Basketball-Nationalspieler Paul Zipser "Ich will mehr attackieren"

Vom Nobody zum wichtigsten Verteidiger: Paul Zipser hat sich in der Startformation der Basketball-Nationalmannschaft etabliert. Im Interview spricht der 21-Jährige über seine starke Leistung gegen Serbien und die Ziele für die kommenden Spiele.

Basketball-Nationalspieler Zipser (vorne): "In der Verteidigung viel Selbstvertrauen"
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Basketball-Nationalspieler Zipser (vorne): "In der Verteidigung viel Selbstvertrauen"

Aus Berlin berichtet


Wenn Chris Fleming über Paul Zipser spricht, erinnert das an einen Lehrer und seinen Lieblingsschüler. "Paul gibt uns eine große Defensivkonstanz", sagt der Bundestrainer. Und: "Paul ist der beste Rebounder des Teams." Viel Lob für den jüngsten Spieler der Basketball-Nationalmannschaft.

Der 21-Jährige, der seit Januar 2013 für den FC Bayern spielt, war ohne große Erwartungen zur Nationalmannschaft gereist. Doch der Zwei-Meter-Mann überzeugte in der Vorbereitung und erarbeitete sich einen Platz in der Startformation - vor allem dank seiner Leistungen in der Defensive. Mit seiner Kombination aus Größe, Athletik und Beweglichkeit kann Zipser verschiedene Spielertypen verteidigen.

Bei der knappen Niederlage gegen Serbien am Sonntag hielt er lange Nemanja Bjelica unter Kontrolle. Dem amtierenden wertvollsten Spieler der Euroleague gelangen gegen Zipser nur fünf Punkte. Erst als der Deutsche in der Schlussphase auf der Bank saß, drehte Bjelica auf und führte sein Team mit sieben weiteren Punkten zum Sieg.

Schon in der Jugend beim USC Heidelberg galt Zipser als Ausnahmetalent, dann bremsten jedoch Verletzungsprobleme seine Entwicklung. In der vergangenen Saison blieb Zipser endlich von weiteren Rückschlägen verschont. Schon in den Playoffs deutete er mehrfach sein großes Potenzial an. NBA-Scouts beobachten ihn regelmäßig, seine Leistungen bei der EM sind auch eine Bewerbung für die beste Basketball-Liga der Welt.

SPIEGEL ONLINE: Herr Zipser, nur Dirk Nowitzki und Dennis Schröder, die Stars der Nationalmannschaft, kriegen mehr Spielzeit als Sie. Spiegelt das schon Ihre Wichtigkeit für das Team wider?

Zipser: Es ist eine Trainerentscheidung, wie viel man spielt. Ich freue mich, dass ich so viel auf dem Feld stehe und dass ich eine wichtige Rolle habe. Und mehr auch nicht.

SPIEGEL ONLINE: Vor der EM war mit dieser Rolle nicht zu rechnen, jetzt stehen Sie in der Startformation. Was ist der Grund für diese Entwicklung?

Zipser: Dass ich immer mehr Selbstvertrauen bekommen habe. Auch wenn ich gegen Serbien mit meiner Offensive nicht zufrieden war, habe ich defensiv immer viel Vertrauen in meine Fähigkeiten.

SPIEGEL ONLINE: Woran hapert es im Angriff noch?

Zipser: In der Offensive ist es immer ein bisschen Hin und Her. Erst auf den eigenen Abschluss gucken, und wenn die Hilfe kommt, den Pass auf den freien Mann finden, das ist das Ziel. In München habe ich das in der Vergangenheit besser gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Defensiv haben Sie gegen Serbien eine starke Leistung gezeigt und den besten Serben Nemanja Bjelica drei Viertel lang aus dem Spiel genommen. Wie ist Ihnen das gelungen?

Zipser: Ich habe mir Serbiens Spiel gegen Spanien angeschaut und viele Sachen von ihm angeguckt. Vielleicht war dann bei ihm gegen uns etwas die Luft raus. Vielleicht hat er gedacht, dass er gegen die Deutschen nicht so aufdrehen muss. Er hat aber auch nicht so viel probiert. Aber wenn, dann habe ich das ganz gut gemacht.

SPIEGEL ONLINE: In den kommenden Partien gegen die Türkei und gegen Italien könnten Sie es erneut mit den besten Spielern des Gegners zu tun bekommen. Gibt es einen Sonderauftrag von Bundestrainer Chris Fleming?

Zipser: Wir werden sehen, wie es läuft. Ich werde Ersan Ilyasova und Danilo Gallinari wahrscheinlich auch mal verteidigen, aber vielleicht in einer anderen Rolle als Bjelica.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit hilft es Ihnen persönlich, wenn Sie sehen, dass Sie mit Spielern wie Bjelica mithalten können?

Zipser: Für mich ist da immer ein Unterschied zwischen Defensive und Offensive. In der Verteidigung habe ich sehr viel Selbstvertrauen. Dass wird gegen die Türkei auch nicht anders sein als gegen Serbien. In der Offensive will ich mehr attackieren.

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sincere 08.09.2015
1. Das Problem ist,
Zipser ist überheblich und nicht selbstbewusst - großer Unterschied. Er hat ein Paar solide Spiele geliefert aber mehr nicht. Das Gesamtbild was er liefert ist hier entscheidend und aktuell hat er einfach noch zu wenig geliefert um so hohe Töne von sich zu geben.
dumovic 08.09.2015
2. das sehe ich nicht so
Zitat von sincereZipser ist überheblich und nicht selbstbewusst - großer Unterschied. Er hat ein Paar solide Spiele geliefert aber mehr nicht. Das Gesamtbild was er liefert ist hier entscheidend und aktuell hat er einfach noch zu wenig geliefert um so hohe Töne von sich zu geben.
denn das einzige, was man Zipser in den bisherigen Partien der EM vorwerfen könnte, ist zu wenig Selbstvertrauen in seine Offensive. Genau dieses Phänomen war bei manchem in der Mannschaft heute gegen die Türkei ebenfalls zu sehen. Außer "Dreiern" ist dem DBB Team nicht viel eingefallen. Das war weit entfernt von Überheblichkeit und großen (nicht hohen) Tönen.
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