Rad-Sponsor König "Man neigt in Deutschland schon zur Hysterie"

Beim Weltcuprennen, den Cyclassics in Hamburg, sind auch die Fahrer des deutschen Profiteams NetApp am Start. Sponsor Andreas König spricht im Interview über das Engagement im Radsport, über Doping und die Tour de France.

Cyclassics in Hamburg: Auch das Team NetApp ist am Start
REUTERS

Cyclassics in Hamburg: Auch das Team NetApp ist am Start


SPIEGEL ONLINE: Herr König, Sie engagieren sich im Profiradsport - einer Sportart, die in Deutschland ein denkbar schlechtes Image genießt. Warum tun Sie das?

König: Wir sind schon seit Jahren im Sport tätig, engagieren uns seit langem im Fußball bei 1899 Hoffenheim - da waren die noch drittklassig. Aber wir wollten auch auf den internationalen Markt, da lag der Radsport nahe. Außerdem gibt's bei uns im Unternehmen auch zahlreiche begeisterte Hobby-Radsportler.

SPIEGEL ONLINE: Dass Radsport in Deutschland mit Doping fast gleichgesetzt wird, hat Sie nicht gestört?

König: Nein. Für mich ist Radsport eine bodenständige Sportart, in der man noch nah an die Aktiven herankommt. Ein Investment in der Formel 1 beispielsweise wäre für uns nicht in Frage gekommen. Außerdem ist die Radsport-Begeisterung in Deutschland immer noch stark. Als wir den Frühjahrs-Klassiker Paris-Roubaix gefahren sind, sind innerhalb von zwei Tagen allein 700 Zeitungsartikel über uns erschienen.

SPIEGEL ONLINE: Befürchten Sie nicht, dass das Unternehmen durch die Negativschlagzeilen, die der Sport in den vergangenen 15 Jahren gemacht hat, einen Imageschaden erleiden könnte? Andere Sponsoren wie Milram oder Wiesenhof sind irgendwann wieder ausgestiegen.

König: Überhaupt nicht. Gerade Milram hat doch durch den Radsport alle strategischen Ziele erreicht. Vorher waren sie unbekannt, jetzt ist der Name auch international eine Hausnummer. Die meisten Sponsoren sind ja nicht wegen des Images ausgestiegen, sondern aus ökonomischen Gründen.

SPIEGEL ONLINE: Dennoch können Sie nicht übersehen, dass das Dopingthema im Radsport allgegenwärtig ist.

König: Zumindest in Deutschland. Wobei ich es sehr schade finde, wie hier eine Sportart in den vergangenen Jahren systematisch heruntergeredet wurde. Ich bin ein absoluter Dopinggegner, aber so, wie man in Deutschland mit dem Radsport umgeht, nimmt man ihm jede Chance auf einen Neuanfang.

SPIEGEL ONLINE: Das heißt, es ist typisch deutsch, dass hier weniger über den Sport und mehr über Doping geredet wird?

König: Die Deutschen haben eine Neigung dazu, alles sehr gründlich zu machen. Und das Dopingthema beim Radsport haben sie ebenfalls sehr gründlich behandelt. Die vielen jungen tollen deutschen Fahrer sind praktisch gefangen in dieser Dopingfalle. Statt auf die Möglichkeiten dieses Sports zu schauen, wird vor allem auf die Problemfälle geschielt. Das geht schon in Richtung Hysterie.

SPIEGEL ONLINE: Sie legen die Hand ins Feuer, dass Doping bei Ihrem Team keine Rolle spielt?

König: Ich bin überzeugt davon. Wir haben so viele Maßnahmen getroffen. Die Aktiven wohnen zusammen, alles wird gemeinsam unternommen. Da hat ein Einzelner wenig Chancen, was Verbotenes zu tun.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn es doch zu einem Dopingfall bei NetApp kommt?

König: Das hätte umgehend Konsequenzen für unser Engagement. Das ist auch vertraglich so festgelegt. Alle im Team wissen darüber Bescheid. Da bin ich Vertreter einer Null-Toleranz-Linie.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Sportlicher Leiter ist Jens Heppner, der früher als Aktiver mit Jan Ullrich im Team Telekom gefahren ist - also konkret erfahren hat, wie es ist, erst gefeiert zu werden und dann unter Dopingverdacht zu geraten. Vertrauen Sie ihm?

König: Nach allem, was ich über ihn weiß, ist er ein absoluter Gegner des Dopings.

