Paralympics Erster Dopingfall schon vor Eröffnungsfeier

Wie die Olympischen Spiele werden auch die heute beginnenden Paralympics in Athen bereits vor ihrer Eröffnung von einem Dopingskandal erschüttert. Der kanadische Sprinter Earle Connor ist positiv auf Nandrolon und Testosteron getestet worden. Ein Schock für die Spiele: Connor gilt als "Carl Lewis der Behinderten".

Athen - Connor, 28, teilte in einem Fax mit, dass er bei einer Trainingskontrolle am 23. August in A- und B-Probe positiv auf die verbotenen Substanzen getestet wurde. "Ich bedauere diesen sorglosen Fehler sehr", schrieb der Mann aus Castlegar in British Columbia, der von den Paralympics ausgeschlossen wurde. Das Internationale Paralympische Komitee wollte keinen Kommentar zu dem Fall abgeben, weil er nicht in seine Zuständigkeit fällt. Für Dopingkontrollen vor dem 10. September sind die nationalen Verbände verantwortlich.

Der im Alter von drei Monaten oberhalb des linken Kniegelenks amputierte Connor leidet nach eigenen Angaben seit 2001 an gravierenden gesundheitlichen Problemen. Er erklärte, er habe vor einem Leichtathletik-Meeting am 1. August in Leverkusen einen Zusammenbruch erlitten und musste wegen einer Magen-Darm-Erkrankung ein Krankenhaus aufsuchen. Um rechtzeitig für die Paralympics gesund zu werden, griff er zu leistungssteigernden Mitteln. "Diese Maßnahme zur schnelleren Genesung habe ich allein zu verantworten", schrieb Connor und schloss zugleich jegliche Mitschuld seines Trainers Les Grammantik aus.

Connor galt als potenzieller Star der Behindertenspiele. Vor vier Jahren in Sydney siegte er über 100 Meter in Weltrekordzeit und gewann Silber über 200 Meter. Im Mai wurde Connor mit dem Laureus World Sports Award ausgezeichnet. 2003 hatte Connor über 100 Meter (12,14 Sekunden), 200 Meter (26,66) und 400 Meter (1:07,23 Minuten) drei Weltrekorde an einem Tag aufgestellt. "Er ist der Carl Lewis der Behinderten, der absolute Überflieger", so Arno Schade, Pressesprecher des deutschen Teams. An den zwölften Paralympics, die heute Abend mit einer großen Feier eröffnet werden, nehmen rund 4000 Sportler aus 140 Ländern teil.

Der deutsche Mannschaftsarzt Markus Zimmer bestätigte, dass es auch bei den Behinderten Vorwettkampf-Kontrollen gibt. "Diese sind jedoch nicht so ausgeprägt wie bei den Olympischen Spielen. Zudem gibt es Anlaufprobleme, da die Athleten nicht so einfach aufzufinden sind", sagte er. In Athen rechnet Zimmer mit rund 670 Wettkampf-Kontrollen. In Sydney gab es elf Dopingfälle. Bei den Olympischen Spielen in Athen wurden bei den Wettkampf-Kontrollen 14 Aktive positiv getestet. Im Vorfeld hatten die griechischen Leichtathleten Kostas Kenteris und Ekaterini Thanou für einen Skandal gesorgt, als sie nicht zum Dopingtest erschienen.

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