Positive Dopingproben Sprintstar Hondo droht Karriereende

Mit Platz zwei bei Mailand-San Remo und mehreren Tagessiegen hatte Radsprinter Danilo Hondo in dieser Saison für positive Schlagzeilen gesorgt. Seit Donnerstag aber steht der 31-Jährige unter schwerem Dopingverdacht. Das Gerolsteiner-Team setzt Hondo deshalb unter Zugzwang.


Unter Dopingverdacht: "Danilo ist verzweifelt"
DPA

Unter Dopingverdacht: "Danilo ist verzweifelt"

Gent - "Ich habe ihm gesagt: lückenlose Aufklärung oder Abgang. Eine andere Alternative gibt es nicht", sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer am Vorabend der Flandern-Rundfahrt zum Dopingfall Hondo, "wir wollen genau wissen, wie die verbotene Substanz in seinen Körper gekommen ist. Der Vorwurf der Manipulation muss zu hundert Prozent ausgeräumt werden, sonst ist Danilos Karriere zu Ende."

Der Schwabe, der den Rennstall seit 1999 aus bescheidenen Anfängen in die erste Radsport-Liga führte "und es sieben Jahre lang sauber gehalten hat", will sein Ansehen nicht faulen Kompromissen opfern. "Danilo ist verzweifelt, aber es geht hier nicht um Gefühle. Er ist in der Bringschuld. Ich will von ihm klare Fakten haben, keine Märchen und bitte keine Mythen über den dritten Mann. Das habe ich oft genug bei anderen verurteilt, und ich ändere meine Haltung nicht, weil es jetzt unsere Mannschaft getroffen hat", so Holczer.

Nach Rücksprache mit dem Gerolsteiner-Betreuerstab scheint festzustehen, dass Hondo, der vom Team vorläufig suspendiert ist, kein Medikament wegen einer Verletzung oder Erkrankung erhielt. Somit sind Gerüchte über Ephedrin in Hustentropfen für Holczer "völlig an der Realität vorbei" aus der Luft gegriffen: "Wir reden hier schließlich über Aufputschpräparate, deshalb glaube ich nicht an Nahrungsergänzungsmittel und mag auch nichts von präparierter Schokolade hören."

Über die genaue Substanz, die in den zwei A-Proben gefunden wurde, will der Teamchef vorerst allerdings noch keine Angabe machen, "weil sich selbst unsere Mediziner noch nicht genau klar darüber sind". Mannschaftsarzt Jakobs wolle sich deshalb umgehend mit Biochemikern und Pharmazeuten in Verbindung setzen.

Teamchef Holczer: "Danilos Abgang wäre bitter, aber nicht das Ende"
DPA

Teamchef Holczer: "Danilos Abgang wäre bitter, aber nicht das Ende"

Hoffnungen auf Entlastung durch die B-Proben hält Holczer für weltfremd: "Ich habe meinen gesunden Menschenverstand noch bewahrt, und der sagt mir, dass sie auch positiv sein werden. Im besten Fall ermöglichen sie uns nähere Aufschlüsse über die Herkunft der Substanz, falls zusätzliche Analysen vorgenommen werden können."

Sollte dies erfolglos bleiben, wäre eine Zweijahressperre kaum zu umgehen. "Danach würde Danilo für weitere zwei Jahre von keinem ProTour-Team unter Vertrag genommen", so Holczer. Diese Ethikregel haben alle 20 Erstliga-Rennställe unterschrieben. Der Teamchef führte aus: "Danilo ist jetzt 31, das wäre das Aus für ihn nicht nur bei uns, das muss er wissen."

Für das Team Gerolsteiner ist der Dopingfall Hondo ein schwerer Schlag. "Danilos Abgang wäre bitter, aber nicht das Ende", entgegnete Holczer, "wir sind nicht das Team Hondo, sondern das Team Gerolsteiner, und das hat mit Davide Rebellin, Georg Totschnigg oder Levi Leipheimer noch immer Spitzenfahrer." Der Hauptsponsor und Namensgeber, ein Sprudelhersteller aus der Eifel, will seinen Vertrag bis 2008 erfüllen. "Wir gehen von einem Einzelfall aus und nicht von einer Team-Angelegenheit. Deshalb steht unser Engagement nicht zur Disposition", Gerolsteiner-Pressesprecher Stefan Göbel.



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