Olympia-Pläne für NRW "Die Menschen sind extrem sportbegeistert"

Bei Bürgerbefragungen sind Olympische Spiele zuletzt krachend durchgefallen. Trotz der Pleiten in Hamburg und München will es der Sportevent-Vermarkter Michael Mronz im Rhein-Ruhr-Gebiet erneut versuchen. Warum?
Ein Interview von Benjamin Knaack
Olympische Ringe in Rio de Janeiro

Olympische Ringe in Rio de Janeiro

Foto: imago/Bildbyran
Zur Person
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Michael Mronz, 49, ist ein deutscher Sport- und Eventmanager. Er ist unter anderem für das Reitturnier CHIO in Aachen und das ATP-Tennisturnier in München zuständig. Bei der Leichtathletik-WM 2009 in Berlin war er Marketingchef, zudem veranstaltete er die TV Total Wok-WM.

SPIEGEL ONLINE: Herr Mronz, Sie ließen Stabhochspringer am Brandenburger Tor und Tennisspieler am Flughafen München antreten. Wo findet der olympische 100-Meter-Lauf 2028 statt?

Mronz: Das kann ich noch nicht sagen. Derzeit erstellen wir ein Grundlagenpapier, wie alle Sportarten auf bereits existierende Sportstätten sinnvoll aufgeteilt werden könnten. Das soll das Plus unserer Bewerbung sein: Mehr als 80 Prozent der benötigten Sportstätten wären heute schon in einer Rhein-Ruhr-Olympic-City vorhanden. Wenn feststeht, ob man sich für Olympische Spiele bewirbt, dann kann man sich mit solchen Detailfragen beschäftigen.

SPIEGEL ONLINE: Wieso glauben Sie, dass Ihre Bewerbung erfolgreich sein könnte?

Mronz: Weil wir exzellente Voraussetzungen haben. Es gibt heute schon Stadien und Hallen von Köln, Düsseldorf, Essen über Dortmund, ein Reitsportstadion in Aachen, ein Hockeystadion in Mönchengladbach, einen Basketballdome in Bonn, eine Ruderstrecke in Duisburg. Die Region Rhein-Ruhr verfügt über 700.000 Quadratmeter Messeflächen, wo einige Indoor-Sportarten stattfinden könnten. Auch Hotelbetten sind, mehr als vom IOC angefordert, bereits heute vorhanden.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch: Olympische Spiele haben in Deutschland einen schweren Stand. In Hamburg und München scheiterten zuletzt Bewerbungen an Bürgerbefragungen.

Mronz: Die Situation im Rhein-Ruhr-Gebiet ist eine andere, es gibt eine Vielzahl an Sportstätten und die Menschen haben seit jeher eine emotionale Verbindung zu ihnen. Wenn Sie in Mönchengladbach fragen würden, ob dort das olympische Hockeyturnier stattfinden soll, oder in Duisburg die Ruderwettbewerbe, dann sagen 80 Prozent der Menschen ja. In Nordrhein-Westfalen existieren 38.000 Sportvereine mit mehr als fünf Millionen Mitgliedern, 23 Bundesstützpunkte, drei Olymiastützpunkte. Die Menschen sind extrem sportbegeistert.

SPIEGEL ONLINE: Aber meinen Sie nicht, dass Sportbegeisterung etwas anderes ist als Zustimmung für Olympische Spiele? Korruption, Doping, Gigantismus, Knebelverträge - es gibt genügend Gründe, die gegen Olympia sprechen.

Mronz: Unser Konzept - das übrigens ohne Steuergelder und aus der Mitte der Gesellschaft erstellt wird - ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll, weil ein Großteil der Sportstätten vorhanden ist. Das Geld kann in den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur, in Digitalisierung und Mobilitätsangebote oder in die Renovierung der vorhandenen Breitensport-Anlagen fließen. Die Menschen sollen das Gefühl bekommen: Wenn Olympische Spiele kommen, ist das ein Beitrag dafür, dass meine Sportanlage wieder reaktiviert wird.

SPIEGEL ONLINE: Sie meinen, dass die Menschen in NRW das wirklich glauben?

Mronz: Das kann ich nicht sagen. Aber: In der Hochphase der Negativberichterstattung über Olympische Spiele, über die Dopingvorwürfe gegenüber der Russischen Föderation, der Kritik an den Spielen in Rio, haben wir unseren ersten Vorschlag gemacht. Und die Befragungen haben ergeben, dass zwei Drittel der Menschen das unterstützen . Das zeigt uns, dass die Menschen zumindest neugierig und offen für eine solche Idee sind.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie sich mit den Initiatoren aus Hamburg und München ausgetauscht?

Mronz: Das steht noch an. Ich fand das Konzept der Hamburger super. Es ähnelte dem aus London: die Gewinnung eines neuen Stadtteils. Wenn es allerdings zweimal Ablehnungen für Olympia bei Bürgerbefragungen gibt, dann muss hinterfragt werden, ob nicht Fehler bei der Bewerbung gemacht worden sind.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt unterschiedliche Reaktionen auf Ihren Vorstoß. Der DOSB hat sich skeptisch gezeigt, der Vorstandsvorsitzende Michael Vesper hat gesagt "es ist noch nicht an der Zeit". Kommt Ihre Initiative zu früh?

Mronz: Ich stimme dem DOSB zu hundert Prozent zu, im Moment gibt es nichts zu entscheiden. Erstmal muss abgewartet werden, wohin die Spiele 2024 im September dieses Jahres vergeben werden: in die USA oder nach Europa. Gehen sie nach Paris oder Budapest, dann muss man sich fragen, welchen Sinn es macht, sich für die Spiele 2028 zu bewerben. Wir wollen mit unserem Konzept startklar sein, falls es einen Versuch geben sollte.

SPIEGEL ONLINE: Und was machen Sie, wenn das IOC im September eine Doppelvergabe für 2024 und 2028 durchführt? IOC-Präsident Thomas Bach hält dies für den richtigen Weg .

Mronz: Auch hier gilt, im Falle startklar zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie dafür, dass es eine Bürgerbefragung geben soll, wie es NRW-Sportministerin Christina Kampmann in den Raum gestellt hat?

Mronz: Das ist nicht meine Entscheidung, sondern die der Politik. Ich glaube, dass eine Abstimmung positiv ausgehen würde.

SPIEGEL ONLINE: In Hamburg gab es eine mangelnde Kommunikation zwischen Kritikern und Bewerbern. Wie gehen Sie mit Menschen um, die Ihre Pläne nicht befürworten?

Mronz: Wir müssen eine sachliche und keine emotionale Diskussion führen. Daher erarbeiten wir das Grundlagenpapier. Wenn dieses vorliegt, setzen wir uns mit den Kommunen auseinander, mit der Landesregierung. Und wenn wir uns dann bewerben sollten, werden wir uns auch selbstverständlich mit den Kritikern austauschen. Aber es wird nie eine hundertprozentige Zustimmung geben.