Prozess wegen Nichtnominierung Dreispringer Friedek gewinnt gegen DOSB

Er schaffte die Olympia-Norm und durfte trotzdem nicht bei den Sommerspielen 2008 in Peking antreten. Dagegen hatte der ehemalige Dreispringer Charles Friedek geklagt, jetzt hat er den Prozess gegen den Deutschen Olympischen Sportbund gewonnen - und hofft auf mehr als 100.000 Euro Schadensersatz.

Ex-Dreispringer Friedek (2008): DOSB hat den Nominierungsanspruch "schuldhaft verletzt"
dapd

Ex-Dreispringer Friedek (2008): DOSB hat den Nominierungsanspruch "schuldhaft verletzt"


Hamburg - Der frühere Dreispringer Charles Friedek hat den Prozess gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) wegen seiner Nichtnominierung für Peking 2008 gewonnen. Wie das Landgericht in Frankfurt am Main mitteilte, habe der DOSB den Nominierungsanspruch des heute 40-Jährigen "schuldhaft verletzt".

Friedek hatte auf Schadensersatz für entgangene Antritts-, Preis- und Sponsorengelder in Höhe von mindestens 133.500 Euro geklagt. Darüber entscheidet nun ein Betragsverfahren. "Wir werden uns nicht mit einem Apel und Ei abspeisen lassen, die Richterin hatte ja einen Vergleichsvorschlag von 70.000 Euro gemacht", sagte Friedeks Anwalt Michael Lehner: "Für uns ist das nachträglich eine Genugtuung."

"Das ist ein unverständliches Urteil, da es einer Entscheidung sowohl des Landgerichts Frankfurt als auch des Oberlandesgerichts Frankfurt zur Nominierung von Charles Friedek widerspricht", sagte DOSB-Sprecher Christian Klaue, "schon deshalb werden wir dagegen Berufung einlegen."

Friedek hatte die Olympia-Norm von 17 Metern zweimal innerhalb eines Wettbewerbs erfüllt, was der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) nicht anerkannte. Der Verband verlangte, dass die Weite bei zwei verschiedenen Wettkämpfen erzielt werden müsse, der DOSB verzichtete daraufhin auf eine Nominierung Friedeks.

Aus den Nominierungsrichtlinien, so die 13. Zivilkammer des Gerichts in ihrer Urteilsbegründung, lasse sich dies aber nicht entnehmen. "Es ist keine Entscheidung, die das ganze System berührt oder beeinträchtigt", sagte DLV-Präsident Clemens Prokop, räumte aber ein: "Dass Sportler wegen einer schuldhaften Nichtnominierung ein Schadensersatz zugesprochen bekommen könnten, hätte ein neue Qualität." Noch sei das Urteil aber nicht rechtskräftig und dürfe noch in die Instanzen gehen.

Friedek arbeitet seit 2010 als Trainer in Köln. Er feierte 1999 in Sevilla als Weltmeister seinen größten Triumph. Im gleichen Jahr hatte er in Japan auch in der Halle den WM-Titel geholt. Dreimal (1996, 2000 und 2004) war der Dreispringer bei Olympischen Spielen dabei, 17 Mal siegte er bei deutschen Meisterschaften.

luk/dpa

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