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11. Februar 2013, 15:48 Uhr

Dopingprozess

Jaksche belastet Fuentes schwer

Der spanische Dopingarzt Eufemiano Fuentes soll beim früheren Radteam Liberty Seguros systematisch Blutdoping durchgeführt haben. Das sagte der geständige Ex-Radprofi Jörg Jaksche bei seiner Vernehmung im Prozess um die "Operación Puerto" aus. Zudem hätten ihn die Teamchefs zum Doping ermutigt.

Hamburg - Im Prozess um die "Operación Puerto" hat der frühere Radprofi Jörg Jaksche den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes belastet und seine früheren Teamchefs kritisiert: "Sie ermutigten uns damals zu dopen, und jetzt beschuldigen sie uns, um sich selber zu retten", sagte der geständige Dopingsünder vor dem Madrider Gericht aus. Jaksche erklärte, etliche Fahrer des damaligen Teams Liberty Seguros seien Fuentes-Kunden gewesen, doch er könne nicht genau sagen, wer. "Es war 2005 oder 2006, als mir Fuentes vor der Tour de France die Streckenkarte zeigte, in der eingekreist war, wo Bluttransfusionen geplant waren. Und vor lauter Kreisen sah man fast keine Karte mehr."

Laut Jaksche sei Ende 2005 ein nicht genannter Top-Fahrer zu seinem Team gestoßen, dieser habe aber nicht die gewünschten Erfolge einfahren können. Daraufhin sei der Mediziner um Hilfe gebeten worden. "Fuentes sagte mir damals, mein Boss (Manolo Saiz, Anm. d. Redaktion) sei deswegen auf ihn zugekommen", sagte Jaksche. Noch im gleichen Jahr sei die Zusammenarbeit zwischen dem Rennstall und Fuentes zwar beendet worden, den Fahrern habe man aber freigestellt, sich individuell von dem umstrittenen Arzt behandeln zu lassen.

Jaksche hatte den zuständigen Behörden schon vor seiner Aussage fehlenden Aufklärungswillen vorgeworfen. "Der Auftrag der Richterin ist festzustellen, ob Fuentes die Gesundheit seiner Klienten gefährdet hat. Sie verweigert aber, diese zusätzlichen Klienten - sprich: Zeugen - anzuhören", hatte der 36-Jährige im Gespräch mit der "Tiroler Tageszeitung" gesagt.

Jaksche: "Fußball wird gedeckt"

Zudem unterstellt Jaksche Justiz und Sportverbänden in Spanien mangelndes Interesse daran, weitere Sportarten zu belangen. "Dass der Fußball tief mit drinsteckt, aber gedeckt wird, sollte jedem klar sein", sagte er, und: "Manche Sportarten wie Tennis, Schwimmen und Fußball haben Dopingtests, die eher an einen Schulaufsatz der ersten Klasse erinnern."

Der zweimalige Tour-de-France-Sieger Alberto Contador wird am 22. Februar vor das Madrider Gericht treten. Contador war im Jahr 2006 Mitglied des Liberty Seguros-Teams, Teamchef Saiz ist einer der Angeklagten.

Bei der "Operación Puerto" hatte die spanische Polizei im Mai 2006 Blutbeutel und weitere Dopingmittel beschlagnahmt. Fuentes und weitere Personen waren verhaftet worden. Den Vorwurf der Anklage, die Gesundheit seiner Patienten gefährdet zu haben, bestreitet der Mediziner. Er habe Bluttransfusionen bei Hochleistungssportlern vorgenommen, weil deren Blut bei Wettkämpfen einen gefährlich niedrigen Hämatokritwert aufgewiesen habe, so die Erklärung von Fuentes.

psk/sid

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