Pannen bei der Leichtathletik-WM Fehlstart, fallende Stäbe und eine falsche Frisur

Die WM in Daegu bot spannende Entscheidungen, Bestleistungen und neun Tage Leichtathletik-Unterhaltung vom Feinsten. Doch nicht nur strahlende Sieger gab es in Südkorea, sondern auch enttäuschte Verlierer. Darunter waren der Mega-Star der Szene, acht Deutsche und eine schlecht frisierte Weißrussin.

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Neun Tage lang boten die Leichtathleten bei der Weltmeisterschaft im südkoreanischen Daegu absoluten Spitzensport. Für Deutschland lief es vor allem in den Wurf- und Stoß-Disziplinen sehr gut: Diskuswerfer Robert Harting schleuderte die Scheibe auf 68,97 Meter, Kugelstoßer David Storl ließ der Konkurrenz mit 21,78 Metern keine Chance und im Speerwerfen reichten Matthias de Zordo 86,27 Meter zu Gold.

Die WM-Triumphe und Bestmarken gehen in die Sportgeschichtsbücher ein - in Erinnerung bleiben aber vor allem die ungewöhnlich Geschichten dieser WM. Und davon gab es einige. Gleich der zweite Wettkampftag hätte zum großen Schaulaufen von 100-Meter-Mega-Star Usain Bolt werden sollen. "Ich denke, ich werde mit Leichtigkeit gewinnen", hatte der 25-Jährige im Vorfeld der Titelkämpfe getönt. Doch am Sonntag nach dem Lauf blaffte Bolt dann: "Glotzt ihr, ob ich Tränen vergieße? Das wird nicht passieren." Diesem Ausbruch des ansonsten stets bestens gelaunten Jamaikaners war ein folgenschwerer Fehlstart vorausgegangen: Beim WM-Höhepunkt, dem 100-Meter-Finale, wurde der Titelverteidiger und Olympiasieger disqualifiziert. Ausgerechnet Bolt, der in den Vorläufen die beste Zeit gelaufen war und auch im Halbfinale der Konkurrenz keine Chance gelassen hatte.

Der siegesverwöhnte Sprinter lieferte jedoch nur den Auftakt zu einer Serie von Pleiten und Pannen. Ebenfalls noch am vergangenen Sonntag leistete sich Nastassia Mirontschik-Iwanowa ein Missgeschick, das erst eine Woche später ans Licht der Öffentlichkeit kam. Die Weißrussin kam im ersten gültigen Versuch auf 6,71 Meter - genug für Platz vier, aber für die Medaillenränge noch zu wenig. Sensationell dann Mirontschik-Iwanowas zweiter Versuch. 6,90 Meter sprang die 22-Jährige - persönliche Bestleistung, WM-Gold und 60.000 Euro Prämie! Dumm nur, dass die Athletin nicht nur lange Sätze macht, sondern auch lange Haare trägt: Ihr Pferdeschwanz hinterließ bei der Landung einen Abdruck im Sand, gemessen wurden "nur" 6,74 Meter. Die enttäuschte Mirontschik-Iwanowa blieb auf Platz vier und musste sich mit 15.000 Euro zufrieden geben. Aber auch das reicht ja noch allemal für einen Friseurbesuch.

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Falsch frisiert: Mirontschik-Iwanowas Spuren im Sand
An diesem Wochenende rauften sich dann die deutschen Sprinter die Haare: Zwar gehörten sie vor den Staffelläufen nicht zu den Top-Favoriten, aber zumindest der Finaleinzug war eingeplant. Yasmin Kwadwo ging als Erste an den Start, nach 100 Metern wartete Anne Möllinger auf den Stab. Doch der kam nie an. Kwadwo wurde kurz vor der Übergabe behindert und regte sich später auf: "Andere Läuferinnen standen komplett in meiner Bahn. Sie haben mich am Ellbogen berührt. Ich bin komplett aus dem Tritt gekommen."

Den deutschen Männern wäre die Blamage womöglich erspart geblieben, wäre Alex Schaf zumindest ein wenig aus dem Tritt gekommen. Stattdessen schoss der Schlussläufer los, Sebastian Ernst kam mit dem Staffelstab nicht hinterher und den beiden DLV-Athleten ging die Wechselzone aus - Disqualifikation auch hier. Ernst machte später seinem Namen dennoch keine Ehre, er hatte sich seinen Humor bewahrt: "Da hätte ich auch Usain Bolt sein können", kommentierte der 26-Jährige den Vorsprung seines Vordermannes.

