Paralympics Mess-Skandal reißt Ukrainerin aus Goldjubel

Fünf Stunden lang feierte Marija Pomasan ihre Goldmedaille, dann wurde ihr der Titel wieder weggenommen. Die Jury hatte sich einen Messfehler erlaubt - und deshalb die falsche Diskuswerferin geehrt. Es war nicht die einzige Panne am zweiten Paralympics-Tag.
Diskuswerferin Pomasan: Jubel über Goldmedaille hielt nur kurz

Diskuswerferin Pomasan: Jubel über Goldmedaille hielt nur kurz

Foto: IAN KINGTON/ AFP

Hamburg - Ein Mess-Skandal hat den zweiten Tag der Paralympics überschattet. Wegen angeblich falsch programmierter Messgeräte waren gleich in zwei Disziplinen die falschen Ergebnisse veröffentlicht worden. Besonders bitter war der Vorfall bei den Diskuswerferinnen: Über fünf Stunden hatte das falsche Ergebnis Bestand, die Medaillen waren schon verliehen worden, bevor der Fehler auffiel. Die "richtigen" Medaillen-Gewinner werden nun am Samstag in einer neuen Ehrung ausgezeichnet. In dem Kugelstoß-Wettbewerb der Männer, bei dem ebenfalls falsch gemessen worden war, hatte die Siegerehrung noch nicht stattgefunden.

Die Ukrainerin Marija Pomasan muss ihre unter großem Jubel bereits erhaltene Goldmedaille nun wieder abgeben und erhält stattdessen Silber. Die Chinesin Qing Wu rückt vom Silber- auf den Goldrang. Ihre Landsfrau Jiongyu Bao muss Bronze abgeben und geht nun als Vierte leer aus. Dafür wird die zunächst auf Rang fünf geführte Australierin Katherine Proudfoot nun unverhofft zur Medaillen-Gewinnerin.

Pomasan bejubelte schon ihren "unglaublichen" Erfolg

Um kurz vor 13 Uhr hatte das Internationale Paralympische Komitee (IPC) noch ein Jubel-Zitat der vermeintlichen Paralympics-Siegerin Pomasan veröffentlicht. "Das ist alles sehr emotional für mich. Als ich realisiert habe, dass ich Gold gewonnen habe, war das einfach unglaublich. Das ist eine unvergessliche Erfahrung", hatte die Ukrainerin gesagt: "Ich werde mich jetzt nicht ausruhen können, sondern will weiterhin beweisen, dass Ukrainer die besten sind." Erst gegen 18.30 Uhr wurde das korrigierte Ergebnis bekannt gegeben. Das IPC entschuldigte sich in einer Mitteilung bei den Athletinnen.

Angeblich war der Fehler zustande gekommen, weil die Rechner nicht richtig auf das sogenannte Raza-System umgestellt waren. Dieses kommt zum Einsatz, wenn Sportler mit unterschiedlicher Behinderung mit einem Multiplikator-System direkt gegeneinander antreten. Pomasan hatte zweieinhalb Meter weiter geworfen als Wu, hatte wegen der minder schweren Behinderung im Endeffekt aber vier Punkte weniger als die Chinesin.

Schon in Peking 2008 hatten zwei Fälle von falsch vergebenen Medaillen für Aufsehen gesorgt. So hatte der Berliner Schwimmer Thomas Grimm sein unter Tränen der Rührung empfangenes Gold über 100 Meter Brust wieder abgeben müssen, weil die Disqualifikation des Mexikaners Pedro Rangel wegen eines erwiesenen Fehlverhaltens aufgrund von Formfehlern aufgehoben wurde.

Schon bei den Olympischen Sommerspielen in London hatte es mehrere Pannen der Jury gegeben: Zunächst wurde Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf verwechselt, erst nach Protesten bekam sie die Silbermedaille zugesprochen. Von Hammerwerferin Betty Heidler war zudem der fünfte Versuch von der elektronischen Weitenmessung nicht richtig erfasst worden. Die 28-Jährige bekam aber nachträglich Bronze.

leh/sid
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