Paris Masters Prinosil erreicht Viertelfinale

David Prinosil tritt in der Hallen-Serie aus dem Schatten von Tommy Haas und Nicolas Kiefer heraus. Der 27-jährige Moskau-Finalist erreichte beim Paris Masters die Runde der letzten acht.


David Prinosil hat sich in Paris bis ins Viertelfinale durchgeschlagen
DPA

David Prinosil hat sich in Paris bis ins Viertelfinale durchgeschlagen

Paris - Prinosil ist jetzt sogar auf dem Sprung auf den deutschen Tennis-Thron. Während der Amberger im Achtelfinale von Paris-Bercy den Amerikaner Michael Chang mit 4:6, 7:6 (8:6), 6:4 im sechsten Spiel erstmals besiegen konnte, verabschiedete sich der Olympia-Zweite Thomas Haas beim letzten Turnier der Masters-Serie schon in der zweiten Runde mit der dritten Niederlage in Folge (5:7, 4:6) gegen Sebastien Grosjean (Frankreich) unspektakulär in die Weihnachtsferien. Der 22-Jährige verpasste die große Chance, seinen Rivalen Nicolas Kiefer an der Spitze der deutschen Rangliste abzulösen. Überraschend kann dieses Kunststück nun Prinosil schaffen, der am Tag danach gegen den kleinen Chang groß aufspielte.

Sollte der 27-Jährige, der im "Palais Omnisport" am Freitag gegen Mark Philippoussis (Australien) um den Einzug ins Halbfinale kämpft, das Endspiel des prestigeträchtigen Hallenturniers erreichen, würde er zumindest Haas, die Nummer zwei in Deutschland, überholen. Um Kiefer von der Spitze zu verdrängen, müsste er sein erstes Masters-Turnier gewinnen. Prinosil, der in den 2:48 Stunden gegen Chang zwei Matchbälle abwehrte, ist der große Coup durchaus zuzutrauen. Aus Aberglauben hat er sich nicht rasiert und sieht eigener Einschätzung nach schrecklich aus. Trotz eines Schulterproblems ist der gebürtige Tscheche optimistisch: "Vielleicht gehe ich am Sonntag nach dem Finale zum Friseur."

Der in Florida lebende Haas dagegen zog ein durchwachsenes Fazit: "Es war das Ende eines schwierigen Jahres mit vielen Verletzungen und Krankheiten. Immer wenn ich anfing, gut zu spielen, kam etwas dazwischen. Das ganze Jahr ging es hoch und runter. Ich muss mich jetzt ausruhen." Der Weltranglisten-23. kündigte an: "Ich möchte wieder in die Top Ten."

Haas hat in dieser Saison sein Potenzial genauso wie Kiefer wieder nicht ausgespielt. Die beiden hochtalentierten Jungstars verpassten die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Lissabon recht klar. Trotzdem übte sich Haas auch in Paris in Selbstzufriedenheit: "Ich hatte eigentlich kaum richtig große Herausforderungen. In meiner Karriere verlief alles sehr glatt, und ich habe nie bezweifelt, dass ich es schaffen würde." Viel geschafft hat er allerdings noch nicht.

Seine Schwächen sind offenkundig. Sogar die engen Vertrauten "finden hin und wieder", erzählte Haas, "dass ich überhaupt keine Geduld habe." Vielleicht sollte der Jungprofi ein Stellengesuch aufgeben und einen Trainer suchen, der die Zügel fest in die Hand nimmt.

In Paris wurde das wankelmütige Tennis-Ass von Paul Ordonez betreut. Doch die Trainerfrage ("Ich weiß nicht, wie das in Zukunft klappen wird") ist genauso offen wie sein Programm 2001. Fest steht nur, dass Haas die Australian Open "auf jeden Fall" spielen wird. Echte Profis planen anders.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.