Dix wartet vergeblich auf die Chance zum Duell mit Bolt

Vielleicht ein kleiner Trost für die deutschen Pech-Sprinter: Auch die US-Stars fanden auf den 100 Metern ein Fettnäpfchen. Dabei war alles bereitet für den krönenden Abschluss des Turniers. Bolt und Jamaika wollten im Finale der 4x100-Meter-Staffel ihren Titel gegen Walter Dix und die USA verteidigen. Die beiden Stars waren für den Showdown vorgesehen und starteten jeweils als letzte. Nesta Carter, Michael Frater und Yohan Blake (Jamaika) sowie Trell Kimmons, Justin Gatlin und Darvis Patton (USA) leisteten die Vorarbeit.

Patton war dabei allerdings nur über rund 98 seiner 100 Meter erfolgreich. Dann kollidierte er mit einem Briten auf der Nebenbahn und strauchelte, Aus für die USA, nix war es mit dem Gold für Dix und dem Schluss-Duell mit Bolt. Der sorgte dafür, dass die Weltmeisterschaft nicht mit dieser unbeabsichtigten Slapstickeinlage, sondern mit einer Glanzleistung zu Ende ging. 37,04 Sekunden bedeuten einen neuen Weltrekord - es war der einzige der gesamten WM.

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Nania 04.09.2011
1. Die Regel
mit dem Pferdeschwanz halte ich für sportlich nicht angemessen. Es hätte möglicherweise Möglichkeiten gegeben, den Pferdeschwanz hochzubinden, aber am Abdruck des Pferdeschwanzes die Sprungweite abzumessen, halte ich als Laie für wenig sinnvoll und wenig dem Sporte förderlich. Schultern oder Kopf kann ich da verstehen, Haare... das ist mir zu sehr "Haarspalterei".
schmidti43 04.09.2011
2. .
Wo soll denn sonst die Weite eines Weitsprungs gemessen werden, wenn nicht am Abdruck, der der Absprunglinie am nächsten liegt? Vielleicht hat sie da auch mit der Hand hingefasst? Ich weiß nicht, ob die Regel so lautet, aber so müsste die eigentlich sein. Was hat der Zopf damit zu tun? Sollen die Kampfrichter den Zopf abmessen und Überlegungen anstellen, wie weit der Zopf sich möglicherweise nach vorn bewegt hat und wo nun eigentlich die genaue Weite des Sprunges sein könnte?
laberhannes 04.09.2011
3. O_o
Zitat von Naniamit dem Pferdeschwanz halte ich für sportlich nicht angemessen. Es hätte möglicherweise Möglichkeiten gegeben, den Pferdeschwanz hochzubinden, aber am Abdruck des Pferdeschwanzes die Sprungweite abzumessen, halte ich als Laie für wenig sinnvoll und wenig dem Sporte förderlich. Schultern oder Kopf kann ich da verstehen, Haare... das ist mir zu sehr "Haarspalterei".
zu dieser Diskussion gehts hier lang: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=43028&page=17 ich könnte etwas Unterstützung brauchen!
Munku 04.09.2011
4. Abdruck ist Abdruck
Und nächstes Mal, wenn jemand beim Hochsprung die Latte mit dem Zopf herunterreißt, wird der Sprung trotzdem erfolgreich gewertet ? Regeln sind nunmal für alle da, und für alle GLEICH. Beim Weitsprung zählt nunmal ganz eindeutig, ob die Latte obenbleibt, und beim Weitsprung zählt nunmal ganz eindeutig der erste Abdruck im Sand. Wo würde denn deiner Meinung nach im Sandabdruck die Haare aufhören und der Kopf anfangen ? Und da kämen drei Richter auch jeweils zum identischen Ergebnis, auf den Zentimeter genau ?
regentrude 05.09.2011
5. So isses
Zitat von Naniamit dem Pferdeschwanz halte ich für sportlich nicht angemessen. Es hätte möglicherweise Möglichkeiten gegeben, den Pferdeschwanz hochzubinden, aber am Abdruck des Pferdeschwanzes die Sprungweite abzumessen, halte ich als Laie für wenig sinnvoll und wenig dem Sporte förderlich. Schultern oder Kopf kann ich da verstehen, Haare... das ist mir zu sehr "Haarspalterei".
Völlige Zustimmung. Da wird der Buchstabe der Regel gegen ihren Geist angewandt. Frust für Athletin und Zuschauerin. Nur für Spon und Co. eine Anekdote...
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