SPIEGEL ONLINE: Begegnet Ihnen zuweilen Unverständnis darüber, dass Sie im Radsport engagiert sind?

König: Gar nicht. Im Gegenteil: Wir bekommen viel Zuspruch. Viele unserer Kunden haben zum Beispiel Fotos des Teams auf ihrem Schreibtisch stehen.

SPIEGEL ONLINE: Inwieweit ist Ihr Engagement an sportliche Erfolge des Teams gekoppelt?

König: Wir haben Zeit. Ob das Team jetzt 2012 oder 2013 an der Tour de France teilnimmt, ist nicht so wichtig. In dieser Sportart muss man einen langen Atem haben. Im Radsport kann man nicht in einem Jahr reingehen und im nächsten wieder raus.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Tour soll es schon sein?

König: Ganz klar. Das ist unser Ziel.

Das Interview führte Peter Ahrens



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Seite 1
allereber 20.08.2011
1. Radsport
Zitat von sysopBeim Weltcuprennen, den Cyclassics in Hamburg, sind auch die Fahrer des deutschen Profi-Teams NetApp am Start. Sponsor Andreas König spricht im Interview über das Engagement im Radsport, über Doping und die Tour de France. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,781000,00.html
Deutschland braucht den Radsport. Dort wird am meißten wegen Doping kontrolliert. Nur deshalb das schlechte Image. Der Radsport ist der trainingsintensivste Sport den es gibt. Darum ist Radsport, Spitze für jung und alt. Wo bleibt die Deutschlandtour von Flensburg bis zum Bodensee. Übrigends: VW sponsert schon immer den Radsport. Wo bleibt Eure eigene Rennstall????
allgaeu-orient-rallye 20.08.2011
2. Klasse Herr König
schön, dass Sie sich zum Radsport bekennen. Tolle Sportart!! Es ist schlimm, wie der Radsport in Deutschland kaputtgeschrieben wurde. Natürlich waren die Ullrich und co Fälle nicht OK. Doch es gab in anderen Sportarten auch die Dieter Baumanns. Trotzdem steht in allen anderen Sportarten die Faszination des Sportes im Vordergrund. DANKE Ihnen für Ihr Engagement. Vielleicht können sich die Radsportfans durch Menschen wie sie es sind bald wieder nur an dem schönen Sport freuen.
zinobln, 20.08.2011
3. ein schwaches interview...
Zitat von sysopBeim Weltcuprennen, den Cyclassics in Hamburg, sind auch die Fahrer des deutschen Profi-Teams NetApp am Start. Sponsor Andreas König spricht im Interview über das Engagement im Radsport, über Doping und die Tour de France. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,781000,00.html
...und weil die sponsoren immer noch so naiv sind bzw. nichts hören, sehen und darüber reden wollen, wird es dieser tolle sport weiterhin schwer haben. sorry herr könig, aber doping ist einfach kein kavaliersdelikt und solange wie das thema mit "ullrich und co...das war nicht ok" schön geredet wird, hat der radsport wenig chancen auf eine reinigung von innen heraus. das was ullrich und co, also viele profirennfahrer tun, ist den ast abschneiden auf dem sie sitzen. die erfahrungen aus der vergangenheit haben sehr wohl gezeigt, dass dieses thema nicht einfach so vom tisch zu bekommen ist. das sie den medien die schuld zuweisen und dabei auch noch von hysterie sprechen macht deutlich, dass sie es offensichtlich bis jetzt noch nicht verstanden haben...nicht die medien sind daran schuld, sondern der radsport ganz allein ist schuld und muss deshalb auch die konsequenzen tragen...unter denen zum einen die sauberen rennfahrer und zum anderen die fans zu leiden haben.
stoneg 20.08.2011
4. ...
Zitat von allgaeu-orient-rallyeschön, dass Sie sich zum Radsport bekennen. Tolle Sportart!! Es ist schlimm, wie der Radsport in Deutschland kaputtgeschrieben wurde. Natürlich waren die Ullrich und co Fälle nicht OK. Doch es gab in anderen Sportarten auch die Dieter Baumanns. Trotzdem steht in allen anderen Sportarten die Faszination des Sportes im Vordergrund. DANKE Ihnen für Ihr Engagement. Vielleicht können sich die Radsportfans durch Menschen wie sie es sind bald wieder nur an dem schönen Sport freuen.
