Pressestimmen zur Olympia-Vergabe "Putin tritt in die Fußstapfen Tony Blairs"

Die Kritiker können Russland die gute Laune nach der Vergabe von Olympia 2014 nach Sotschi nicht verderben. In den russischen Agenturen und Zeitungen mischt sich Stolz mit Erklärungsbedarf, Österreich dagegen ist ernüchtert.


RUSSLAND

Nachrichtenagentur Interfax: Präsident Wladimir Putin hat dem Präsident des IOC, Jacques Rogge, seinen Dank ausgesprochen. Er äußerte zudem im Telefongespräch die Hoffnung, auch in Zukunft engen Kontakt mit dem IOC zu halten. Er bekräftigte seine Überzeugung, dass alle geplanten Projekte innerhalb des Vorbereitungszeitraums für die Olympischen Spiele 2014 umgesetzt werden. Der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow hofft, dass in der Vorbereitungszeit der Olympischen Spiele auch Bauarbeiter aus Tschetschenien herangezogen werden. Das würde im bedeutenden Maße die Probleme der Arbeitslosigkeit in der Republik lösen.

Der Fernsehsender ORT berichtet in seiner Nachrichtensendung „Wremja": Hinsichtlich der Frage, ob während der Olympischen Winterspiele in Sotschi Schnee liegen wird, antwortete Putin: "Wir könnten Schnee exportieren!" So viel werde es geben.

Die Tageszeitung Kommersant greift unter der Überschrift „Echter Schnee ist garantiert" den Auftritt Wladimir Putins vor dem IOC- in Guatemala auf: Präsident Putin garantierte in seiner Rede vor dem IOC auf Englisch, dass das Olympische Zentrum in Sotschi fristgerecht fertig gestellt wird: "Wir veranschlagen eine Summe von zwölf Milliarden Dollar dafür. Die Einrichtungen wird ein regionales, nationales und internationales Sportzentrum. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Umwelt, Sicherheit, Infrastruktur und die neuesten Kommunikationsmittel gelegt. 70 Prozent der Gäste werden in einer Entfernung von fünf Minuten Fußweg untergebracht werden können. Ich verspreche noch ein besonderes Privileg: keine Verkehrsstaus. Ich verspreche es."

Nachrichtenagentur RIA Novosti: Der russische Premierminister Michail Fradkow wertet den Sieg Sotschis bei der Wahl zur Austragung der Olympischen Winterspiele 2014 als hohe Anerkennung Russlands in der heutigen Welt. Diese Entscheidung werde Russland außerdem die Möglichkeit bieten, "mit den Augen der internationalen Völkergemeinschaft auf sich zu schauen und seinen Platz in der Welt zu finden". Der russische Wirtschaftsminister German Gref rechnet damit, dass die Olympischen Winterspiele in Sotschi sich finanziell rentieren werden. "Innerhalb von zehn Jahren wird allein die Besteuerung mehr als 8,5 Milliarden Euro bringen", sagte er. Zusätzliches Geld wird der Verkauf der TV-Übertragungsrechte bringen. Zugleich betonte der Minister, dass es bei der Austragung der Winterspiele in Sotschi "nicht ums Geld geht". "Unser Land braucht das sehr, es schweißt uns zusammen", so Gref.

Nachrichtenagentur ITAR-TASS: In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Itar Tass versprach der Präsident der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien Ramsan Kadyrow Sicherheit und politische sowie gesellschaftliche Stabilität in Südrussland. Der Sieg für Sotschi ist nicht nur eine Anerkennung der Errungenschaften Russlands, sondern auch ein ernster Moment, welcher eine politische Bedeutung hat, präzisiert er.

Sportzeitung „Sowjetskij Sport": Putin tritt in die Fußstapfen Tony Blairs, der 2005 in Singapur innerhalb von zwei Tagen rund 60 Treffen mit Mitgliedern des IOCs wahrgenommen hatte.

