Peking 2008 Deutsche Segler haben Bronze sicher - Silber noch möglich

Zittern nach dem Ziel: In einem dramatischen Rennen mit zahlreichen Kenterungen und Materialschäden sind die Brüder Peckolt bei den Olympischen Spielen auf Platz drei gefahren. Doch aufgrund mehrerer Proteste könnten die Deutschen noch einen Platz nach vorne rücken.


Hamburg - Ulrike Schümann segelte als Vierte an einer Medaille vorbei, die Brüder Jan-Peter und Hannes Peckolt haben nach einem denkwürdigen Sturmrennen Bronze sicher - könnten jedoch noch auf Rang zwei vorrücken, falls die führenden Dänen Jonas Warrer/Martin Ibsen disqualifiziert werden. Die vor dem Finalrennen klar in Führung liegenden Dänen waren vor Qingdao auf dem Weg zum Start gekentert, dabei war der Mast ihres 49ers gebrochen. In einem Last-Minute-Manöver liehen sie sich ein Boot der nicht am Medaillenrennen teilnehmenden Kroaten, verteidigten so ihre Gesamtführung und wurden in den Ergebnislisten auf Platz 1 geführt.

Segel-Brüder Peckolt: Medaille bei rauher See
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Segel-Brüder Peckolt: Medaille bei rauher See

Auf dem Silberplatz lagen mit Iker Martinez und Xabier Fernandez zunächst die spanischen Olympiasieger von 2004 vor den Peckolts. "Wir wissen noch nicht, welche Proteste es gibt, deswegen wollen wir uns nicht zu früh freuen. Wir müssen jetzt zur Doping-Kontrolle und dann in den Protestraum, können nichts sagen", sagte Hannes Peckolt. "Das war bis jetzt einer der schönsten Tage in unserem Leben, aber die Anspannung ist noch nicht ganz abgefallen. Das war heute nicht nur alles schön da draußen, das war kein Zuckerschlecken".

Der Wettfahrtleitung liegen mehrere Proteste vor, viele Nationen stellten das gesamte Rennen in Frage. Als Vierte im Medaillenrennen, in dem fast alle der zehn teilnehmenden Mannschaften bei stürmischen Winden um 25 bis 30 Knoten einmal gekentert waren, gelang den Studenten aus Hamburg und Kiel im Schluss-Spurt der Sprung auf das Siegerpodest.

Rigo de Nijs, der niederländische Coach der Peckolt-Brüder, sagte vor Beginn der Protestverhandlungen am Abend: "Wenn es nur nach meinem sportlichen Herz ginge, hätten die Dänen Gold verdient, nachdem, was sie geleistet haben." Die Dänen waren mit zweieinhalb Minuten Rückstand gestartet, aber als Siebte ins Ziel gekommen. Sie profitierten von Ausfällen und Kenterungen, retteten so ihre Gesamtführung. Besonderes Gewicht maßen die Beobachter jedoch einem angekündigten Protest der Wettfahrtleitung gegen die dänische Mannschaft bei, der am Abend verhandelt werden sollte.

Während bei den 49ern die Wellen hoch schlugen, feierten die Briten einen Doppel-Erfolg: Finn Dinghy-Steuermann Ben Ainslie hatte am Nachmittag sein drittes Olympiagold ersegelt und belegt damit auf der ewigen Bestenliste olympischer Segler neben dem Deutschen Jochen Schümann und dem Russen Walentin Mankin Rang zwei. Teamkameradin Sarah Ayton und ihre Yngling-Crew sicherten Gold Nummer zwei für die Briten, die erfolgreichste olympische Segelnation der letzten 20 Jahre.

Gleichzeitig verabschiedeten sich Ulrike Schümann und ihre Yngling-Crew mit Rang zwei im Finale als Gesamt-Vierte versöhnlich. Die Berliner Steuerfrau sagte nach ihrer Olympia-Premiere: "Ich bin nach unserer Achterbahnfahrt der Gefühle einfach nur glücklich und ziehe positiv Bilanz. Ich hätte vor den Spielen nie gedacht, dass Olympische Spiele wie ein Pokalspiel ihre eigenen Gesetze haben und man plötzlich nicht mehr man selbst ist. Ich gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge, aber stolz sind wir schon."

fpf/sid/dpa

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