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09. August 2008, 17:24 Uhr

Olympische Spiele

Hambüchen im Reck-Finale, Sieg für Handballerinnen

Starker Auftritt der Turner: Fabian Hambüchen erreichte an vier Geräten und im Mehrkampf das Finale, die Mannschaft zog in den Team-Endkampf ein. Durchwachsen war der Start der deutschen Schwimmer, gelungen der Auftakt der Handball-Frauen und der Vielseitigkeitsreiter.

Hamburg - Beim Qualifkationswettkampf führte Reck-Weltmeister Fabian Hambüchen seine Teamkollegen ins Mannschaftsfinale und bestätigte zudem seine Favoritenrolle am Reck. Auch im Mehrkampf verschaffte sich der 20-Jährige eine glänzende Ausgangsposition. Hinter Top-Favorit Yang Wei aus China (93,875) und vor dem Südkoreaner Kim Daeeun (92, 400) kam Hambüchen mit 92,425 Zählern auf Rang zwei. "Ich habe den Druck in der Qualifikation sehr gemerkt. Aber jetzt gehe ich in das Finale eher locker rein. Jetzt habe ich die Chance, mir im Finale den Traum zu erfüllen", sagte Hambüchen.

Reck-Favorit Hambüchen: "Gehe locker ins Finale"
DPA

Reck-Favorit Hambüchen: "Gehe locker ins Finale"

An seinem Spezialgerät, dem Reck, begnügte sich Hambüchen mit einer abgespeckten Übung (Ausgangswert: 7,0) und erturnte dennoch mit 16,200 Punkten die Tageshöchstnote an diesem Gerät. Auch am Boden gelang ihm mit Platz vier (15,800) ebenso wie am Barren mit Platz acht (16,050) der Sprung in die Gerätefinals. Er half damit der deutschen Mannschaft (365,675) am Ende auf den fünften Platz, die Qualifikation für das Teamfinale war nie in Gefahr. Ins Mehrkampffinale wird Hambüchen von Philipp Boy begleitet. Der deutsche Vizemeister (89,475) kam trotz eines Sturzes am Reck auf Rang 21.

Bereits am Nachmittag hatten Chinas Kunstturner, lautstark bejubelt von 18.000 begeisterten Zuschauern im ausverkauften National Indoor Stadium, ihre Favoritenrolle eindrucksvoll bestätigt. Das Sextett der Gastgeber setzte sich mit 374,675 Punkten klar an die Spitze und dürfte in dieser Verfassung bei der Team-Entscheidung kaum zu schlagen sein. An vier von sechs Geräten erturnten die aktuellen Weltmeister das beste Mannschaftsergebnis und distanzierten die Konkurrenz deutlich. Am nächsten kamen den Gastgebern noch Olympiasieger Japan (369,550) sowie Ex-Weltmeister Russland (366,225).

Deutschlands 4 x100-Meter-Freistilstaffel der Frauen hat sich mit der zweitbesten Zeit für das Finale am Sonntag qualifiziert. Deutschlands Schwimmstar Britta Steffen führte die Staffel mit Meike Freitag, Antje Buschschulte und Daniela Götz als Schlussschwimmerin in 3:37,52 Minuten hinter den überraschend starken Chinesinnen (3:36,78) souverän in den Endlauf. "Wir haben unser erstes Ziel erreicht", sagte Steffen, wollte von Euphorie aber nichts wissen: "Es wird nicht einfach, weil die anderen im Gegensatz zu uns nicht in Bestbesetzung geschwommen sind" und fügte aufgrund der ungewohnt frühen Startzeiten für die Finalläufe hinzu: "Nun müssen wir am Morgen unsere Glubschaugen aufkriegen." Vor vier Jahren in Athen hatte die Staffel auf Platz vier noch eine Medaille verpasst.

Paul Biedermann scheiterte als 18. über 400 Meter Freistil in 3:48,03 Minuten, war aber nicht enttäuscht. "Das war ein Test für mich für die halbe Distanz ab Sonntag. Deshalb bin ich so fix angegangen und musste dem Tempo Tribut zollen", sagte der 22-Jährige. Für seine Paradestrecke, auf der er beim EM-Triumph im März in Eindhoven den 24 Jahre alten deutschen Rekord von Michael Groß unterboten hatte, bleibt Biedermann optimistisch: "Ich fühle mich hier sehr wohl." Christian Kubusch (3:52,73) blieb auf Rang 29 deutlich unter seinen Möglichkeiten.

Die deutsche Meisterin Daniela Samulski aus Wuppertal schied über 100 Meter Schmetterling als 39. im Vorlauf aus und blieb in 1:00,37 Minuten deutlich über ihrer nationalen Bestmarke. Katharina Schiller, die für die verletzte Nicole Hetzer nachnominiert worden war, belegte über 400 Meter Lagen Rang 33 (4:51,52).

Der US-Amerikaner Michael Phelps, dessen Ziel acht Goldmedaillen sind, war im Vorlauf selbst im Schongang eine Klasse für sich. In 4:07,82 Minuten blieb der 23-Jährige 44 Hundertstel unter dem olympischen Rekord bei seinem Sieg 2004 in Athen und 1,44 Sekunden vor dem zweitplatzierten Europameister Laszlo Cseh aus Ungarn. "Ich bin sehr zufrieden mit der Zeit", sagte Phelps: "Mein Ziel war es, im Finale auf der Mittelbahn zu sein. Das hat bestens geklappt.".

Für den ersten Europarekord sorgte der Norweger Alexander Dale Oen, der in 59,41 Sekunden über 100 Meter Brust seine eigene Bestmarke von der Europameisterschaft in Eindhoven um 35 Hundertstel verbesserte.

Die deutschen Handballerinnen gewannen ihre Auftaktpartie gegen Brasilien überraschend mühevoll 24:22 (11:12). Gegen einen teilweise überhart spielenden Gegner verschaffte sich die Mannschaft von Bundestrainer Armin Emrich damit die erhofft gute Ausgangsposition im Rennen um eine Medaille. Beste deutsche Werferin war Nadine Krause mit sechs Toren. Nächster Gegner in der Gruppe B ist am Montag Südkorea, es folgen im Zwei-Tages-Rhythmus Ungarn, Schweden und zum Vorrundenabschluss am 17. August Weltmeister Russland. Die jeweils besten vier Teams aus zwei Sechser-Gruppen ziehen ins Viertelfinale ein.

Das Team der deutschen Vielseitigkeitsreiter kann nach dem ersten Tag des olympischen Reitturniers in Hongkong weiter auf eine Medaille hoffen. Der Team-Weltmeister von 2006 kam nach drei von fünf Dressurstartern auf 135,30 Minuspunkte und belegte hinter den starken Australiern (102,80) und den USA (121, 50) den dritten Rang. Von den deutschen Startern überzeugte vor allem Hinrich Romeike mit seinem Schimmel Marius. Er belegte mit 37,40 Punkten den sechsten Platz. Frank Ostholt (44, 60 Punkte) kam mit Mr. Medicott auf Rang zwölf. Peter Thomsen (53,30) folgte mit The Ghost of Hamish (53,30) auf dem 29. Platz. Es führt die Australierin Lucinda Fredericks mit Headley Britannia (30,40). Am Sonntag wird die Dressur beendet.

fsc/sid/dpa

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