ÖSTERREICH

Der Standard: Es war wohl auch ein bisschen arg naiv zu glauben, man könne in einer globalisierten Sportökonomie mit so etwas wie dem olympischen Gedanken allein punkten. Das Salzburg-Konzept von authentischen und überschaubareren Spielen war aus finanzieller Not geboren und vielleicht auch gut gemeint. Mehr nicht.

Kurier: Die persönliche, massive Unterstützung von Russlands Staatspräsident Wladimir Putin zeigte ebenso Wirkung wie die Ankündigung des russischen Energie-Riesen Gazprom, IOC-Sponsor zu werden. Letztlich siegte das große Geld.

Presse: Österreichs Bewerbung hatte gegen die finanziellen Giganten Sotschi und Pyeongchang keine Chance.

Zusammengestellt von Susanne Schlindwein und dpa



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mitwisser, 05.07.2007
1.
Zitat von sysop2014 werden die Winterspiele in der russischen Stadt Sotschi am Kaukasus ausgetragen. Eine richtige Entscheidung des IOC?
"Das olympische Dorf soll unmittelbar am Rand des Nationalparks Westkaukasus entstehen, der zum Weltkulturerbe gehört. Ebenso ist das Skigebiet Krasnaja Poljana bei Sotschi ein Naturschutzgebiet. Doch die russische Regierung hat die Baumaßnahmen in diesen geschützten Gebieten schlichtweg als "sozial notwendig" deklariert und so die Bestimmungen zum Erhalt der Naturschutzgebiete ausgehebelt." Das sagt eigentlich alles! Die Milliarden der Oligarchen müssen gewinnbringend investiert werden. Die Natur interessiert diese Leute nicht. Wieder ein Lebensraum weniger für seltene Wildtiere. Ich frage mich, wielange diese Erde das noch tragen kann? Imageträchtig wäre es, würden die Schutzgebiete im Rahmen der Winterspiele AUSGEWEITET werden und die Bauten ökologische Vorbildfunktion haben. Damit ist aber leider nicht zu rechnen...
AlexN, 05.07.2007
2.
Warum Irrsinn, was soll diese dumme Fragestellung? Sotschi ist eine normale Stadt und Russland ist die erfolgreichste Winterolympia-Nation, die noch nie den Zuschlag erhalten hatte. Oder hätte etwa Österreich zum dritten Mal die Winterspiele bekommen sollen? Es ist genug Geld da, mehr als in Österreich. Die ganze traditionelle Miesmacherei in den deutschen Medien, immer wenn es um Russland geht, geht mir auf den Keks. In Russland ist die überwältigende Mehrheit dafür, Millionen sind die ganze Nacht aufgeblieben und jubeln und der SPIEGEL widmet die Mehrheit des Artikels irgendwelchen marginalen Stänkerern und gaukelt irgendwelche massive "Umstrittenheit" vor, die gar keine ist. Man möchte eben, dass Russland immer mit Skepsis gesehen wird. Das sind geopolitische Reflexe. Ich freue mich sehr für Sotschi und bin mir sicher, dass Russland 2014 tolle Spiele austrägt.
dayo, 05.07.2007
3.
spon:" Am Ende werden nur die Reichen profitieren, fürchten Kritiker. " was ist daran so besonderes-das kennen wir schon lange: euroeinführung, globalisierung..die russen wollten kapitalismus,jetzt haben sie kapitalismus.
MyDocAngel 05.07.2007
4. Macht durch Geld
Zitat von sysop2014 werden die Winterspiele in der russischen Stadt Sotschi am Kaukasus ausgetragen. Eine richtige Entscheidung des IOC?
Was ist richtig, was ist falsch? Falsche Fragestellung? Der, der das Geld hat, hat auch die Macht - und Putin - mit seinen "Energien" hat schon bei mehreren Gipfeln beeindruckend dargestellt - hat Geld und Macht - was also sonst? Nicht neu, wonach und wie Gremien bei Olympia entscheiden... Nicht nur dort...
flos 05.07.2007
5.
Der Bau im nationalen Park wäre auf jeden Fall. Es ist ein Problem, aber es ist ein anderes Problem, es gibt einen Entwiklungsplan für Sotschi. Die Olympiade ist prima! Für Sotschi, für Russland, für die Sportler.
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