte Druck zu groß. Grundmangel war die schwache Torausbeute", sagte Bundestrainer Armin Emrich. Spielmacherin Maren Baumbach war frustriert: "Wir haben so ein großes Leistungsvermögen. Aber es zeigt sich, wenn nur zwei Spielerinnen pro Spiel das abrufen, ist es zu wenig."

Schock für die Kanu-Olympiasiegerin Carolin Leonhardt: Wegen eines Infekts kann die Goldmedaillen-Gewinnerin von 2004 an der am Montag beginnenden Regatta nicht starten. "Das ist irre, nicht bloß für Carolin, sondern für uns alle. Das hat uns doch ein bisschen erschüttert", sagte Cheftrainer Reiner Kießler am Sonntag. Nach ihrer Erkrankung schien die 23-jährige Leonhardt auf dem Weg der Besserung, mit mehreren Untersuchungen wollte man die letzten Risiken eines Starts ausschließen. Doch die Mediziner gaben nicht ihre Zustimmung für einen Start.

Stefan Nimke und Maximilian Levy, zum Auftakt Bronzemedaillengewinner im Teamsprint, haben am Sonntag im Velodrom von Laoshan die Sprint-Qualifikation überstanden. Nimke trifft in den olympischen Bahn-Wettbewerben in der ersten Runde auf den Chinesen Lei Zhang, Levy auf den Niederländer Teun Mulder.

Der niederländische Radfahrer Niki Terpstra, Mitglied des deutschen Milram-Teams und Teilnehmer der Tour de France, konnte am Sonntag nicht im Bahnvierer starten. Auf dem Weg vom olympischen Dorf zum Velodrom hatte er einen Fahrradunfall und brach sich beide Unterarme. Der auch am Kinn und an der Brust verletzte 24-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht. Das bestätigte das Niederländische Olympische Komitee.

Freistilringerin Anita Schätzle ist verletzt aus dem olympischen Wettbewerb in der Klasse bis 72 Kilo ausgeschieden und hat wie erwartet ihre Karriere beendet. Die Olympia-Sechste von Athen erlitt im Viertelfinale gegen die Polin Agnieszka Wieszczek (1:3) bei der ersten Aktion zu Beginn der dritten Runde einen Knorpelabriss an der Rippe. Das teilte der Deutsche Ringer-Bund mit. Schätzles größte Erfolge waren die Europameistertitel 2003 und 2005 sowie WM-Silber 2000. Von 2001 bis 2007 war die Ringerin der WKG Koblenz-Rübenach siebenmal in Folge deutsche Meisterin.

Die Doping-Verdächtigungen gegen Waleri Bortschin, den Olympiasieger im 20 Kilometer Gehen, reißen nicht ab. Der am Samstag siegreiche Russe, der bereits eine einjährige Dopingsperre abgesessen hat, wird von Wiktor Tschegin trainiert. Aus dessen Gruppe waren kurz vor Olympia drei Athleten positiv auf das Ausdauerdoping-Mittel Epo getestet worden. " Tschegin ist für mich der Trevor Graham Russland", sagte der drittplatzierte Jared Tallent (Australien). Graham betreute fast ein Dutzend Athleten, die des Dopings überführt worden sind, darunter Ex-Sprinterin Marion Jones (USA). Er steht vor einer Gefängnisstrafe wegen Meineids.

Aus Sicht von Tallent hätte das Internationale Olympische Komitee (IOC) Tschegin nicht in Peking zulassen dürfen. "Das ist eine Schande. Der Sport ist nicht sauber." Zugleich bezeichnete der Australier Bortschins Leistung als "Wahnsinn". "Er hat mir auf den letzten fünf Kilometern 40 Sekunden abgenommen. Und ich dachte, ich wäre schnell."

Die schwedischen Schwimmer Stefan Nystrand, Petter Stymne, Simon Sjödin, Christoffer Wikström und Marcus Piehl haben sich mit einem alkholgeschwängerten Ausflug zum Tennis großen Ärger eingehandelt. Sie saßen am Samstagabend biertrinkend auf der Tribüne beim olympischen Tennisturnier, um ihre Landsleute Simon Aspelin und Thomas Johansson beim Doppel-Finale anzufeuern. Als ein Funktionär das Quintett entdeckte, schickte er es nach Hause. "Das ist völlig inakzeptabel", sagte Glenn Östh, Sportchef des Nationalen Olympischen Komitees von Schweden SOK. Das SOK störte sich vor allem daran, dass die Sportler ihre Olympiatrikots trugen, während sie Bier tranken. Außerdem saß das schwedische Königspaar nur wenige Meter entfernt.

Die Pekinger Polizei hat 110 Schwarzhändler wegen illegalen Verkaufs von Olympia-Tickets festgenommen, darunter 17 Ausländer. Außerdem wurden 340 Eintrittskarten beschlagnahmt, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag meldete. Ein Niederländer habe 24 Tickets für das Zehnfache des ursprünglichen Preises verkauft. Aus welchen Ländern die übrigen ausländischen Schwarzhändler stammen, gaben die chinesischen Behörden nicht bekannt.

ulz/sid/dpa

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