Olympische Spiele Deutscher Leichtathletikverband will Protest-Leitfaden

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hat den Deutschen Olympischen Sportbund um eine Art Protest-Kodex gebeten. Dieser soll den Athleten in Peking rechtliche Sicherheit geben. Der Bundestrainer fordert zudem die Medien auf, die Eröffnungsfeier zu boykottieren.


Hamburg - Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgefordert, die Möglichkeiten und Verbote des politischen Protestes bei den Sommerspielen in Peking für die Sportler darzustellen. "Ich erwarte vom DOSB, dass er die Interpretationen der Olympischen Charta klar aufzeigt: Wie kann man die Olympischen Spiele als Plattform nutzen ohne sich selbst zu schaden", sagte DLV-Generalsekretär Frank Hensel am Mittwoch. Hensel hat zum Beispiel Bedenken, dass selbst das Tragen von Plastikarmbändern mit der Aufschrift "Sports for human rights", die im Sportlerforum Netzathleten zu bestellen sind, keinen juristischen Freiraum darstellen und Athleten gezwungen werden könnten, diese vor Wettkämpfen abzulegen.

Weitspringer Reif: "Es geht um die eigene Sicherheit"
DPA

Weitspringer Reif: "Es geht um die eigene Sicherheit"

Der Mediendirektor des DLV, Peter Schmitt, sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir wollen unseren Sportlern im Vorfeld klare Ansagen machen können, was sie wo dürfen, und vor allen Dingen, was sie wo nicht dürfen." Die Anfrage beim DOSB sei reine "Prophylaxe". Weitspringer Christian Reif ist für diese Hilfestellung dankbar: "Dabei geht es auch um die eigene Sicherheit", sagte er. Man wolle ja nicht für unbedachtes Verhalten ins Gefängnis wandern.

Schmitt stellte aber auch klar, dass dies kein Maulkorb des Verbandes für seine Sportler sein wird: "Wir wollen den mündigen Athleten", sagte er, "ihm aber auch Sicherheit mitgeben. Es kann dem Athleten nur helfen, wenn er weiß, wo er sich im rechtssicheren Raum bewegt." Mit konkreten Anliegen auf ihn zugekommen seien Sportler seines Verbandes jedoch noch nicht. Einen möglichen vom DOSB erstellten Leitfaden will der DLV dann beim Europacup am 21. und 22. Juni im französischen Annecy weitergeben.

Auch DLV-Vizepräsident Eike Emrich, zugleich Sportwissenschaftler an der Universität Saarbrücken, erwartet, dass der DOSB die Verhaltensregeln "unmissverständlich deutlich macht". Der DOSB selbst hat zurzeit mehr mit sich selbst zu kämpfen. Ehrenpräsident Manfred von Richthofen hatte den eigenen Verband wegen dessen früher Absage eines möglichen Boykotts kritisiert. Generaldirektor Michael Vesper hatte gekontert, dies sei "nicht unbedingt feiner Stil".

Weitspringer Reif, der WM-Sechste vom ABC Ludwigshafen, sagte, dass er "auf keinen Fall" an der Eröffnungsfeier in Peking teilnehmen werde. Allerdings sind fast alle deutsche Leichtathleten am 8. August noch im Trainingslager im japanischen Shibetsu und fehlen ohnehin bei der Eröffnung. "Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass ein Großteil der deutschen Leichtathletik-Mannschaft nicht einmarschieren würde, wenn wir da wären", sagte der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow.

Er forderte zugleich die Berichterstatter dazu auf, die Feier angesichts des Vorgehens der chinesischen Regierung in der Tibetfrage zu boykottieren: "Es wäre ein Signal, wenn die Medien von der Eröffnungsfeier fernblieben."

Bei der Abschlussfeier will Reif jedoch dabei sein: "Das ist ja auch eine Eröffnung für die Olympischen Spiele 2012 in London." Der Weitspringer hofft, "dass wir früh genug vom DOSB eine Rückmeldung haben, was wir machen dürfen und was nicht". Wenig Hoffnung habe er, dass die Sportler diese vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) erhalten.

fsc/dpa



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