NBA-Coach Popovich Langer Weg zur Lichtgestalt

Die Karriere von Gregg Popovich gleicht einer Hollywood-Geschichte. Nach Jahren in unteren Ligen gelang ihm der Sprung in die NBA. Dort machte er sich zunächst extrem unbeliebt. Wie er mit Hilfe eines Rookies doch noch zu einem der größten NBA-Trainer wurde, erzählt das Basketball-Magazin "FIVE".

Spurs-Coach Popovich: Das wohl beste Scouting der Basketballwelt
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Spurs-Coach Popovich: Das wohl beste Scouting der Basketballwelt

Von Manuel Solde


Lesen Sie im ersten Teil, wie Gregg Popovich fast beim Geheimdienst CIA gelandet wäre, dann aber den Weg zu einem der erfolgreichsten Basketball-Coaches in der NBA-Geschichte einschlug.

Der neue Geschäftsführer der San Antonio geht ziemlich rabiat vor und trifft gleich zu Beginn einige sehr unpopuläre Entscheidungen. So tradet Gregg Popovich Star-Spieler Dennis Rodman zu den Chicago Bulls, nachdem dieser zwei Jahre lang 17 Rebounds pro Partie abgegriffen hat. Im Gegenzug kommt mit Will Perdue ein limitierter Center, der als Backup für David Robinson dienen soll. Was nach einem einseitigen Trade aussieht, passt genau zu Popovichs Mannschaftsprinzip. "Wir holen Jungs, die ihre Arbeit machen wollen, dann nach Hause gehen und sich nicht von Kameras und Scheinwerferlicht beeindrucken lassen", so der Manager.

Als hätten seine Handlungen nicht schon genug Anhänger verstimmt, feuert "Pop" 1996 auch noch Spurs-Coach Bob Hill und übernimmt selbst den Job an der Seitenlinie. Die Aktion erntet heftige Kritik, da die Spurs unter Hill zuvor zwei starke Spielzeiten absolviert hatten. Der Coach muss nach nur 18 Partien (3-15) gehen.

Popovichs erste Saison als Headcoach in der NBA wird jedoch zum Desaster, am Ende steht die mieseste Bilanz der Franchise-Geschichte. Die Spurs gewinnen 1996/1997 nur 20 Partien und verpassen nach sieben Jahren erstmals die Playoffs.

Die kritischen Stimmen werden lauter, immer mehr Fans und Medienvertreter zweifeln an der Kompetenz des General Managers und Trainers in Personalunion. Ein lokaler Fernsehsender startet eine Beitragsreihe mit dem Namen "The Worst of Popovich". Doch die folgende Draft-Lottery bringt San Antonio den ersten Pick und damit den Mann, der die Karriere des Gregg Popovich und der gesamten Franchise für immer verändern wird. Und so läuten die folgenden Worte von Commissioner David Stern am 25. Juni 1997 die Zukunft der Spurs ein: "With the first pick in the 1997 NBA-Draft, the San Antonio Spurs select Tim Duncan from Wake Forest University."

Mit David Robinson bildet Duncan die "Twin Towers"

Wie von Popovich erhofft schlägt der 21-jährige Rookie in der Saison 1997/1998 ein wie die sprichwörtliche Bombe. Gemeinsam mit David Robinson bildet Duncan fortan die "Twin Towers". Das Duo dominiert offensiv wie defensiv. Duncan wird neben der Ernennung zum "Rookie des Jahres" sogar ins "All-NBA First Team" gewählt.

56 Siege fährt "Coach Pop" in seinem zweiten Jahr bei den Spurs ein und somit 36 mehr als in der Vorsaison - es ist die größte (positive) Differenz der NBA-Geschichte. Im Conference-Halbfinale kommt gegen den späteren Finalisten aus Utah dennoch das vorzeitige Saisonende.

Popovichs Scouting das wohl beste der Basketballwelt

Um einen Kern aus Tim Duncan, David Robinson, Sean Elliott und Avery Johnson baut Popovich ein Top-Team. Die Spurs pflügen förmlich durch die Playoffs der Saison 1998/1999, zerlegen erst Minnesota und sweepen die Lakers und Trail Blazers. In den Finals holen die Knicks einen Gnadensieg, bevor Avery Johnson mit seinem Gamewinner in Spiel fünf das Aufeinandertreffen entscheidet. Mit der ersten Meisterschaft für die Spurs und Gregg Popovich beginnt in San Antonio eine Dynastie. Noch dazu eine, die nicht nur auf Geld beruht, sondern auf harter Arbeit und dem wohl besten Scouting der Basketballwelt.

Selbst den härtesten Kritikern wird mit der Zeit klar, dass Popovichs Erfolg mehr zugrunde liegt als reines Draft-Glück. Nur fünf Tage nach den Finals steht die nächste Draft an. Der frisch gekürte Meister aus Texas wählt an 57. Position mit dem vorletzten Pick einen völlig unbekannten 21-jährigen Argentinier namens Emanuel Ginobili, der damals noch in Italien spielt.

Ein Jahr vor Ginobilis Debüt hat San Antonio bereits einen weiteren ausländischen Spieler verpflichtet, den kein anderes Team auf dem Schirm hatte: Mit dem letzten Erstrundenpick 2001 holt Popovich den französischen Aufbauspieler Tony Parker nach Texas. Beide fügen sich in den kommenden Jahren perfekt in die Mannschaft ein und avancieren unter Popovichs Leitung zu Starspielern.

Es folgen drei weitere Meisterschaften für die Franchise (2003, 2005 und 2007), zudem wird Gregg Popovich 2003 zum Trainer des Jahres gewählt (2012 erneut). So umstritten seine Maßnahmen anfangs auch waren, nun gilt er als einer der besten Trainer, als Innovator und Menschenkenner.

Dabei macht "Pop" keine Unterschiede zwischen Tim Duncan oder einem Rollenspieler, Sonderbehandlungen gibt es bei ihm nicht. "Gerade diese Art kommt bei allen gut an. Es gibt zu viele Trainer in der Liga, die sich nicht trauen, einem Star zu sagen, was er zu tun hat." Gregg Popovich ist halt in vielerlei Hinsicht anders als so viele NBA-Trainer.



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