Funktionärs-Rücktritte Vorstands-Ärger im Bund Deutscher Radfahrer

Rechtsradikale Facebook-Einträge, ein umstrittener politischer Newsletter, Rücktritte hochrangiger Funktionäre: Das Präsidium des Bunds Deutscher Radfahrer erlebt eine turbulente Zeit.

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Zwei hochrangige Radsportfunktionäre des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) sind zurückgetreten. Peter W. Streng, bislang stellvertretender Präsident, und Manfred Schwarz, als Vizepräsident verantwortlich für die Außendarstellung des Verbands und Ansprechpartner für Pressemitteilungen, haben ihre Ämter niedergelegt.

Laut BDR-Mitteilung zog Streng "die Konsequenzen aus Veröffentlichungen auf seiner privaten Facebook-Seite, für die er sich öffentlich entschuldigte". Streng war in die Kritik geraten, weil er fremdenfeindliche Beiträge rechtsextremer Seiten wie "Denken macht frei" auf seiner privaten Facebook-Seite geteilt hatte.

Der BDR hatte Streng daraufhin aufgefordert, die umstrittenen Inhalte zu entfernen und sich von ihnen zu distanzieren. Streng habe dies "sofort umgesetzt", teilte der Verband mit. Ursprünglich war geplant, über weitere mögliche Konsequenzen auf einer späteren Präsidiumssitzung zu beraten, nun folgte der Rücktritt.

Streng selbst wollte sich auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zunächst nicht zu seinen Beweggründen äußern. Der "Deutschen Presse-Agentur" sagte er jedoch am Sonntag: "Ich bin kein Nazi. Mein Rücktritt geschah im Interesse des BDR und ist kein Schuldeingeständnis."

Screenshot eines Streng-Postings
winkelsicht.blogspot.de

Screenshot eines Streng-Postings

"Nichts Extremes gefunden"

Der zweite Fall betrifft Manfred Schwarz. Ihm warf der BDR vor, "wegen politischer Meldungen in Kritik geraten" zu sein, "die er zwar von seiner privaten Mailadresse verschickte, die aber auch an Empfänger aus dem Umfeld seiner Verbandsarbeit gerichtet waren". Konkret wird ihm Missbrauch der durch seine Pressearbeit erhaltenen Kontakte für politische Beeinflussung vorgeworfen.

Schwarz war beim BDR unter anderem für den Radsport-Newsletter verantwortlich. Auch privat betrieb er einen Verteiler, der sich allerdings vorwiegend mit politischen Themen befasste. Die Artikel in dem Verteiler stammten sowohl von Medien wie "Focus", SPIEGEL ONLINE und "Welt", als auch von der rechts orientierten "Jungen Freiheit" und in einem Fall vom sogenannten "Deutschen Arbeitgeberverband".

Ein immer wiederkehrendes Thema in Schwarz' Newslettern: Kriminalität von und Probleme mit Flüchtlingen und Ausländern. Beim BDR sorgte die Fokussierung auf das Thema für Stirnrunzeln. Man habe zwar "nichts Extremes" gefunden: "Aber wer aufmerksam liest, erkennt, woher die Wortwahl kommt", teilte Generalsekretär Martin Wolf mit.

"Das ist eine krasse Verleumdung"

Schwarz kann die Aufregung nicht verstehen. Er habe sich "nichts Ehrenrühriges vorzuwerfen". Im Gegenteil: "Schon immer habe ich gegen Extremismus gekämpft - ob von links oder rechts." Keineswegs handele es sich um rechts- oder linkspopulistische Artikel. "Wer anderes behauptet, sagt die krasse Unwahrheit", sagte Schwarz.

SPIEGEL ONLINE sagte er zudem, dass nahezu alle Präsidiumsmitglieder, darunter auch Präsident Scharping, der damalige stellvertretende Präsident Streng und der Generalsekretär Wolf sowie einige wenige BDR-Landeschefs den politischen Newsletter lange Zeit erhielten, ohne sich zu beschweren oder vom Verteiler abzumelden. Lediglich ein Landespräsident habe gebeten, seine Adresse herauszunehmen.

Auf dem Höhepunkt des Streits schrieb BDR-Präsident Scharping Schwarz eine E-Mail, in der er ihm vorwarf, "Protest gegen die unverlangte, von Dir initiierte Zusendung Deiner E-Mails oder den Wunsch auf Streichung aus dem Verteiler nicht einfach akzeptiert [zu haben]". Scharping sieht darin "die nach unserer Satzung untersagte politische Betätigung und versuchte Beeinflussung im BDR". Diesen Vorwurf will Schwarz so nicht stehen lassen: "Das ist eine krasse Verleumdung. Stets habe ich auf Wunsch die jeweilige Adresse im Verteiler unverzüglich gelöscht, wenn darum gebeten worden ist."

Der zurückgetretene Funktionär Schwarz spricht von "Intrigen". Seinen Fall wolle er zudem nicht in Verbindung mit dem des ehemaligen Vorstandskollegen Streng sehen: "Ich habe mit Peter Streng nie über Politik diskutiert. Dass er rechtsextremistische Quellen auf seiner Facebookseite anscheinend über mehr als ein Jahr oft gepostet und geteilt hat, verurteile ich unmissverständlich und scharf."

Auch der BDR behandelt die beiden Fälle unterschiedlich, auch wenn sie mit derselben Konsequenz endeten: dem Rücktritt. Scharping sieht jedoch zumindest in einem Fall eine Parallele: "Du hast in Deinem Verteiler die Quelle "Deutscher Arbeitgeberverband" benutzt im Zusammenhang mit einem syrischen Flüchtling. Das ist wortgleich das, was Peter Streng leider (!) auf seine FB Seite gestellt hat", schreibt er Schwarz in der E-Mail.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
crazy_swayze 12.11.2016
1.
Die Meinungspolizei hat einmal wieder zugeschlagen.
Rubyconacer 12.11.2016
2. Krampfdativ
Wie kann man "von Funktionären zurücktreten?" Rücktritt zweier Funktionäre wäre korrekt.
Bueckstueck 12.11.2016
3. Schwarz
Wie Schwarz argumentieren will, ist mir schleierhaft, denn: Auf dem Höhepunkt des Streits schrieb BDR-Präsident Scharping Schwarz eine E-Mail, in der er ihm vorwarf, "Protest gegen die unverlangte, von Dir initiierte Zusendung Deiner Emails oder den Wunsch auf Streichung aus dem Verteiler nicht einfach akzeptiert [zu haben]". Scharping sieht darin "die nach unserer Satzung untersagte politische Betätigung und versuchte Beeinflussung im BDR". Schwarz hat also in Verletzung der Satzung ungefragt seine politischen Mails an Verbandsmitglieder verschickt (nennt man auch Spam) und dies (nach eigener Aussage) erst auf Verlangen eingestellt. Da kann er seinen Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen. Ob das jetzt einfach genutzt wird um einen unliebsamen Schwarz abzuservieren ist eigentlich egal, denn er hat was gemacht, was er nicht durfte.
Michael200669 12.11.2016
4.
Zitat von RubyconacerWie kann man "von Funktionären zurücktreten?" Rücktritt zweier Funktionäre wäre korrekt.
Wo genau ist jetzt der Fehler, den sie ausmachen. Ab zwei, kann die Mehrzahl genutzt werden. Daher ist die Wortwahl nicht verkehrt.
Benjamin Knaack (SPON-Redakteur) 12.11.2016
5. @Rubyconacer @Michael200669
Hallo liebe Leser, ich habe den Satz grammatikalisch angepasst. Vielen Dank für den Hinweis. Benjamin Knaack
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