Olympische Spiele Hannawald stürzt an Medaille vorbei

Nach dem ersten Durchgang in Führung liegend verpasste der deutsche Skispringer Sven Hannawald beim zweiten Sprung auf der 120-Meter-Schanze von Park City am Ende sogar eine Medaille. Wie schon auf der Normalschanze siegte der Schweizer Simon Ammann.


Landung auf dem Hosenboden: Sven Hannawald beim zweiten Durchgang auf der Großschanze
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Landung auf dem Hosenboden: Sven Hannawald beim zweiten Durchgang auf der Großschanze

Park City - Mit einem Riesensatz von 133 Metern im zweiten Durchgang sicherte sich der 21-jährige Ammann nach Gold auf der Normalschanze am Mittwoch mit einer Gesamtpunktzahl von 281,4 Punkten auch den Olympiasieg auf der 120-Meter-Schanze. Zweiter wurde der Pole Adam Malysz (131 und 128 Meter/269,7 Punkte), Bronze ging an den Finnen Matti Hautamäki (127 und 125,5 Meter/256,0 Punkte). Damit ist Ammann der zweite Doppel-Olympiasieger im Skispringen seit dem legendären Finnen Matti Nykänen 1988 in Calgary.

Hannawald, der im ersten Durchgang mit einem Satz auf 132,5 Metern punkt- und weitengleich mit Ammann das Feld angeführt hatte, ging als letzter Springer der Konkurrenz vom Bakken. Als der Sieger der Vierschanzentournee seinen zweiten Sprung dann bei der 131 Metern landete, verkantete er die Ski, stürzte und fiel mit einer Punktzahl von 255,3 auf Platz vier zurück.

DSV zieht Protest wieder zurück

Der Deutsche Ski-Verband (DSV), der unmittelbar nach dem Wettbewerb Protest gegen die Wertung von Hannawalds letztem Sprung eingelegt hatte, zog seinen Antrag nach Durchsicht der Videoaufzeichnung wieder zurück. "Das war eine ganz faire Angelegenheit bei der Jury. Der Sprung war eindeutig gestürzt", erklärte DSV-Vertreter Rudi Tusch.

Der deutsche Kampfrichter hatte den Flug auf 131 Meter als gerodelt (fünf Punkte Abzug), die anderen vier als gestürzt (sieben Punkte Abzug) gewertet. "Sieben Punkte Abzug sind okay, da sind wir bei 13 Punkten. Drei Kampfrichter haben aber nur 11,5 gegeben. Da fehlt mindestens noch ein Punkt, aber das ist eine Tatsachenentscheidung, gegen die man nicht protestieren kann", sagte Tusch. Im Falle eines erfolgreichen Protestes wäre Hannawald noch von Rang vier auf den Bronzeplatz vorgerückt.

"Ich bin super frustriert"

Hannawald winkte nach seinem Patzer enttäuscht ab, Bundestrainer Reinhard Heß schlug entsetzt die Hände vors Gesicht. "Ich habe im ersten Moment gedacht, dass ich nach dem Sturz zwischen Platz sieben und zehn liege", meinte Hannawald: "Als ich dann gemerkt habe, dass nur sieben Zehntelpunkte an Bronze fehlten, war das der zweite Hammer. Ich bin super frustriert."

Die drei anderen im Wettbewerb vetretenen deutschen Skispringer lieferten gute Leistungen ab. Der an Knieproblemen leidende Martin Schmitt (126 und 119,5 Meter/240,4 Punkte) wurde 10. Stephan Hocke belegte Platz 12 (125 und 120,5 Meter/236,9 Punkte), und Michael Uhrmann als 15. (124 und 119 Meter/232,4 Punkte) komplettierte das abgesehen von der verpassten Medaillenchance erfreuliche Ergebnis aus Sicht des DSV.

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