Also ich persönlich finde Radsport faszinierend. Allerdings glaube ich keinem einzigen Profi-Fahrer, dass er ohne Doping fährt. Und bei solchen dreisten Ausreden wie bei AC bekomme ich einen Lachanfall. Schade finde ich auch, dass offensichtlich kaum jemand wirklich gewillt ist, sich mal etwas sinnvolles auszudenken - im Zweifelsfall wird meistens die schützende Hand über die Heroen gehalten. Und JA! Das ist in anderen Sportarten auch so! Usain Bolt ist so schnell, weil er so groß ist, gerne Chicken McNuggets ist und das Wasser auf Jamaica ganz hervorragend ist (letzteres war wirklich mal O-Ton von einer Jamaikanischen Offiziellen...)? Na klar! Ich bin mir ziemlich sicher, dass kaum ein Profi-Sportler ohne Dopingmittel arbeitet - leider! Ist natürlich für junge Sportler schade, die sich dann irgendwann zwischen Erfolg und Hobby entscheiden müssen. Ich finds aber auch ziemlich lächerlich, dass sich die Radsportgemeinde immer als verfolgtes Opfer darstellt. Mein Gott, die müssen sich doch nur die einschlägigen Sendungen anschauen, da wird genug auch über Doping in anderen Sportarten gesprochen. Das klingt für mich immer so ein wenig nach Relativieren. Sorry, das war halt nicht nur Ulle und co! Mensch, das komplette Team Telekom ist geschlossen zur Bluttransfusion gefahren - Aber Kloedi sieht die Schuld ja bei den Medien! Da wunderts mich nicht, dass die Glaubwürdigkeit in Deutschland etwas gelitten hat...
scholli1983 20.08.2011
5. Der Begriff Hysterie ist treffend
Zitat von stonegAlso ich persönlich finde Radsport faszinierend. Allerdings glaube ich keinem einzigen Profi-Fahrer, dass er ohne Doping fährt. Und bei solchen dreisten Ausreden wie bei AC bekomme ich einen Lachanfall. Schade finde ich auch, dass offensichtlich kaum jemand wirklich gewillt ist, sich mal etwas sinnvolles auszudenken - im Zweifelsfall wird meistens die schützende Hand über die Heroen gehalten. Und JA! Das ist in anderen Sportarten auch so! Usain Bolt ist so schnell, weil er so groß ist, gerne Chicken McNuggets ist und das Wasser auf Jamaica ganz hervorragend ist (letzteres war wirklich mal O-Ton von einer Jamaikanischen Offiziellen...)? Na klar! Ich bin mir ziemlich sicher, dass kaum ein Profi-Sportler ohne Dopingmittel arbeitet - leider! Ist natürlich für junge Sportler schade, die sich dann irgendwann zwischen Erfolg und Hobby entscheiden müssen. Ich finds aber auch ziemlich lächerlich, dass sich die Radsportgemeinde immer als verfolgtes Opfer darstellt. Mein Gott, die müssen sich doch nur die einschlägigen Sendungen anschauen, da wird genug auch über Doping in anderen Sportarten gesprochen. Das klingt für mich immer so ein wenig nach Relativieren. Sorry, das war halt nicht nur Ulle und co! Mensch, das komplette Team Telekom ist geschlossen zur Bluttransfusion gefahren - Aber Kloedi sieht die Schuld ja bei den Medien! Da wunderts mich nicht, dass die Glaubwürdigkeit in Deutschland etwas gelitten hat...
Der Radsport ist und vor allem war sehr dopingbelastet. Aber dennoch ist es verzerrend einen extremen Maßstab an den Radsport anzulegen. Die positive Dopingprobe eines Herrn Contador verursacht insbesondere in Deutschland einen Aufschrei. Es wird aber völlig ignoriert, dass der Vfb Stuttgart einen mexikanischen Fussballer verpflichtet hat der auf das gleiche Mittel nur in einer vielfach höheren Dosis positiv getestet wurde. Müsste die ARD, wenn sie einen vergleichbaren Standard anlegt nicht bei jedem Tor des VFB davon sprechen,dass "man ein ungutes Gefühl" bei diesem Erfolg hat? Weshalb wird ein Zidane als Fussballikone gefeiert während auf einen Ullrich eingeprügelt wird? Wie kann es sein, dass mit Herrn Schäuble ein Mann in der Regierung sitzt der einst systematisches Doping gefordert hat? Ich befürchte, dass diese Dopinghysterie in Deutschland auch mit weitesgehender Unkenntnis zusammenhängt.
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