Infografik der Woche Schwere Zeiten für olympische Sportarten

Die deutsche Sportlandschaft verändert sich. Ein Blick in die Mitgliedszahlen der großen Verbände zeigt: Die olympischen Kernsportarten schrumpfen fast alle. Gewinner sind Fußball - und Golf.
Foto: Statista, SPIEGEL ONLINE

Hamburgs Nein zur Olympiabewerbung ist noch immer ein Schock für viele Sportfunktionäre und Sportler. Sie erhofften sich durch die Bewerbung mehr Aufmerksamkeit für sonst eher im Abseits stehende Sportarten und fürchten nun einen weiteren Bedeutungsverlust gegenüber dem dominierenden Fußball. Während die deutsche Bewerbung für die Fußball-EM 2024 in der Bevölkerung mehrheitlich positiv gesehen wird, müssen die olympischen Sportarten sich ohne ein Großereignis im eigenen Land nach Alternativen umschauen, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Wie die Infografik der Woche von Statista  und SPIEGEL ONLINE zeigt, verzeichneten fast alle großen Sportverbände in den vergangenen fünf Jahren einen Mitgliederrückgang. Während der Deutsche Turner-Bund seine Mitgliederzahl etwa konstant halten konnte und mit rund fünf Millionen Mitgliedern weiter der zweitgrößte deutsche Sportverband ist, verlieren die anderen olympischen Kernsportarten.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband ist seit 2010 um mehr als sieben Prozent geschrumpft und mit etwa 820.000 Mitgliedern nun kleiner als der Deutsche Alpenverein. Auch die Schwimmer verlieren Mitglieder - interessanterweise stärker als die DLRG, die mittlerweile fast genauso viele Mitglieder zählt und ebenfalls im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) organisiert ist. Das Phänomen betrifft aber nicht nur die Sommersportler: Auch der Skiverband verlor seit 2010 fast 20.000 Mitglieder.

Alpenverein, Karate- und Football-Verband gewinnen

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hingegen baut seinen Vorsprung als mitgliederstärkster Sportverband in Deutschland weiter aus und zählt 2015 rund 6,9 Millionen Mitglieder. Als einziger anderer der größten zehn Verbände im DOSB gewinnt der Deutsche Golf Verband hinzu: Satte 6,6 Prozent seit 2010. Nur 24 von 58 seit 2010 im DOSB vertretenden Sportverbände hatten 2015 mehr Mitglieder als 2010. Hinzu kommen der Gehörlosen-Sportverband (etwa konstant) und der Behindertensportverband (deutliches Plus), die wir an dieser Stelle ausklammern, da sie mehrere Sportarten vertreten.

Von den 24 Verbänden mit Mitgliederzuwachs sind acht nicht bei Olympischen Spielen vertreten. Es gewinnen vor allem der Alpenverein, der Karate-Verband, der Football-Verband und der Motorsport-Bund hinzu. Zwei weitere "Gewinner", Golf und Rugby, sind erst 2016 in Rio de Janeiro olympisch. Die Gesamtzahl der zusätzlichen Mitglieder in den wachsenden Verbänden fällt zu rund zwei Dritteln auf diese zehn Verbände. Nur 10,7 Prozent des Wachstums fand in olympischen Sportarten außerhalb des Fußballs statt.

In absoluten Zahlen bleibt festzuhalten: Während die Verbände der 2012 beziehungsweise 2014 olympischen Sportarten seit 2010 mehr als 375.000 Mitglieder verloren haben - lässt man den DFB außen vor sogar mehr als eine halbe Million - gewannen die DOSB-Mitgliedsverbände aus dem nicht-olympischen Sport rund eine Viertelmillion neue Mitglieder hinzu. Es scheint tatsächlich, als liege die Zukunft des Sports in Deutschland außerhalb der olympischen Disziplinen.


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Andreas Grieß (Statista)/pst
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