Keine deutsche Bewerbung für 2036 Seehofer lehnt "Jubiläum der Nazi-Olympiade" ab

Bundesinnenminister Horst Seehofer schließt eine Bewerbung Deutschlands um die Austragung der Olympischen Spiele 2036 aus. Er fürchte eine "internationale Diskussion".
Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau

Horst Seehofer (CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau

Foto: Michael Kappeler / DPA

Horst Seehofer, als Bundesinnenminister zuständig für den Sport, hält eine deutsche Bewerbung als Ausrichter der Olympischen Spiele 2036 "nicht für denkbar". Das sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in einem Interview .

"Wir bekämen eine unsägliche internationale Diskussion und würden damit auch die olympische Idee beschädigen", sagte Seehofer. Der CSU-Politiker verwies auf Deutschlands belastete Olympiahistorie: 1936 hatten die Sommerspiele während der Nazidiktatur in Berlin stattgefunden. "Wie würde man das in der Welt sehen? Die Deutschen feiern hundertjähriges Jubiläum bezogen auf die Nazi-Olympiade? Das kann nicht sein."

Seehofer ist nicht der Erste, der seine Skepsis hinsichtlich einer deutschen Bewerbung für 2036 äußert. Zuletzt hatte sich auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), kritisch zu einer möglichen Bewerbung positioniert. "Ich persönlich bin nicht davon überzeugt, dass das ein zielführender Ansatz wäre", sagte er.

Deutsche Städte hatten sich zuletzt mehrfach erfolglos beworben - oder bekamen schon vor der Bewerbung Gegenwind aus der eigenen Bevölkerung. Sowohl Berlin (für 2000), Leipzig (2012), München (2018 und 2022) als auch Hamburg (2024) scheiterten mit ihren Ambitionen, Spiele ausrichten zu wollen.

Zuletzt wurde Mitte April von Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), ein Bewerbungskonzept der privatwirtschaftlich finanzierten Initiative Rhein Ruhr City 2032 vorgestellt, die eine Ausrichtung in 14 nordrheinwestfälischen Städten anstrebt.

Die nächsten Olympischen Spiele finden 2020 in Tokio, 2024 in Paris und 2028 in Los Angeles statt. Sollte Deutschland mit seiner Bewerbung für 2032 scheitern, deutet derzeit vieles darauf hin, dass es keine Bewerbung für das Folgeevent geben wird.

tip/dpa
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