Deutsche Olympia-Bosse Schöne Grüße an "Frau Duplitzer"

Der DOSB lud zur Eröffnungspressekonferenz, dominiert wurde die Veranstaltung von der scharfen Kritik der Fechterin Imke Duplitzer. In einem Interview hatte sie die Verbandsbosse angegriffen. Doch diese gaben sich bestens gelaunt.
DOSB-Präsident Bach: "Vorfreude ist vollkommen ungetrübt"

DOSB-Präsident Bach: "Vorfreude ist vollkommen ungetrübt"

Foto: Michael Kappeler/ dpa

Man kann den Bossen des deutschen Olympiateams gewisse schauspielerische Qualitäten nicht absprechen. Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper, als Grüner Politiker und ehemaliger NRW-Minister gestählt im öffentlichen Nahkampf, ließen sich bei der Eröffnungspressekonferenz im Museum of London Docklands von den aufgeregten Schlagzeilen um ein Interview der Fechterin Imke Duplitzer nicht aus der Fassung bringen. Im Gegenteil: Sie demonstrierten Gelassenheit.

"Meine Begeisterung", flötete Bach, "ist wirklich riesig, wenn ich sehe, was hier London und das Organisationskomitee für diese Spiele getan haben und wie das von den Athleten angenommen wird. Da bekomme ich Gänsehaut." Vesper erklärte lächelnd und etwas bürokratisch-umständlich: "Ich kann bestätigen, dass die Gefühle, die Herr Bach hier vorgetragen hat, auch bei den Athleten vorhanden sind."

Tatsächlich? Ist Dupitzer also die große Ausnahme, die notorische Meckertante, wenn sie von Funktionären spricht, die "gar nichts mehr raffen" und in einem "Pixiewolkenkuckucksheim leben"?

Wer nun einen Racheakt der Funktionäre, eine weitere Zuspitzung des Falls oder gar einen Rausschmiss Duplitzers erwartet hatte, wurde enttäuscht. Bach und Vesper kann man so leicht nicht aus der Fassung bringen. Intern, davon ist auszugehen, dafür stehen die beiden mit ihrer Vita und ihrem Führungsstil, der kaum Diskussionen zulässt, werden sie gewütet haben. Doch sie haben sich, ganz Profis, für eine entspannte Kommunikationsstrategie entschieden. Abwarten, ruhig bleiben und abwiegeln.

"Es hätte etwas gefehlt, wenn da nicht so was gekommen wäre"

"Da ich Fechten kenne, weiß ich, dass der eine oder andere auch mal zum schweren Säbel greift", antwortete IOC-Vizepräsident Bach, Mannschafts-Olympiasieger mit dem Florett von 1976, auf eine Frage nach möglichen disziplinarischen Konsequenzen für Duplitzer. Deren neuerlicher Rundumschlag betreffe nicht nur den DOSB, auch "den Regierungssprecher, die Ruderer, wobei wohl die Segler gemeint sind, und den Rest der Welt". Er wolle das nicht überbewerten. Und schon verschwand er, gerade erst vom Besuch des IOC-Exekutivkomitees im Olympischen Dorf gekommen, zur Audienz bei der Queen. Die englische Königin, die am Abend auch bei der Eröffnung der IOC-Session im Royal Opera House vorbeischaute, lässt man eben nicht warten.

DOSB-General Vesper, verbalen Keilereien selten abgeneigt, zügelte sein Temperament. "Auch wenn wir das traurig finden, es hätte ja etwas gefehlt, wenn da nicht kurz vor den Spielen so was gekommen wäre", sagte er. "Frau Duplitzer hat sich aktiv um die Teilnahme an den Olympischen Spielen bemüht und unser System über 20 Jahre sehr erfolgreich genutzt", sagte Vesper. "Wir sind für jeden Vorschlag offen, wie man die Spitzensportförderung verbessern kann. Nur habe ich nie einen Vorschlag von ihr gehört." Womöglich habe Duplitzer nur ihr neues Buch promoten wollen. Ende der Diskussion. Erst nach Olympia soll ein klärendes Gespräch stattfinden.

Es hat in den vergangenen Jahren schon Teamleitungen gegeben, die unsouveräner auf derartige Störfeuer reagiert haben. 1992 hatte Nils Rudolph, damals Schwimm-Weltrekordler auf der Kurzbahn, in einem Interview kurz vor den Sommerspielen in Barcelona ebenfalls Funktionäre kritisiert. Rudolph sollte auf Antrag des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) aus dem Team geworfen werden und nach Hause fliegen. Erst als er sich vom Gesprächsinhalt distanzierte, wurde er begnadigt.

Vesper und Bach wollen keine Medaillenhochrechnungen

Jene Themen, die sonst derartige Eröffnungspressekonferenzen bei Olympischen Spielen dominieren, wurden durch die Duplitzer-Diskussion etwas verdrängt. Das muss kein Nachteil sein, denn Medaillenhochrechnungen sind doch eher negativ besetzt. Bach und Vesper gaben also auch keine Erwartungen über die Anzahl der Plaketten zum Besten. Ihre Botschaften lauteten: Platz fünf "in der nicht existierenden Nationenwertung verteidigen", so Vesper, hinter China, den USA, Russland und Gastgeber Großbritannien. Bach erklärte, "der ultimative Maßstab für den Athleten und auch für den DOSB" sei die persönliche Bestleistung. "Wem das gelingt, der ist auch vorn dabei." Allerdings hatte der 58-Jährige schon zuvor die 41 deutschen Medaillen der Spiele in Peking als Maßstab ausgegeben.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der DOSB und die olympischen Sportverbände nach Medaillen abgerechnet werden. Die Spitzensportförderung durch das Bundesinnenministerium bemisst sich vor allem an vorderen Platzierungen.

Dem Umstand, dass mit 392 Sportlern das kleinste Team seit der Wiedervereinigung antritt, wollten die Bosse des DOSB nicht überbewerten. Im Vergleich zu 2008 in Peking, wo 440 Athleten antraten, haben sich nur drei statt neun Teams in Mannschaftssportarten qualifiziert. Das erklärt schon einiges.

Das Schlusswort ließ sich Bach nicht nehmen: Die Olympische Vorfreude sei "vollkommen ungetrübt durch eine vereinzelte Äußerung aus der Heimat".

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